Museumskonzept gegen Besucherschwund

Ein Jahr Annaberg-Buchholz: Franziska Herzig hat ihre Entscheidung als Tourismusmanagerin in die Kreisstadt zu wechseln, nicht bereut. Jetzt hofft sie auf den Weltkulturerbetitel für die Region und mutige Entscheidungen des Stadtrates.

Annaberg-Buchholz.

Franziska Herzig ist nach dem ersten Jahr in Annaberg-Buchholz noch immer davon begeistert, was die nur rund 20.000 Einwohner zählende Stadt kulturell alles zu bieten hat. Allein deshalb habe sie ihre Entscheidung, per 1. Januar 2018 als Tourismusmanagerin in die Kreisstadt zu wechseln, nicht bereut. Auch, wenn es ein sehr anstrengendes erstes Jahr war, reicht der Verantwortungsbereich doch von Museen über die Touristinfo bis hin zur Stadtbibliothek. Doch wie nahezu überall ist auch in Annaberg-Buchholz nicht alles eitel Sonnenschein. Ein massives Problem liefern die drei großen städtischen Museen. Ihre Besucherzahlen befinden sich im Sinkflug. Für Franziska Herzig ein Schwerpunkt ihrer Arbeit.

Mit nur noch 33.167 Besuchern hat die Manufaktur der Träume vergangenes Jahr den bisherigen Tiefpunkt erreicht, sagt die Fachbereichsleiterin Kultur, Tourismus, Marketing - so die offizielle Bezeichnung ihrer Funktion. 2017 kamen immerhin noch 3577 Gäste mehr. 2012 waren es 54.156. Im Frohnauer Hammer sieht es kaum besser aus. Dort wurden vergangenes Jahr 29.782 Besucher gezählt. Für 2017 stehen 33.969 Gäste in der Statistik. Im Erzgebirgsmuseum plus Besucherbergwerk "Im Gößner" als Drittes im Bunde konnten in den zwei zurückliegenden Jahren jeweils reichlich 13.500 Besucher begrüßt werden. 2015 und 2016 waren es jährlich noch etwas über 16.000. Für die Stadt bedeutete das 2018, einen Zuschuss von 227.000 Euro für die Einrichtungen aufzubringen.

Ein Museumskonzept zu entwickeln, gehörte insofern zu Herzigs Hauptaufgaben. Das ist inzwischen fertig. Voraussichtlich im März soll es dem Stadtrat vorgestellt werden, sagt die Fachbereichsleiterin. Das Papier enthalte unter anderem eine Analyse des Status quo. Zudem seien mehrere Szenarien durchgespielt worden - etwa hinsichtlich Besucherzahlen, Zuschüssen oder des Wettbewerbs - die den Stadträten für ihre Entscheidungen zur Zukunft der Museen Argumente liefern sollen.

Dahin gehend wünscht sich Herzig, dass alle drei Museen auch für die nächsten Generationen noch attraktiv bleiben und es spannend sein muss, eine solche Einrichtung zu besuchen. Um das zu schaffen, müsse mit der Zeit gegangen und zum Beispiel mit Virtual Reality gearbeitet werden.

In Sachen Weichenstellung für die nächsten Jahre sei die Entscheidung zum Welterbetitel von wesentlicher Bedeutung. "Geht sie zu unseren Gunsten aus, sieht die Zukunft gleich besser aus. Jedoch müssen wir als Stadt dann manches schneller realisieren, als es vielleicht jetzt noch angedacht ist", sagt Herzig. So spricht sie zum Beispiel von Audioguide-Systemen für die Museen, die in mehreren Sprachen Besucher durch eine Ausstellung führen. Mit dem Welterbetitel müsse aber auch der Neubau am Frohnauer Hammer mit dem geplanten Informationszentrum kommen. "Dann nicht zu investieren, wäre die schlechteste Lösung", sagt Herzig. Das Problem: In der mittelfristigen Finanzplanung der Kreisstadt seien keine Baumaßnahmen am Hammer enthalten. CDU-Stadtrat Dietmar Lang stimmt Herzig zu: "Wir brauchen den Neubau am Hammer." Unter anderem deshalb, um dort die Volkskunstgalerie wieder so zu präsentieren, wie sie es verdient habe. Auch die Idee mit Audioguides, etwa per Handy-App, unterstützt Lang. Damit könne vielleicht der wegen Personalmangel eingeführte montägige Schließtag im Hammer wieder abgeschafft werden, hofft er.

Mit positiven Aussagen kann Herzig indes in Sachen Übernachtungszahlen aufwarten. Diese lagen laut Statistischem Landesamt 2017 bei rund 44.000 Übernachtungen in der Kreisstadt und im vergangenen Jahr bei reichlich 46.500. Für Januar dieses Jahres stünden bereits 3500 Übernachtungen zu Buche. Die Anzahl könne die Stadt seit der Einführung der neuen Gästetaxe zum 1. Januar und dem damit einhergehenden neuen Online-Meldesystem jederzeit und sofort auslesen. Allerdings seien noch nicht alle Beherbergungsbetriebe an dieses System angeschlossen.

Um mehr Gäste in die Stadt zu locken, sollen unter anderem neue Zielgruppen erschlossen werden. Dazu gehören für Herzig beispielsweise die Teilnehmer der beiden Stoneman Miriquidi und Stoneman Road sowie Tagungsgäste. Unabhängig davon gelte es, die touristische Infrastruktur weiter zu verbessern. Am meisten klemme es an der Ausschilderung von Wanderwegen. Aber auch mehr Radwege und Ladestationen für E-Bikes werden benötigt, sagt die Tourismusmanagerin.

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