Pastor Bernt Förster übernimmt nach acht Jahren neue Gemeinde

Vakante Pfarrstellen gehören im Kirchenbezirk Annaberg fast schon zum Alltag. Personalsorgen, die es bei den Methodisten in diesen Größenordnungen nicht gibt. In Crottendorf konnte eine leere Stelle jetzt schnell wieder besetzt werden.

Superintendent Christhard Rüdiger (links) führt Pastor Bernt Förster offiziell in seinen neuen Gemeindebezirk ein und segnet ihn für seine neue Aufgabe.

Für Sie berichtet: Antje Flath

Kirchenmaus Theophil ist allein zu Haus. Deshalb fürchtet sie sich. Zumal in der Wohnung über ihr in der Friedenskirche in Crottendorf seit längerer Zeit wieder Schritte zu hören sind. Der kleine graue Nager befürchtete schon Spukgeister im Haus. Doch seit dem Wochenende fürchtet sich Theophil, der die kleinen Crottendorfer und Walthersdorfer Methodisten regelmäßig zu den Kindergottesdiensten begleitet, nicht mehr. Denn seit Sonntag kennt er seine neuen Obermieter persönlich. Es ist die Familie von Bernt Förster. Der gebürtige Schleizer ist beim Bezirks-Gottesdienst offiziell in sein Amt als neuer Pastor der evangelisch-methodistischen Gemeinde Crottendorf und Walthersdorf eingeführt worden.

Lange war die Wohnung in der Kirche also nicht verwaist. Denn erst vor sieben Wochen war die langjährige Pastorin Ute Möller verabschiedet worden. Generell seien lange Vakanzzeiten, wie sie beispielsweise in den evangelisch-lutherischen Gemeinde im Erzgebirge durchaus vorkommen, in den methodistischen Gemeinden unüblich, erläutert Superintendent Christhard Rüdiger. Das sei vor allem in dem Dienstzuwendungssystem begründet, dass in der methodistischen Kirche gelte. Die Pastoren werden also ihren jeweiligen Gemeinden zugewiesen. Bernt Förster ist so nach acht Jahren Dienst in der Gemeinde Sehmatal nun nach Crottendorf gezogen. Zwei Gemeinden, die sich von der Anzahl ihrer Gemeindeglieder kaum unterscheiden: Waren es im Sehmatal 345, sind es in Crottendorf 320. Welche Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede es sonst noch gibt, darüber will sich der Pastor in den nächsten Wochen ein genaues Bild verschaffen, sich dabei auf die örtlichen Gegebenheiten einlassen. Für ihn eine "schöne Herausforderung" und eine Chance auf neue Möglichkeiten. Sein Wunsch an die Gemeinde: "Lasst uns zueinander finden."

Dazu hat er aber auch einen ganz persönlichen Wunsch: "Lasst uns die sein, die wird sind - auch, wenn wir damit nicht immer den obererzgebirgischen Traditionen entsprechen." Denn die erzgebirgischen Traditionen, insbesondere in der Weihnachtszeit, seien für jeden, der nicht aus dem Erzgebirge stammt, schon gewöhnungsbedürftig, sagt er. Und dabei ist ihm das Erzgebirge durchaus nicht fremd. Denn von 1989 bis 1998 war Eibenstock sein erster Einsatzort - einer, den er nie vergessen wird, wie er sagt. Denn in Zeiten den politische Umbruchs sah er sich unter anderem völlig unvermittelt mit der Führung des dortigen Runden Tisches konfrontiert. Nach diesen ereignisreichen Jahren führte der berufliche Weg die Familie mit den beiden Söhnen zunächst nach Zittau, wo er bis 2010 im Dienst war, bevor es dann zurück ins Erzgebirge ging: ins Sehmatal. Viele Wechsel, die auch für die Familie nicht immer einfach waren und die regelmäßig Abschiedsschmerzen hinterlassen.

Nun also ein Neuanfang in Crottendorf - für den wünscht er sich Begegnungen ohne Vorbehalte, wie er in seiner doch sehr persönlichen ersten Verkündigung sagte. Er will mit den Menschen zusammenarbeiten und mit ihnen einen "gemeinsamen Weg finden, um die Freude am Glauben zu leben". Tatkräftig dabei unterstützen werden ihn sicher auch Theophil und Gemeindepädagoge David Melle, der vor etwa einem Jahr als Neuling in die Gemeinde gekommen war. Er wird in sechs Wochen offiziell in sein Amt eingeführt - natürlich mit Theophil. "Dann ist das Team komplett", freut sich auch Superintendent Christhard Rüdiger, der dafür noch einmal nach Crottendorf kommen wird.

Bis dahin ist auch die Pastorenstelle in Sehmatal wieder besetzt. Die übernimmt Sebastian Mann - bisher in Grünhain tätig. Er tritt am 18. August offiziell seinen Dienst an.

0Kommentare Kommentar schreiben