Papierne Schmuckstücke im Mittelpunkt

Im Gelenauer Depot Pohl-Ströher wird die Weihnachtsschau vorbereitet. Eine Berlinerin zeigt dort Sammlungsstücke.

Gelenau.

Im Depot Pohl-Ströher am Emil-Werner-Weg in Gelenau weihnachtet es schon. "Wir haben derzeit alle Hände voll zu tun und bereiten unsere Weihnachtsschau vor", erklärt Michael Schuster. Man liege gut im Zeitplan, und das sei auch wichtig. "Die Vorbereitungen sind wie jedes Jahr sehr umfangreich. Viele Leihgaben sind über Jahre hinweg nicht aufgebaut worden. Sie müssen nun in mühevoller Kleinarbeit und meist ohne Anleitung montiert, Teile neu verklebt und oft auch die elektrische Illumination erneuert werden", ergänzt sein Mitstreiter Eckart Holler, der sich um den Aufbau einer vierstöckigen Pyramide kümmert.

An diesem Tag haben die Erzgebirger Besuch aus der Hauptstadt. Ruhig und ohne viel Aufsehen räumt Renate Knorr die vielen Schachteln aus, sortiert ihre Exponate und füllt einen Teil der Vitrinen hinter dem Kassenbereich. Die Berlinerin mit Dresdner Wurzeln gestaltet zur Schau 2016 eine Sonderausstellung mit Weihnachtsschmuck, wie er vielen so nicht bekannt oder längst in Vergessenheit geraten sein dürfte. Zu sehen sind papierene Seltenheiten, die den Besucher zurück in Kinderwelten bis an das Ende des 19. Jahrhunderts entführen.

Angefangen hat alles vor 30 Jahren mit dem Sammeln von Kinderbüchern. "Die mit feiner Feder gezeichneten Illustrationen verweisen um 1860 erstmals auch auf Weihnachten als ein Fest für Kinder", sagt Renate Knorr. Die Vorfreude auf das Ereignis und die damit verbundenen Geschenke für die Jüngsten ließen die Vorgänger der heutigen Adventskalender entstehen, erklärt sie und verweist auf eine Weihnachtsuhr für Kinder aus dem Jahr 1902. "Gezählt wurden die Tage ab Mitte des Monats oder vom Nikolaustag bis zum Heiligen Abend. Jeden Tag rückten die Mädchen und Jungen den Zeiger der Uhr ein Stück dem ersehnten Tag entgegen." Die Almanache wurden handbemalt und zeugen von künstlerisch aufwendiger Arbeit. Der Münchner Verlag Reichhold und Lang war ein Vorreiter dieser Weihnachtsartikel, die Mitte der 1920er-Jahre von Fensterkalendern in Massenproduktion abgelöst wurden und schließlich das Aus für Verleger Gerhard Lang bedeuteten.

Hinter Glas sind auch dreidimensionale Papierkrippen zu sehen. Die oft kompliziert geschnittenen und aufklappbaren Darstellungen der Geburt Christi aus verstärktem Papier oder Pappe wurden bis in die 1960er-Jahre auch im Erzgebirge produziert. Hinter transparentem Papier sorgte Kerzenlicht für weihnachtliche Stimmung. Auch papierenen Christbaumschmuck zeigt die Sonderausstellung. Oft bedarf es genauen Hinsehens, um das Material ausmachen zu können. Weihnachtsmänner, Nikolaus und Engel im Biedermeierstil gehörten zu den beliebtesten Motiven, bevor technologische Verbesserungen die Produktion des gläsernen Christbaumschmucks ankurbelten und ihn bezahlbar machten.

Mehr als 2000 Exponate befinden sich in der Berliner Wohnung von Renate Knorr. "Die Sonderschau zeigt nur einen kleinen Teil der mir besonders wichtigen Artikel", beschreibt sie ihre erste Ausstellung. Jedes Jahr besuche sie die Weihnachtsschau im Depot und sei immer wieder aufs Neue begeistert. Auch deshalb schenkte Renate Knorr vor drei Jahren dem Pohl-Ströher-Fundus ein böhmisches Marionettentheater.

Die Weihnachtsschau im Gelenauer Depot Pohl-Ströher, Emil-Werner-Weg 96, ist vom 25. November bis 29. April freitags bis sonntags jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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