Neuer Stadtname gefällt nicht allen

Seit 1. Januar sind Aue und Bad Schlema eins. Doch die Bezeichnung für die fusionierte Kommune sehen auch Experten kritisch.

Aue-Bad Schlema.

Sie heißen Linsengericht, Oberhäslich oder Lederhose. Ortsnamen gibt es in vielen Varianten, darunter sind auch einige kuriose. Doch kaum eine Bezeichnung scheint so kompliziert zu sein, wie die der neuen Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema. Ein Bindestrich, der Bad-Titel in der Mitte und dann noch ein Leerzeichen. Dietlind Kremer leitet das Zentrum für Namenforschung an der Universität Leipzig und sieht den Begriff Aue-Bad Schlema kritisch: "Es ist kein wohlklingender, kein gut nutzbarer Name", sagt sie. "Vor allem die Mittelstellung des Bad-Titels ist sperrig." Wenn zwei Orte fusionieren, sei es aber immer schwierig, einen guten Kompromiss zu finden. Sie sagt deshalb: "Es gibt mehrere Namen, die nicht schön sind. Man gewöhnt sich an alles." Für eine größere Fusion mit mehreren Orten war in der Vergangenheit auch über den Namen Silberberg diskutiert worden. Der Titel klinge zwar besser, sagt Dietlind Kremer. Dafür zwei bestehende Ortsnamen zu streichen, sei aber nicht unbedingt die bessere Wahl. "Stadtnamen sind kulturelles Erbe."

Unter den Bürgern der neuen Stadt stößt der Name Aue-Bad Schlema bislang eher auf Skepsis bis Desinteresse. Das zeigt eine Straßenumfrage der "Freien Presse". So sagt Mary Schloms (87) aus Bad Schlema: "Der Name ist mir egal. Mir wäre aber eine Fusion mit Schneeberg lieber gewesen." Christine Knorr (68) aus dem Ort findet die neue Bezeichnung hingegen "doof". "Ich bleibe bei Bad Schlema." Die Fusion mit Aue sieht sie kritisch. "Ich weiß nicht, was sich der Bürgermeister dabei gedacht hat", sagt sie.

Manfred John (86) aus Bad Schlema bezeichnet den neuen Stadtnamen hingegen als fair. "Es kann nicht nur Aue oder nur Bad Schlema heißen." Den Titel Silberberg hätte er jedoch vorgezogen. "Das klingt besser." Zustimmung für Aue-Bad Schlema kommt hingegen von Elke Jöchel (52) aus Aue: "Das klingt gut."

Der bisherige Bürgermeister von Bad Schlema, Jens Müller, nennt die Namenswahl einen Kompromiss. "Beide Orte sollten sich wiederfinden. Das hat auch etwas mit Identitätswahrung zu tun." Das sächsische Innenministerium habe die Fusion und damit den Stadttitel Aue-Bad Schlema genehmigt. Auch er sagt aber: "Es ist nicht der ideale Name."

Dass der Bad-Titel in der Mitte der Bezeichnung steht und nicht vorn, erklärt Jens Müller so: "Wir können nicht aus Aue ein Bad machen. Der Zusatztitel ist nur für Schlema gedacht." Darin werde sich auch in Zukunft nichts ändern, etwa wenn im Jahr 2026 wieder der Kurort-Status überprüft wird. "Der Bad-Titel kann nicht nach vorn."

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