Neue Kunst aus alten Buchholzer Papieren

Spezielles Material aus einer ehemaligen Feinkartonagenfabrik hat Jörg Seifert zu einer Reihe von Arbeiten inspiriert. Es entstand auch eine Publikation. Das freut den letzten Inhaber des einstigen Traditionsbetriebes.

Annaberg-Buchholz.

Vielleicht wäre einmal ein Parfüm mit ihrer Hilfe verpackt worden - oder eine teure Flasche Wein? Fein strukturiert sind die Papiere, mit denen der Annaberg-Buchholzer Künstler Jörg Seifert in den vergangenen Monaten arbeiten konnte. Seltenes Material, das es so nicht gleich wieder gibt. Es sind Bezugspapiere aus einem ehemaligen Buchholzer Unternehmen, in dem zuletzt Gunter Seifert mit seinen Mitarbeitern Feinkartonagen hergestellt hat. Er tat das bis vor drei Jahren in vierter Generation. Den Betrieb gibt es zwar nicht mehr - doch ein Teil des speziellen Materials, das dort verwendet worden ist, besteht fort. Jörg Seifert hat es unter dem Titel "Buchholzer Papiere" in etwas Neues verwandelt.

Gunter Seifert, mit dem der Künstler nicht verwandt ist, hat ihm einen Teil der hochwertigen Materialien überlassen, nachdem er in Rente gegangen war und das Unternehmen seine Türen schloss. "Wir haben sie vorher als Bezugspapiere für Feinkartonagen verwendet - darunter waren auch viele Einzelanfertigungen", erzählt er. In die Verpackungen aus Pappe und Papier wurden zum Teil auch Samt und Seide eingelegt, um darin zum Beispiel besondere Präsente aufzubewahren. Abnehmer waren etwa die Spirituosenindustrie, aber auch Hersteller von erzgebirgischer Volkskunst wie das Zschorlauer Unternehmen Hubrig. "Solche hochwertig hergestellten Bezugspapiere gibt es heute nicht mehr. Da ist alles auf Massenproduktion getrimmt", sagt Gunter Seifert.

Jörg Seifert haben die feinen Strukturen der Bezugspapiere zu ganz eigenen Arbeiten inspiriert. Er begann zunächst, die zum Teil großen Bahnen zu zerschneiden, bevor er mit dem Malen anfing. Die ausgewählten Stücke wurden zum Untergrund für Arbeiten mit teilweise streng geometrischen Formen. Andere wiederum kommen daher wie Organismen, haben etwas sehr Lebendiges, Amöbenhaftes. Entstanden durch Linien, die wiederum sich teilweise überlagernde Flächen ergaben - gefüllt mit zwei oder mehreren Farben. Jörg Seifert: "Dadurch gibt es einen Vorder-, Mittel- und Hintergrund im Bild." Ein Grund, warum das Ergebnis so lebendig wirkt.

Zwischen 80 und 90 Exemplare der "Buchholzer Papiere" hat er seit Mai gestaltet. Ein Teil davon wird in einem gleichnamigen Heft gezeigt. Dass es solch eine umfassende Serie wird, war nicht absehbar. Aber die Arbeit daran habe eine eigene Dynamik entwickelt. Schließlich musste sich Jörg Seifert selbst ausbremsen, um wieder anderes anzugehen. Dennoch lassen ihn die "Buchholzer Papiere" noch nicht ganz los - er will ihnen später eine Ausstellung widmen. Zunächst werden einige von ihnen mit Werken weiterer Künstler ab 9. Dezember in der Galerie Laterne in Chemnitz zu sehen sein. Indes ist Gunter Seifert froh, dass ein Teil seiner Bezugspapiere noch anderweitig genutzt werden konnte. "Zum Wegschmeißen wären sie viel zu schade gewesen", sagt der ehemalige Inhaber der Feinkartonagenfabrik in Buchholz, die zu DDR-Zeiten an der Schulgasse, nach der Wende dann an der Brückenstraße ansässig war. Ihre Geschichte reichte übrigens bis 1885 zurück, der letzte Inhaber führte sie von 1985 bis 2016. Fast alle seine Mitarbeiter seien dann in Rente gegangen, eine Kollegin habe eine neue Arbeitsstelle angetreten. Denn ein Nachfolger für den Betrieb konnte nicht gefunden werden. "Leider gab es nach der Wende auch keine Ausbildung zum Kartonagenmacher mehr. Die lief aus", sagt Gunter Seifert. Spezielle Verpackungen blieben aber weiter gefragt - etwa wenn es um Sonderanfertigungen wie für große Pyramiden ging. Auch der Kontakt zu Jörg Seifert, der mit dem gleichnamigen Verein den Kunstkeller in Annaberg betreibt, ist auf diese Weise entstanden. Mit der Bestellung von maßgefertigten Kartons.

Das Heft "Buchholzer Papiere" mit Arbeiten von Jörg Seifert ist für 8 Euro im Kunstkeller in Annaberg, Wilischstraße 11, erhältlich. Bis Ende Dezember wird dort zudem die Ausstellung "20 sächsische Künstler aus fünf privaten Sammlungen" gezeigt. Diese kann nach Anmeldung besucht werden.

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