Neues Berufsbild braucht noch Zeit

Über die Seniorenseelsorge in Alteneinrichtungen hat Pfarrer Wilfried Warnat eine Forschungsarbeit vorgelegt. Doch wie mit den Ergebnissen umgehen?

Frohnau.

Am Ende der Diskussionsrunde bleibt das Ergebnis offen. Der gewünschte "Brückenschlag", der zu Beginn anmoderiert wurde, blieb aus. Dabei war der Einstieg verheißungsvoll. Für die Ergebnisse seiner Forschungsarbeit erntete Pfarrer Wilfried Warnat durchweg Zustimmung. Innerhalb eines Kontaktstudiums hatte sich der Annaberger Theologe mit der Seniorenseelsorge in Alteneinrichtungen beschäftigt und dazu eine Forschungsarbeit vorgestellt. Einigkeit unter den zahlreichen Gästen der Veranstaltung am Donnerstagabend in Frohnau herrschte nicht nur zur beschriebenen Ausgangslage und zur demografischen Entwicklung. Unstrittig war auch der Altenquotient, der Statistiken zufolge im Jahr 2030 im Erzgebirge bei 68 Prozent liegen wird, Tendenz steigend. Im Vergleich dazu werden Ballungsräume wie Dresden und Leipzig etwa 35 Prozent aufweisen. Einigung herrschte auch bei dem Fazit, dass es mit dem von Wilfried Warnat vorgeschlagenen Seniorenseelsorger ein neues Berufsbild zu schaffen gilt. Dieses soll sich professionell um die Begleitung Alter in Senioreneinrichtungen sowie deren Angehörigen kümmern. Warnat sieht den Beruf in Trägerschaft der Kirche angesiedelt.

In der sich anschließenden Diskussionsrunde wurde dann deutlich, dass es heute und morgen keine Pilotphase im Erzgebirge geben wird. Diese war in greifbare Nähe gerückt, als Björn Buchold, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohn- und Pflegezentrum Annaberg-Buchholz GmbH, eine Co-Finanzierung in Aussicht stellte. "Eine Seelsorge, die sich an den Bedarfen und Wünschen unserer rund 700 Kunden orientiert, ist von enormer Bedeutung", machte er deutlich. Dabei seien die Einrichtungen seines Unternehmens weltlich ausgerichtet, er selbst konfessionslos. "Wichtig ist für mich aber, dass die Seelsorge für jeden Menschen - egal, ob Konfession oder nicht - da ist", so Buchold. Die damit von ihm geschlagene Brücke griff keiner der nachfolgenden Teilnehmer auf.

Die kirchlichen Vertreter in der Runde, Frank del Chin, Oberkirchenrat für Beratung und Seelsorge im Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsen, und Klaus Mehlhorn, Bezirkskatechet und Vertreter der Suptur des Kirchenbezirks Annaberg, konnten zum Co-Angebot nichts beisteuern. Das Tischtuch sei zu klein, so del Chin. Seinen Worten zufolge müsste man beispielsweise Pfarrstellen streichen, um im Gegenzug die Stelle eines Seniorenseelsorgers zu schaffen. Er machte auf vereinzelte Beispiele in Sachsen aufmerksam, die mit einer individuellen Finanzierung einhergehen und nahm die Verantwortung des Ehrenamtes in die Pflicht. Dass jedoch gerade eine solch verantwortungsvolle Aufgabe, wie die des Seniorenseelsorgers in die Hand von ehrenamtlich Engagierten gehört, dem widersprach Björn Buchold: "Das Ehrenamt ist ausgereizt." Lediglich Michael Bockting, Bereichsleiter für Seniorenarbeit im Sächsischen Staatsministerium, suchte nach Lösungsvorschlägen. Auch wenn er nichts Konkretes aus der Tasche ziehen konnte, so verwies er doch auf ein in seinem Ministerium neu aufgelegtes Pflegebudget für die Regionen. "Mit Hilfe des Pflegebudgets wollen wir die Kommunen in die Lage versetzen, Möglichkeiten vor Ort zu schaffen und zu unterstützen", so der Mann aus Dresden.

Fazit: Trotz allgegenwärtiger hoher Akzeptanz des Themas bleibt es beim Abwarten. "Es braucht noch Zeit", sagte Wilfried Warnat zum Abschluss. Die wird für manchen knapp.

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