Ortschronist vollendet Mammutprojekt

Rund 9000 Arbeitsstunden hat Helmut Brückner in sein nun fertiggestelltes Werk "Dorfgemeinschaft" gesteckt. Doch die Arbeit ist ihm damit nicht ausgegangen - im Gegenteil.

GEYERSDORF.

Helmut Brückner kann es nicht lassen, sein Forscherdrang ist kaum zu bändigen. Nachdem der Chronist von Geyersdorf im vergangenen Jahr mit seinem Werk "Die vergessene Stadt" - anlässlich des 550. Jubiläums der Stadtgründung von Geyersdorf - die Entwicklung der einstigen Stadt über drei Jahrhunderte lebendig werden ließ, hat er jetzt wieder zugeschlagen. Sein aktuelles Projekt war eine Mammutarbeit. Unter dem Titel "Dorfgemeinschaft" hat der 66-Jährige die gesamte Bevölkerung des Ortes von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts recherchiert.

Mit Akribie, Sachverstand und System ist der gebürtige Königswalder und langjährige Geyersdorfer vorgegangen. Was dabei herausgekommen ist, sind sechs Bände mit einem Umfang von jeweils 320 Seiten. Wie der Chronist berichtet, hat das eigentliche Projekt "Dorfgemeinschaft" im Jahr 2014 nach einer lexikalischen und kompletten Aufarbeitung der Geyersdorfer Kirchenbücher begonnen. Dabei hat er alle Schriften ausgewertet, die zwischen 1613 und 1800 verfasst worden sind. Zwei Jahre hat der ehemalige Theatermaler und Massefigurenhersteller dazu benötigt.


"Die gründliche Aufarbeitung war wahnsinnig schwierig", so Brückner. Im Anschluss erfolgte die Selektierung der Daten nach inhaltlichen Komplexen wie Herkunft, Beruf oder Besitztum der Bürger. Im Zuge dieser umfangreichen Forschungen sind rund 1300 Kurzbiografien zu Personen und Familien entstanden. Ebenso erstellte der Chronist Übersichten zu Berufsgruppen. Darunter sind unter anderem Hebammen, Totengräber, Ortsrichter oder Musikanten. Ebenso gibt es unter anderem ein Verzeichnis sämtlicher Ehefrauen. Daraus sind insgesamt sechs Bände entstanden. "Innerhalb der fünf Jahre habe ich rund 9000 Arbeitsstunden dafür aufgewendet", sagt Helmut Brückner.

An Zeiten mit nachlassendem Forscherdrang kann sich der Geschichtsexperte dabei nicht erinnern. "Ich bin immer frisch ans Werk und habe eigentlich jeden Tag daran gearbeitet", so der Chronist. Helmut Brückner hat sich seit jeher für Geschichte interessiert. In seine Aufgabe als Ortschronist ist er hineingewachsen. Und er macht das mit Leib und Seele. "Geyersdorf braucht nunmehr keine Ahnenforschung mehr", so Brückner nicht ohne Stolz. Aber auch wenn er die Geschichte von Geyersdorf rundum erforscht und durchforscht hat: "Es wird immer wieder neue Erkenntnisse geben, eine Forschung ist nie abgeschlossen", macht er deutlich.

Übrigens befasst sich Helmut Brückner in seiner "Dorfgemeinschaft" auch mit Spitznamen. Die gab es in Geyersdorf, das 1468 Stadtrecht erhalten hatte, durchaus reichlich. Da gab es den Pusch-Toffel und den Kunz-Toffel, den Salzer und den Bademichel. Eben der arbeitete im Thermalbad in Wiesenbad.

Und Helmut Brückner kann es nicht lassen: In Vorbereitung sind schon wieder zwei zusätzliche Bände, über Einwohner anderer Ortschaften, die im Zusammenhang mit Geyersdorf stehen. Voraussichtlich schon im nächsten Jahr sollen die Bücher gedruckt werden. Mit seinen Werken und Forschungen unterstreicht der Chronist sein Bedürfnis, "seinem Heimatort bissel was zurückzugeben", wie er sagt. So kam auch sein Theaterstück, "Wie Geyersdorf zu seinem Stadtrecht kam", geschrieben für das 550. Jubiläum der Stadtgründung, nicht von ungefähr. Eben Forscherdrang pur: Innerhalb von sechs Jahren hat Helmut Brückner zehn Bücher geschrieben.

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