Museumschef präsentiert Pläne: Mehr junge Kunst, mehr Internet

Frédéric Bußmann will die Kunstsammlungen offener gestalten und für junge Menschen interessanter machen. Die Höhepunkte für 2019 stehen schon fest.

Chemnitz.

Rund 100 Tage lang ist Frédéric Bußmann jetzt neuer Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen. In der Zeit hat er Pläne gemacht und Ideen gesammelt, was er verändern und welche Kunst er gern ausstellen will. In der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses stellte er den Mitgliedern in einem fast einstündigen Gespräch seine Ideen vor.

Dabei wurde vor allem deutlich, dass der Nachfolger von Ingrid Mössinger versuchen möchte, mehr auf potenzielle junge Museumsbesucher zu zugehen. Die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram sollen stärker bedient werden. Momentan werde der Internetauftritt der Kunstsammlungen überarbeitet und das Erscheinungsbild dervier Museen, die zu den Kunstsammlungen gehören, verbessert. Er wolle das Haus am Theaterplatz zudem besucherfreundlicher machen. Dazu gehören ein Leitsystem, das deutlich macht, wo sich was befindet, aber auch mehr Sitzgelegenheiten. Er strebe eine Öffnung des Museums in die Breite der Gesellschaft an, "ohne die Spitze zu verlieren", sagte Bußmann. Das solle auch durch mehr Wissensvermittlung über Kunst geschehen. Dafür wolle er im Museum Gunzenhauser Räume einrichten.

Weiterhin solle die Arbeit der Kunstsammlungen transparenter werden. Dazu gehöre auch der Umgang mit Besucherzahlen. Er habe kein Problem damit, sie öffentlich zu nennen. Diese Aussage begrüßten die Mitglieder des Kulturausschusses. Hubert Gintschel (Die Linke), sagte, Ingrid Mössinger sei beim Thema Besucherzahlen zurückhaltend gewesen, weil sie vor allem das Museum Gunzenhauser vor Angriffen schützen wollte. Bußmann sagte, wer das Haus kritisieren wolle, könne das auch ohne die Zahlen. Außerdem sei ein gravierender Rückgang von Besucherzahlen ein Zeichen, mehr im Bereich Kunst-vermittlung tun zu müssen. Auch über konkrete Ausstellungen sprach Bußmann. Am Theaterplatz wird vom 23. September bis 6. Januar eine Ausstellung gezeigt, die der Künstlerfreundschaft zwischen Carlfriedrich Claus und dem französsichen Paar Ilse und Pierre Garnier gewidmet ist. Vom 29. September bis 6. Januar werden Radierungen von Thomas Meier-Castel zu sehen sein. Werke der aus Chemnitz stammenden Malerin Helene Funke werden vom 4. November bis 13. Januar präsentiert. Und im Museum Gunzenhauser werden vom 21. Oktober bis 3. März Werke des abstrakten Malers Ruprecht Geiger gezeigt.

Auch für 2019 stehen die Höhepunkte fest. "Das Jahr wird eher zeitgenössisch", kündigte Bußmann an. So soll der Leipziger Maler David Schnell, einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler, seine Arbeiten von Februar bis Mai zeigen. Schnell, der Fenster der Leipziger Thomaskirche gestaltete, arbeite an Entwürfen für drei Fenster der Kunstsammlungen. Nach Möglichkeit sollen sie dem Haus erhalten bleiben, die Details stehen aber noch nicht fest.

Von Anfang Juni bis Ende September plant Bußmann, Videoinstallationen des deutsch-luxemburgischen Duos Marc Weis und Martin de Mattia (M+M) zu zeigen. Ebenfalls für 2019 bereiten die Kunstsammlungen anlässlich der Gründung des Bauhauses vor 100 Jahren die Präsentation von Bauhaus-Textilien aus dem eigenen Bestand vor, begleitet von einer Neuauflage einer Fotomappe von Marianne Brandt. "Die Sammlungsausstellung ist Teil meines Wunsches, bisher weniger gezeigte Bestände zu präsentieren und die Sammlung auf diese Weise zu aktivieren und immer neu zu befragen", so Bußmann.

Auch für das Museum Gunzenhauser gibt es Pläne. Bußmann arbeitet mit dem Kunstmuseum Bonn und dem Museum Wiesbaden zusammen. Zeitgleich werden ab Ende September 2019 bis Januar 2010 in allen drei Häusern etwa 50 junge zeitgenössische Malerinnen und Maler mit jeweils mehreren Werken gezeigt. Dafür besuchen Bußmann und seine Kollegen Ateliers, um die Künstler auszuwählen. Und dann sind da noch Ideen für die Zukunft. So sei es sein Wunsch, die Präsentation der Stadtgeschichte im Schloßbergmuseum zu überarbeiten, um sie mithilfe moderner Medien erzählen zu können. Das hänge aber auch von den finanziellen Ressourcen ab. Heute und morgen werde das Vorhaben nicht umgesetzt werden, so Bußmann

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