Neues Leben für Omas alten Schrank

Aus Paletten gebaute Möbelstücke sind in Mode. Eine Chemnitzerin hingegen baut aus alten Möbeln Paletten - die nun ihrerseits zu Möbeln werden.

Chemnitz.

Der Einfall, ausrangierte Möbel zu Paletten umzubauen, sei keine Schnapsidee gewesen, sagt Karola Köpferl. "Es war eine Kaffee-Idee." Die Mitarbeiterin der Hochschule Mittweida, die auf dem Sonnenberg zuhause ist, habe mit ihrem Mann Robert in einem Café gesessen - auf angesagten Möbeln, gebaut aus alten Euro-Paletten. "Wir fanden diesen Trend, alles aus Paletten zu bauen, furchtbar", erinnert sich die 28-Jährige. "Und dachten: Allein aus Protest müsste man es mal andersrum machen."

Karola Köpferl begann zu recherchieren und fand heraus, dass es sich bei dieser Modeerscheinung keineswegs um umweltbewusstes Recycling handelt. "Zum Teil werden die Paletten neu gekauft. Im Baumarkt bekommt man sie abgeschliffen in allen möglichen Farben." Einige Leute seien bereit, dafür hohe Preise zu zahlen. "Mittlerweile wird aber auch eine beträchtliche Anzahl an Paletten geklaut", weiß Köpferl, die früher neben dem Studium im Logistikbereich gejobbt hat. "Viele wissen nicht, dass es da ein Pfandsystem gibt. Zwischen 20 und 25 Euro werden pro Palette hinterlegt."

Torsten Kleditzsch

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Ein Küchenumbau bei ihrer Großmutter gab Anfang Februar den finalen Anstoß: Karola Köpferl und ihr Mann beschlossen, einer ausrangierten Schranktür und einigen Pressspanresten neues Leben einzuhauchen. Die genormten Maße der Euro-Paletten seien im Internet leicht zu finden gewesen. "Es erfordert aber ein bisschen räumliches Vorstellungsvermögen, um den Aufbau zu verstehen", sagt Köpferl. Anfangs habe sie Sorge gehabt, ob die Zuschnitte und Abstände stimmen. "Aber witzigerweise ist schon die erste Palette gelungen." Dabei sei sie nicht unbedingt handwerklich begabt, sagt Köpferl. "Ich habe zwar gelegentlich mal Sachen repariert oder abgeschliffen, aber mit einer Kreissäge zum Beispiel hatte ich bis dahin nie gearbeitet."

Ihre erste handgefertigte Palette und einige fertig zugeschnittene Bauteile brachte das Paar im März zur Maker Fair, der Kreativmesse in der Stadthalle. Dort bauten sie mit Unterstützung von Messebesuchern drei weitere Paletten zusammen. Zu Beginn habe sie die Aktion als Kunstprojekt betrachtet, so Köpferl. "Aber zum Ende der Messe kam jemand und wollte sie kaufen." Für 20Euro wechselten die vier Paletten Marke Eigenbau den Besitzer - der sich daraus ein modisches Sofa gebastelt hat. "Auch die Messe Chemnitz hat angefragt, ob wir für sie nicht ein paar Möbel aus unseren Möbel-Euro-Paletten bauen könnten", erzählt Köpferl.

Groß ins Palettengeschäft einsteigen wolle sie aber nicht. "Ich bin ja an der Hochschule angestellt und habe aktuell nicht vor, das so schnell zu ändern." Auch ihre Freizeit wolle sie nicht ganz in den Bau der Recyclingpaletten investieren. "Aber ich kann mir vorstellen, so ein Projekt mit einer Jugendeinrichtung umzusetzen", sagt Köpferl. Denn der Palettenbau schärfe nicht nur das räumliche Vorstellungsvermögen, sondern auch das Bewusstsein für Probleme der Überflussgesellschaft.

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