Nach fünf Monaten Aufbauzeit: Gigant nimmt Probebetrieb auf

Die neue Tauchanlage der Firma Osteks arbeitet. Die neu errichtete Lagerhalle ist auch fertig. Damit hat das Elterleiner Unternehmen gut 8 Millionen Euro investiert. Was noch fehlt, sind weitere Mitarbeiter.

Elterlein.

Der Gigant steht. Er ist 16 Meter hoch, nimmt eine Grundfläche von 1600 Quadratmeter ein. Das sind nur zwei der beeindruckenden Maße der neuen Anlage zur Oberflächenbeschichtung, die in der Firma Osteks im Elterleiner Gewerbegebiet ihren Probebetrieb aufgenommen hat. Was da für ein technisch ausgeklügeltes Monstrum entstanden ist, dafür stehen noch zahlreiche weitere Daten und Fakten. So haben rund 50 Monteure mehr als vier Monate für den Aufbau der Kathodischen Tauchlackierungs-Anlage (KTL) - das ist der exakte Begriff - benötigt. Um die 60 Lkw waren nötig, um den bei der Firma Knipl im ungarischen Bonyhád hergestellten Giganten ins Erzgebirge zu transportieren. Damit sich Jedermann nicht nur von den Dimensionen, sondern auch von der Arbeitsweise der KTL-Anlage selbst ein Bild machen kann, ist für den 27. Oktober ab 9 Uhr ein Tag der offenen Tür geplant.

Bis es so weit ist, steht jedoch noch einiges an Arbeit ins Haus. So müssen nach den ersten erfolgten Beschichtungen noch diverse Feineinstellungen realisiert werden. Deshalb werde sich der Probebetrieb sicher noch etwa sechs Wochen hinziehen, kalkuliert Betriebsleiter Jens Lorenz. In dieser Zeit gelte es, alle sogenannten Kinderkrankheiten auszumerzen. Anschließend soll der reguläre Betrieb aufgenommen werden, der perspektivisch dreischichtig geplant ist. Auch dabei sollen die ersten Monate noch Spezialisten aus Ungarn in Elterlein mit Rat und Tat zur Seite stehen, sagt Lorenz.

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Die ersten Aufträge für die KTL-Beschichtung liegen von regionalen Firmen vor. Auch ein großer Automobilzulieferer, der weltweit agiert, hat Teile, die im grenznahen Raum Tschechiens produziert werden, in Elterlein probebeschichtet. Sie gehen jetzt an ein Institut für Korrosionsschutz nach Dresden, das unter anderem einen sogenannten Salzsprühtest durchführt. Damit soll nachgewiesen werden, dass die in Elterlein beschichteten Teile nicht rosten. Die Bestätigung darüber fordert der Auftraggeber, sagt Lorenz. Passt alles, sollte es grünes Licht für die Großserienbeschichtung geben.

Diese mit der neuen Anlage praktizierte Art der Beschichtung unterscheidet sich grundlegend vom herkömmlichen Lackieren. Wie der Name der Anlage bereits verrät, handelt es sich dabei um ein elektrochemisches Verfahren unter Gleichspannung. Dabei werden die der Anlage zugeführten Teile, das können Stahl als auch verzinkte Oberflächen sein, in mehreren Schritten zunächst aufwendig gereinigt und danach grundbeschichtet. Allein für die Reinigung sowie die Vorbereitung zur eigentlichen Beschichtung durchlaufen die Teile 19 sogenannte Vorbehandlungsbecken. Erst im 20.Becken erfolgt die Beschichtung. Anschließend schließen sich noch einmal drei Becken an, in denen überflüssiger Lack abgewaschen wird. Zum Schluss werden die Gestelle, an denen das Beschichtungsgut hängt, dem Brennofen übergeben, in dem die Lackpartikel bei 180 Grad Celsius 50 Minuten eingebrannt werden. Nach der Abkühlung verlassen die beschichteten Teile die Anlage wieder.

Trotz des High-Tech-Kolosses braucht es aber auch noch Menschen. Deshalb sind in den nächsten Wochen mehrere Einstellungen geplant. "Seit April haben wir die Belegschaft bereits um neun weitere Personen aufgestockt", sagt Lorenz. Mit dem langsamen Hochfahren der Produktion werden ab Oktober nach und nach Mitarbeiter für die Qualitätssicherung sowie im Dreischicht-Betrieb für die Bestückung der KTL-Anlage gesucht.

Mit ihr können pro Stunde 40 Quadratmeter beschichtet werden beziehungsweise Teile, die bis zu einer Tonne schwer sind und Maximalmaße aufweisen von 2,60 Meter Länge, 2,10 Meter Höhe und 0,90 Meter Tiefe - etwa von Herstellern von Bau- und Landmaschinen. Doch die KTL-Anlage ist nicht nur von ihren Maßen her gigantisch. Auch beim Verbrauch von Strom und Gas stößt Osteks mit ihr in neue Dimensionen vor. Bislang lag der Stromverbrauch der Firma bei 130 Kilowatt pro Stunde. Nunmehr werde er auf das Zehnfache steigen. Deshalb müsse extra ein separates Trafohaus auf dem Firmengelände errichtet werden. Zudem benötige die Firma auch eine weitere Gasleitung für den Einbrennofen. "Aufgrund dieser Ressourcen wollen wir versuchen, Wärme zurückzugewinnen, etwa um die einzelnen Tauchbäder auf den nötigen Temperaturen zu halten, die bei 60 bis 70 Grad Celsius liegen", sagt Lorenz.

Und die Firma Osteks, die bis zum 1. Oktober 2017 als Briloner Leuchten firmierte, hat dieses Jahr noch mehr investiert. So etwa 200.000 Euro in ein neues Pulverbeschichtungszentrum mit neuer Pistolentechnik. "Das versetzt uns in die Lage, in der gleichen Zeit eine größere Fläche zu beschichten", erklärt Lorenz. Bei dem Zentrum handelt es sich um eine Durchlaufanlage für die Großserienproduktion.

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