Naturschutzgroßprojekt wirft Fragen auf

Crottendorfs Rat tat sich schwer bei der Meinungsbildung in einer aktuellen Debatte. Ihm fehlte Konkretes. Am Ende wurden erste Schritte befürwortet, geknüpft an Bedingungen.

Crottendorf.

Soll sich der Erzgebirgskreis um ein vom Bund gefördertes Naturschutzgroßprojekt bemühen? Sich dazu zu positionieren, ist Crottendorfs Gemeinderat angesichts offener Fragen schwer gefallen. Nach langer Debatte sprach sich das Gremium mehrheitlich dafür aus, dass eine erste vorbereitende Etappe eines solchen Projekts befürwortet wird. Allerdings wurde das Votum an Bedingungen geknüpft. Die eigentliche Entscheidung trifft der Kreistag. Sie steht noch aus.

Teile von Crottendorf und dessen Umgebung liegen in einem von drei möglichen Fördergebieten - in einem Offenlandverbund von erzgebirgstypischen Lebensräumen zwischen Elterlein und Oberwiesenthal. Konkret geht es vor allem um artenreiche Wiesen, erklärte Angela Stolz, Leiterin des Sachgebiets Naturschutz/Landwirtschaft im Landratsamt. Sollte das Projekt kommen, ist ein Ziel, dass der Kreis als Träger Flächen erwirbt oder langfristig pachtet - etwa, um sie an regionale Landwirte weiter zu verpachten. Sie sollen die Pflege der Flächen umsetzen, um diese naturschutzrechtlich aufzuwerten und somit etwa artenreiche Wiesen dauerhaft zu erhalten. Für Maßnahmen wie eine artgerechte Mahd würden sie Fördergeld bekommen. Das alles soll freiwillig geschehen. Um welche Flächen es konkret geht, würde aber erst nach der Erarbeitung eines Pflege- und Entwicklungsplans feststehen, wofür alle Akteure an einen Tisch müssten. Liegt dieser vor, könnte der Kreis immer noch aus dem Projekt aussteigen, ohne schon erhaltene Zuschüsse zurückzahlen zu müssen. Generell geht es nicht darum, ein neues strenges Schutzgebiet auszuweisen.

Crottendorfs Rat befürwortete die erste Etappe für ein Naturschutzgroßprojekt mit neun Ja- zu sechs Nein-Stimmen - unter folgenden Bedingungen. Die Gemeinde soll in ihrem Gebiet die Entscheidungsbefugnis haben, welche Flächen ins Projekt kommen. Geht es später um den Kauf von Land dafür, soll nicht nur der Eigentümer entscheiden, sondern auch der Pächter. Denn das würde viele Landwirte betreffen. Eine ihrer Sorgen angesichts der Debatte ist, oft ohnehin schon knappe Ackerflächen zu verlieren, auf denen sie etwa das Futter für ihre Tiere anbauen. Das wurde während der Ratssitzung deutlich. Laut Claudia Pommer, der Geschäftsführerin des Naturschutzzentrums Erzgebirge, eignen sich reine Ackerflächen aber nicht, um aus ihnen artenreiche Wiesen zu entwickeln.

Mehrere Räte wie Jörg Lötzsch (CDU) und Ina Brandt (Bürgerforum) erklärten, dass es schwierig sei, eine Entscheidung zu treffen, weil wenig Konkretes vorliegt. Andreas Demmler (Bürgerforum) warb dafür, Mut zu haben und sich zumindest auf die erste Etappe einzulassen. Bürgermeister Sebastian Martin (parteilos) ist skeptisch: "Es bleiben viele Fragen offen." Er befürchtet, dass der Ort durch ein Naturschutzgroßprojekt in seiner Entwicklung gehemmt werden könnte - weil neue Einschränkungen greifen.


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