Neue Glocken, eine falsche Lieferung und ein Blitzeinschlag

In der Cunersdorfer Kirchgemeinde fiebert alles dem 6. Oktober entgegen. Dann endlich soll das neue Geläut für das Gotteshaus im Annaberg-Buchholzer Ortsteil geweiht werden. Dabei hätte es das um ein Haar nicht mehr gegeben.

Cunersdorf.

Mit einem kleinen Umzug durch den Ortsteil sollen am 6. Oktober die drei neuen Glocken für die Cunersdorfer Kirche vor das Gotteshaus gebracht werden. "Der Transport wird aller Wahrscheinlichkeit nach auf einem Hänger erfolgen. Dieser soll an der Pizzeria starten und dann langsam über die Dorfstraße bis vor die Kirche fahren", erzählt Pfarrer Matti Schlosser. Dort ist gegen 10 Uhr die Weihe des neuen Geläuts geplant. Wann dieses dann seinen Weg in den Turm finden wird, steht indes noch nicht fest. Ziel sei es, dass die neuen Glocken am 31. Oktober - dem Reformationstag - das erste Mal läuten.

"Ich bin jetzt guter Hoffnung, dass dieser Termin gehalten werden kann und bis dahin nichts mehr dazwischen kommt", sagt der Pfarrer. Dass er das so betont, hat seinen Grund. Anders als in anderen Kirchgemeinden war der Weg der Cunersdorfer zu ihren neuen Glocken nicht gerade ein glatt gepflasterter. Das wird allein daran deutlich, dass nach dem ursprünglichen Plan das Geläut bis Ende des vergangenen Jahres erneuert werden sollte. Daraus wurde aber nichts, weil die Detailplanungen nicht rechtzeitig vorlagen. Inzwischen ist das alles durch, sind die alten Eisenhartgussglocken bereits vom Turm abgenommen und die neuen in Innsbruck gegossen worden. Diese sind aus Bronze gefertigt worden, verfügen laut Matti Schlosser aber über das gleiche Klangmotiv wie die alten Glocken. Dennoch geht er davon aus, dass das neue Geläut sich etwas anders anhören wird, als man es in Cunersdorf gewohnt ist.

Egal, unterm Strich ist der Pfarrer jetzt froh, dass er zu den neuen Glocken auch noch eine Kirche hat. Denn die hätte es unter anderen Umständen nicht mehr geben können. Matti Schlosser zeigt keine fünf Meter von der Kirche entfernt auf eine Betonplatte oder das, was von ihr übrig ist. In diese Platte, auf der eine Kiste mit Streumaterial für den Winter steht, schlug am 3. August ein Blitz ein. Dieser soll eine Stromstärke von mehr als 300.000 Ampere gehabt haben, so die Aussage vom Blitz-Informationsdienst der Firma Siemens. "Alles was in der Kirche und im Umfeld elektrisch war, war hinterher kaputt", sagt Matti Schlosser. Die Betonplatte ist komplett zerstört. Der Pfarrer will nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, hätte der Blitz direkt in die Kirche eingeschlagen.

Im Vergleich zu dieser Beinahe-Katastrophe hört sich ein weiteres Vorkommnis auf dem Weg zu den neuen Glocken harmlos an. "Als das Geläut nach dem Guss in Cunersdorf angeliefert wurde, stellten wir fest, dass eine Glocke gar nicht unsere war. Sie gehörte nach Crimmitschau", sagt Matti Schlosser. Dass die Glocken vertauscht wurden, sei wohl der Tatsache geschuldet, dass der Guss für beide Kirchen zeitgleich erfolgte. Dieses Versehen sei aber schnell korrigiert worden.

Zurzeit wird im Kirchturm alles für den Einzug des neuen Geläuts vorbereitet. Dazu gehört beispielsweise der Einbau eines anderen Glockenstuhls. Der alte aus Stahl wurde ausgebaut und entsorgt. Der neue wird aus Eichenholz gefertigt. Dieses Material soll unter anderem einen weicheren Klang liefern. Zudem sei die Lebensdauer von hölzernen Glockenstühlen bei entsprechender Pflege um ein Vielfaches höher als bei Stahl.

Die Kosten für die gesamte Glockenumrüstung sind mit etwa 130.000 Euro angesetzt. "Ich gehe inzwischen aber davon aus, dass diese Summe nicht mehr reichen wird", sagt Matti Schlosser.

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