Neue Airbag-Generation wird ab 2020 in Elterlein produziert

Die erzgebirgische Niederlassung der Firma Joyson Safety Systems beschäftigt rund 500 Mitarbeiter. Damit auch künftig gutes Personal zur Verfügung steht, setzt das Unternehmen auf eine intensive Ausbildung. Dabei werden die Lehrlinge durchaus mit Businessplänen und Weltneuheiten konfrontiert.

Elterlein.

Der Name ist Programm: Bei der Firma Joyson Safety Systems dreht sich alles um Sicherheit. Mit den 25.000 bis 26.000 Airbags, die täglich im Werk in Elterlein produziert werden, soll das Leben von Autofahrern bei einem Unfall geschützt werden. Und das künftig noch besser als bislang. Ab 2020, verrät Werkleiter Albert Cucek, wird in Elterlein eine neuartige Generation von Airbags gefertigt. Aktuell befindet sich diese noch in der Entwicklung.

Der Far-Side-Airbag, so die Bezeichnung, wird sich künftig an der rechten Seite des Fahrersitzes befinden. Das neue Sicherheitssystem soll verhindern, dass bei einem seitlichen Aufprall der Fahrer gegen die Mittelkonsole oder gar den Beifahrer geschleudert wird und sich so schwere Verletzungen zuzieht. Aktuell indes werden hauptsächlich Beifahrer- und Knieairbags hergestellt, sagt Cucek. Produziert wird in Elterlein für nahezu alle namhaften Automobilhersteller.


Circa 500 Mitarbeiter sind dafür in drei Schichten im Einsatz. Damit auch künftig gut ausgebildetes Personal zur Verfügung steht, fährt das Unternehmen auch in dem Bereich eine Art Sicherheitsstrategie. "Wir schauen frühzeitig, wer wann altersmäßig aus der Firma ausscheidet", sagt Cucek. Um keine Lücke entstehen zu lassen, werde selbst ausgebildet. Aktuell gibt es im Werk Elterlein 13 Lehrlinge. Fünf von ihnen haben auf besondere Weise auf sich aufmerksam gemacht.

Florian Hofrichter, Nico-Emanuel Lahl, Chantal Giehler, Johannes Ficker und Robert Gündel schafften es, in der ersten Phase des bundesweiten Wettbewerbs "Jugend gründet" eine Einladung zu einer Präsentations-Veranstaltung nach Leipzig zu erhalten. Die Elterleiner sind das einzige Team, das den Freistaat Sachsen vertreten darf. Bei dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung initiierten Wettbewerb handelt es sich um ein Planspiel. Die Lehrlinge mussten eine Geschäftsidee entwickeln, die Ausgangspunkt für die Gründung eines Unternehmens sein könnte. Auf dieser Grundlage galt es anschließend, einen Businessplan zu erstellen. Die besten dieser Pläne - darunter eben der des Teams der Firma Joyson Safety Systems - werden kommenden Mittwoch in der Messestadt Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft vorgestellt. Dabei wird sich zeigen, ob sich die fünf Elterleiner Lehrlinge mit ihrer Geschäftsidee gegen die Konkurrenz aus Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt behaupten können und vielleicht sogar die Chance auf den Bundessieg haben.

Werkleiter Cucek würde es ihnen und ihrer Geschäftsidee jedenfalls gönnen. Bei dieser handelt es sich um eine beheizbare Radhausschale für Autos. Mittels einer Art Heizwendel, die über die Fahrzeugbatterie auf 10 bis maximal 15 Grad Celsius erwärmt wird, soll ein Vereisen des Radkastens verhindert werden, erklärt Florian Hofrichter, der sich im dritten Lehrjahr befindet. Auch dabei steht wieder der Sicherheitsaspekt im Vordergrund, sagt Nico Lahl, erstes Lehrjahr. Bildet sich eine harte Eiskruste im Radkasten, könne dadurch das Lenkverhalten beeinflusst werden oder es im schlimmsten Fall zu einem Reifenplatzer kommen. Bei dieser Geschäftsidee handelt es sich eventuell sogar um eine Weltneuheit, sagen die Lehrlinge. Sie haben jedenfalls mehrfach recherchiert und nirgends einen Hinweis darauf gefunden, dass sich so etwas bereits anderswo in der Entwicklung befindet. Allerdings gibt es keine Chance auf eine spätere Umsetzung in der Produktion. "Wir wollen kein neues Geschäftsfeld aufmachen", sagt Werkleiter Albert Cucek. "Wir sind nun einmal ein Airbaghersteller."

Und der ist, was den Standort Elterlein betrifft, wieder in sicherem Fahrwasser unterwegs. Vor rund einem Jahr noch unter der Bezeichnung Takata unterwegs, erfolgte im April 2018 die Übernahme durch den chinesisch-amerikanischen Autozulieferer Joyson Safety Systems. Niemand wurde entlassen. Im Gegenteil, es hat seitdem sogar Neueinstellungen gegeben. "Für die Belegschaft hat sich quasi nichts weiter geändert als das Firmenschild", erklärt Cucek.

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