Museumschef entdeckt eine Rarität

In einer versteckten Ecke des Turmmuseums Geyer lagen alte Bergbau-Unterlagen, die ein besonderes Symbol ans Licht brachten. Leiter Lutz Röckert fand die historischen Belege und sah auch das Wasserzeichen im Papier, dessen Spur nach Niederzwönitz führt. Was hat es mit den Initialen C und B auf sich?

Geyer/Niederzwönitz.

Unbeschadet haben die alten Papiere die Jahrhunderte überdauert: Bisher unbekannte historische Rechnungsbelege der Bergbrüderschaft Geyer, die erst auf den zweiten Blick ein Geheimnis preisgeben. Alle Dokumente stammen aus dem 17. Jahrhundert, das älteste aus dem Jahr 1660. Lutz Röckert, der Leiter des Turmmuseums Geyer, entdeckte sie in einer dunklen Ecke des einstigen Wehr- und Wachtturms. Er war es auch, dem auf einem Teil der Belege ein entscheidendes Detail auffiel. Auf den alten Rechnungen ist ein Wasserzeichen zu sehen, das in jener Zeit in der Papiermühle Niederzwönitz verwendet worden war. Dank dem Fund in Geyer kann die Einrichtung es nun in einer Sonderausstellung im Original zeigen. Es zeigt den Schönburgschen Löwen und die Initialen C und B.

Wer sich dahinter verbirgt, das ist im Technischen Museum Papiermühle Niederzwönitz sehr wohl bekannt. "Wir wissen, wann welche Papiermüller welches Wasserzeichen verwendet haben. Das ist dokumentiert. Sie nutzten es wie ein Siegel, wie eine Unterschrift", sagt Paula Stötzer, die Leiterin der Einrichtung. Und so stehen das C und B für den einstigen Papiermüller Conrad Beyer, der von 1672 bis 1689 in Niederzwönitz Papier hergestellt hat. "Es ist das erste originale Wasserzeichen aus seiner Zeit, das nun entdeckt wurde", schildert sie. Man müsse sich vorstellen, dass Papier damals unheimlich wertvoll war. Die in Geyer gefundenen Dokumente würden aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg stammen, in der große Armut herrschte. "Damals wurde Papier noch aus Lumpen und Hadern hergestellt, die es aber kaum gab. Viele Menschen haben die Sachen getragen, bis es gar nicht mehr ging", schildert die Leiterin des Technischen Museums. Dass damals dennoch Papier benötigt wurde, hing mit der erheblichen Dokumentationspflicht infolge des Bergbaus zusammen. Paula Stötzer: "Papiermühlen waren gefragt, dadurch sind etliche in der Region entstanden."

Dass nun aus der Niederzwönitzer Einrichtung ein Wasserzeichen von Papiermüller Conrad Beyer im Original aufgetaucht ist, sei ein besonderer Glücksfall. Und zwar deshalb, weil aus seiner Zeit relativ viel dokumentiert ist. Indes war es kein Zufall, dass der Geyrische Museumsleiter Lutz Röckert genauer hinsah, als er die alten Bergbau-Rechnungen gefunden hatte. Er wusste darum, wie wertvoll das von Hand geschöpfte Papier in jener Zeit war. "Ich dachte mir: Wir werden es in Geyer damals doch nicht aus Leipzig, sondern bestimmt aus der Region bekommen haben", erzählt Röckert. Daher schaute er mit Absicht genauer hin und hielt die vorgefundenen Dokumente auch gegen das Licht - nur dann lassen sich die filigranen Wasserzeichen entdecken. Im Übrigen sei dieser Abdruck durch zu einem Muster gebogene Drähte entstanden, die auf dem zur Papier-Herstellung verwendeten Schöpfsieb aufgenäht waren. Der Zufallsfund der alten Rechnungsbelege habe es ermöglicht, eine direkte Verbindung zwischen der Papierherstellung in Niederzwönitz und dem Bergbaugeschehen in Geyer nachzuweisen.

Die Sonderausstellung "Vom Eisenhammer zur Luftfahrt-Hightech: 600 Jahre Industrialisierung in Zwönitz" ist im Technischen Museum Papiermühle Niederzwönitz noch bis Ende April 2021 zu sehen. Derzeit wird Teil 1 gezeigt, in dem auch ein wertvolles historisches Bergbuch aus dem Bergarchiv Freiberg zu sehen ist. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

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