Ortsteil versetzt sich ins Mittelalter zurück

Ein Dorf begeht 550 Jahre Stadtrecht - diese Kuriosität haben die Geyersdorfer am Wochenende standesgemäß gefeiert. Das zog sogar Großstädter an.

GEYERSDORF.

Die Geyersdorfer können ordentlich feiern. Das haben die Einwohner schon mehrfach bewiesen. Am Wochenende haben sie dem ohnehin regen Dorfleben noch das berühmte Sahnehäubchen aufgesetzt. Anlässlich des Jubiläums 550 Jahre Stadtrecht fühlten sich die Gäste tatsächlich ins Jahr 1468 zurückversetzt. Das historische Marktreiben mit wirklich allem Drum und Dran soll dem Ort erst einmal jemand nachmachen. Allerlei altertümliches Volk war auf dem Festplatz zugegen: Gaukler, Landsknechte, Bergknappen, Handwerker in alter Tracht. Und auch das Programm war auf die Zeit der Stadtgründung ausgerichtet.

Ein gut aufgelegter Ortschaftsratsvorsitzender Thomas Siegel war in die Rolle des Ortsrichters geschlüpft und fühlte sich dabei sichtlich wohl. "Handelt und laufet, fresset und saufet": Mit diesen Worten begrüßte er fast jeden, ja eigentlich alle - und das waren viele. Auf dem Festgelände herrschte Hochbetrieb. Gute Laune war Trumpf. "Das Geschehen hier beginnt auf dem ältesten Marktplatz von Annaberg-Buchholz", so Thomas Siegel mit dem Hinweis, dass Geyersdorf inzwischen ein Ortsteil der Großen Kreisstadt ist.

Ganz früher war das anders, denn im Jahr 1468, als Geyersdorf das Stadtrecht erhielt, gab es die Städte Annaberg und Buchholz noch gar nicht. Die Verleihung des Rechtes - unter anderem mit solchen Privilegien wie dem Brau- und Schankrecht und dem Abhalten eines Wochenmarktes - hatte der Ort den Erzfunden am Pöhlberg zu verdanken. Die Grube St. Briccius zeugt als Besucherbergwerk heute noch davon.

Standesgemäß war nach der Idee von Helmut Brückner, einem der Ortschronisten, sogar ein Theaterstück über die Verleihung des Stadtrechtes durch Kurfürst Ernst von Sachsen, Landgraf in Thüringen und Markgraf zu Meißen kreiert worden. Das Stück "Wie Geyersdorf zum Stadtrecht kam" ist am vergangenen Festwochenende gleich mehrfach mit großem Erfolg aufgeführt worden. Zudem hatten "De Weiber von dr Bockschei" mit mittelalterlichen Tänzen oder die Spielmannsformation "Nachtwindheim" für das entsprechende Flair gesorgt.

Die Besucher waren von so viel Aufwand begeistert. "Das Fest würde, ohne dass viel verändert werden müsste, die passende Kulisse für einen mittelalterlichen Film hergeben. An so viel Aufwand und Herzlichkeit könnte sich manch größere Stadt ein Beispiel nehmen", war Werner Köthe aus Chemnitz voll des Lobes. Zudem fand er es "irgendwie kurios", dass ein Dorf das Stadtrecht feiert, was ja eher ganz selten vorkomme.

Freilich gelingen solche Veranstaltungen nur so gut, wenn wie in Geyersdorf alle Beteiligten an einem Strang ziehen und die Dorfgemeinschaft Zusammenhalt zeigt. Thomas Siegel sprach von etwa einem reichlichen halben Jahr Vorbereitung. "Wir haben im Ortschaftsrat besprochen, was wir machen und haben dann alle Vereine integriert", verriet der "Ortsrichter". Sprach's und verschwand, um voll berechtigtem Stolz weitere Gäste zu begrüßen und mit allerlei Jahreszahlen um sich zu schmeißen.

Nicht unerwähnt ließ er, dass auch Gemeinschaften aus den anderen Stadtteilen, wie unter anderem der Hammerbund Frohnau, das Fest mit bereichern. "Wir sind eben grenzüberschreitend", betonte der einstige Bürgermeister von Geyersdorf schmunzelnd.

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