Neues Therapieangebot für Kinder mit Handicap

Die Physiotherapiepraxis von Bärbel Beyer in Neudorf steuert auf ihr 25-jähriges Bestehen zu - und erhält nun Zuwachs. Eine Rückkehr zu den Orten der Kindheit.

Neudorf/Hammerunterwiesenthal.

Bärbel Beyer ist in Neudorf eine Institution. Gibt es doch ihre Praxis für Physiotherapie seit nunmehr fast 25 Jahren in dem Sehmataler Ortsteil. Im Mai des nächsten Jahres steht das Jubiläum ins Haus. Das größte Geschenk dazu gibt es für die erfahrene Therapeutin aber schon jetzt: Ihre Tochter Angela, selbst Physiotherapeutin, ist mit ihrer Familie ins Erzgebirge zurückgekehrt und steigt mit in die elterliche Praxis ein. Und das auch noch mit einem ganz speziellen Therapieangebot für behinderte Kinder.

Eine Idee, die in Dresden lange gereift ist. Dort, wo die Familie ab 2002 gewohnt hat. Denn nach ihrer Ausbildung in Zwickau und zwei Jahren in einer Praxis hat Angela Beyer ihre berufliche Heimat im Kinderzentrum in Kreischa gefunden. Das Rehabilitationszentrum ist Neurologisches Fachkrankenhaus für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene und bietet seit mittlerweile mehr als 20 Jahren fachübergreifende Intensivmedizin für diese Altersgruppen an. "Wir haben dort Mädchen und Jungen mit Schädel-Hirn-Trauma behandelt, Entwicklungsstörungen und auch mit Muskelerkrankungen beispielsweise - ebenso wie schwerst mehrfachbehinderte Kinder", berichtet sie. Auch nach Unfällen haben Kinder dort die richtigen Therapeuten gefunden. Und bei den Gesprächen mit den betroffenen Eltern hat Angela Beyer immer wieder feststellen müssen, dass derart spezielle Therapeuten im Erzgebirge bisher kaum zu finden sind. So festigte sich mehr und mehr der Gedanke: "Wenn du dich selbstständig machst, dann im Erzgebirge", erzählt sie. Auch wenn sie damit ihre feste Anstellung aufgibt, von der stationären in die ambulante Betreuung wechselt, bei der die Kinder maximal ein- bis zweimal in der Woche in Behandlung sind. Im Gegensatz zur stationären Betreuung, wo sie in der Regel vier bis sechs Wochen sind.

So wuchs die Idee, sich mit in der Praxis in Neudorf einzurichten. Und vielleicht wird eines Tages sogar noch mehr daraus. Denn ihr Traum ist ein eigenes Kindertherapiezentrum - nach dem Vorbild des sozialpädriatrischen Zentrums, wie es in der Dresdener Neustadt eines gibt. In Dresden hat sie wichtige Erfahrungen gesammelt, über die sie sagt: "Ich bin dankbar, dass ich dort nach der dreijährigen schulischen Ausbildung alles Handwerkszeug gelernt habe." Denn in Kreischa habe sie es mit allen Krankheitsbildern zu tun gehabt. Besonders wichtig ist ihr dabei die Erfahrung, dass jedes Kind anders ist und jedes Kind seine individuelle Behandlung beziehungsweise Therapie braucht. Und so will sie auch spezielle Krabbelgruppen zum Beispiel für Kinder anbieten, die in ihrer Entwicklung verzögert sind. Deren Eltern scheuten sich oft, mit ihren Schützlingen die klassischen Krabbelgruppen zu besuchen, weiß Angela Beyer aus Erfahrung. Dafür will sie auch den Kontakt mit den Krankenkassen suchen, damit diese möglicherweise die Kosten für entsprechende Angebote übernehmen.

Starten will sie mit ihrem neuen Angebot am Montag. Dafür hat sie in der Praxis in Neudorf an der Straße Am Bahnhof ein separates Zimmer eingerichtet - ganz kindgerecht. Für Mutter Bärbel Beyer nicht nur eine Bereicherung ihres Therapieangebotes, sondern auch eine Erleichterung. War sie doch mit ihren 63 Jahren in den zurückliegenden fünf Jahren stets allein in der Praxis. Und natürlich freut sie sich, dass nun auch die junge Familie wieder zurück im Erzgebirge ist - in Hammerunterwiesenthal.

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