Nur wenige Frauen bestimmen mit: Männer dominieren Räte

Die Kommunalwahl hat an der Situation im Raum Annaberg kaum etwas geändert. Der Anteil von Stadt- und Gemeinderätinnen in den 17 Kommunen des Altkreises liegt bei nur 16,8Prozent. In einem Ort aber stellen sie die Hälfte der Mitglieder.

Annaberg-Buchholz.

Bei Entscheidungen auf kommunaler Ebene bleiben Frauen im Altkreis Annaberg deutlich in der Minderheit. Ihr Anteil in hiesigen Gemeinde- und Stadträten hat sich durch die Kommunalwahl in diesem Jahr kaum geändert. Er ist in den 17 Kommunen mit rund 16,8Prozent fast unverändert niedrig geblieben. Nur 43 der 256 Räte sind weiblich. Das steht fest, nachdem alle konstituierenden Sitzungen der Gremien stattgefunden haben und die gewählten Frauen und Männer entsprechend verpflichtet worden sind. Zum Vergleich: Kurz vor der Wahl im Mai lag der Anteil der weiblichen Gemeinde- und Stadträte im Altkreis bei 16,4 Prozent. Im Kreistag macht dieser im Übrigen 13,3 Prozent aus.

Die meisten Frauen entscheiden in Bärenstein mit: Dort gehören sechs dem Gemeinderat an, damit liegt ihr Anteil bei 50 Prozent. Es ist der einzige Ort, in dem beide Geschlechter in gleichem Maß im Rat mitbestimmen. Ein Novum im Vergleich zur Situation vor der Wahl, als das gar nicht erreicht wurde. Auf Platz 2 folgt jetzt Königswalde mit 5Frauen im Rat und einem Anteil von 35,7 Prozent. In sieben Gremien sitzt allerdings nur eine Frau - das ist etwa in Ehrenfriedersdorf und Mildenau der Fall. Die Kreisstadt landet mit drei Frauen und einem Anteil von 12,5 Prozent im Mittelfeld. Damit hat sich dieser im Annaberg-Buchholzer Stadtrat deutlich verringert. Vor der Wahl im Frühjahr entschieden dort sieben Frauen mit, das waren rund 23,3 Prozent. Rechnet man die stimmberechtigten Bürgermeister hinzu, fallen die Werte im Übrigen meist noch niedriger aus. Diese sind in den 17 Orten bis auf zwei Ausnahmen männlich.

Eine Ausnahme bildet die Region damit nicht. Studien bestätigen, dass Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert sind - allerdings gibt es regionale Unterschiede. Ihr Anteil nehme kontinuierlich ab, je ländlicher die Region und kleiner die Kommune, heißt es etwa in der Untersuchung "Engagiert vor Ort - Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen", die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt worden ist. "Auf die Dauer kann sich ein demokratisches Gemeinwesen aber nicht damit zufriedengeben, dass die eine Hälfte der Bevölkerung nicht angemessen repräsentiert ist", heißt es dort weiter. Daher wurden auch Handlungsempfehlungen erarbeitet, die aus Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen resultieren. Eine solche ist, Frauen konkret anzusprechen und aktive Ratsfrauen als Rollenvorbilder einzubeziehen.

Dass Frauen anfangs eher selten auf die Idee kommen, sich in Eigeninitiative um einen Sitz im Stadt- oder Gemeinderat zu bemühen, bestätigen Kommunalpolitikerinnen aus der Region. "Auch ich bin damals angesprochen worden", sagt Heike Fudel, die im sechsten Jahr Stadträtin in Oberwiesenthal ist und der Fraktion Bürgerbündnis Wiesenthal - Einz angehört. Engagiert in der Stadt war sie als Vorsitzende des Vereins Familienzentrum Oberwiesenthal schon viel länger - auch das ist bei Frauen in der Kommunalpolitik nicht selten der Fall. Dass diese dort mitbestimmen, ist aus Sicht von Heike Fudel wichtig. "Bei bestimmten Themen haben Frauen durchaus eine andere Sichtweise", sagt sie. Sie seien zudem oft kompromissbereiter.

Silke Franzl (Freie Wähler Bürgerforum), seit 2015 Bürgermeisterin von Ehrenfriedersdorf, bestätigt das. "Natürlich ist eine gute Mischung von Frauen und Männern in solchen Gremien wünschenswert. An manchen Stellen haben wir eine andere Herangehensweise und einen anderen Blick auf die Dinge", sagt sie. Ihrer Einschätzung nach seien die meisten Frauen sehr belastbar, müssten ohnehin vieles unter einen Hut bringen. "Aber viele trauen sich nicht, in der Kommunalpolitik mitzuwirken. Das habe ich gemerkt, wenn ich Frauen darauf angesprochen habe." Silke Franzl war selbst elf Jahre lang Stadträtin, bevor sie sich 2015 entschloss, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Sie entscheidet auch im Kreistag mit. Begonnen hat das alles, weil sie als Selbstständige mit einem eigenen Geschäft mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen ist. "Noch heute kommen die Leute ganz unkompliziert auf mich zu", sagt sie. Dass sie alles schafft, hängt auch damit zusammen, dass ihre Familie sie unterstützt und ihre Kinder nicht mehr klein sind. Denn das mit dem Bürgermeisteramt zu vereinbaren, sei sicher schwierig. Sie mache ihre Arbeit sehr gern, auch wenn es Tage gibt, an denen sie es etwa wegen der ausufernden Bürokratie satt hat. Franzl: "Aber am nächsten Tag krempel ich die Ärmel wieder hoch."

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