Pflanzen können aufatmen - Dorfbewohner leider nicht

Noch bis Ende September bleibt die B 95 zwischen Niederschlag und Hammerunterwiesenthal gesperrt. Das sorgt im Sehmatal gleich mehrfach für Unverständnis.

Sehmatal.

Der Bau der Staatsstraße im eigenen Ort kommt nicht voran. Dafür müssen die Bewohner der Gemeinde Sehmatal momentan mal wieder viel zusätzlichen Autoverkehr verkraften: Die Umleitung für die zwischen Niederschlag und Hammerunterwiesenthal gesperrte B 95 führt durch den Ort. Dort wird noch bis Oktober der kaputte Randbalken erneuert. Was dabei selbst Gemeinderäte nicht verstehen, warum die Arbeiten nicht wie sonst üblich, bei halbseitiger Sperrung der Straße erledigt werden können. Das Gerücht macht die Runde, dass naturschutzrechtliche Belange dahinter stehen.

Die Vollsperrung hat nach Angaben des zuständigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr mehrere Gründe: Zum einen ist "nach den technischen Regeln für Arbeitsstätten bei der vorhandenen Fahrbahnbreite und den erforderlichen Baugeräten die Maßnahme nur unter Vollsperrung zulässig", erläutert Pressesprecherin Nicole Wernicke. Die Regelung soll sowohl die Bauarbeiter vor Unfällen im fließenden Verkehr schützen, aber auch die Verkehrsteilnehmer vor gefährlichen Bremsmanövern - "wenn es mal eng wird". Die Möglichkeit einer halbseitigen Bauweise sei geprüft worden. Eigentümer und Pächter der östlich angrenzenden Grünfläche hätten grundsätzlich auch einer bauzeitlichen Nutzung zugestimmt. "Die naturschutzrechtliche Prüfung ergab jedoch, dass diese Grünfläche als Biotopfläche eingestuft ist und ein besonderes Schutzinteresse besteht. Sie enthält Hochstaudenflur und Nasswiesen, weshalb eine Überbauung nicht gestattet ist", heißt es seitens der Behörde. Die Dauer der Vollsperrung für das vertraglich vereinbarte Bauverfahren ist nach Angaben von Nicole Wernicke momentan bis zum 30. September begrenzt.

In Sehmatal sorgt unterdessen aber auch noch ein anderer Umstand für Kopfschütteln. Jahrelang schon ist am Wochenende kein Linienbus mehr durch den Ort gefahren. Umleitungsbedingt passiert das nun zwar wieder, denn auch für die Busse zwischen Oberwiesenthal und Annaberg-Buchholz gilt die Umleitung. Allerdings können die Sehmataler die Busse nicht nutzen, denn gehalten wird im Ort nicht. "Die offizielle Bedienung der Haltestellen im Sehmatal kann auf Grund der durch die Baumaßnahme nötigen wechselnden Fahrpläne und aus genehmigungsrechtlicher Sicht nicht garantiert werden", heißt es dazu vom Regionalverkehr Erzgebirge. Das Unternehmen zeichnet im Erzgebirgskreis für den öffentlichen Personennahverkehr verantwortlich. Der derzeit gültige Fahrplan gelte demnach voraussichtlich nur während der Schulferien. Mit Schuljahresbeginn wird es eine Umleitung geben, die nur für den Linienverkehr des Unternehmens freigegeben ist, erläutert Sprecherin Stefanie Uhlig. Dann erfolge die Linienführung unter der Woche nicht mehr durch das Sehmatal.

Dabei wünschen sich die Sehmataler eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr - insbesondere an den Wochenenden. Das ist in den Diskussionen zum Tourismuskonzept und zum Dorfentwicklungskonzept immer wieder deutlich geworden. Darauf angesprochen, heißt es seitens des Unternehmens: "Mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplanes 2020 sind grundsätzlich alle Beteiligten im Vorfeld angehalten mitzuwirken, Gedanken und Vorschläge einzubringen und damit auch eine bessere touristischen Erschließung des Sehmatales zu erreichen. Bei Vorliegen realistischer und wirtschaftlichern Konzepte könnte diese durchaus Potenzial haben, die Attraktivität des Öffentlichen Personennahverkehrs im ländlichen Raum weiter zu entwickeln. Dass Wünsche, wie die der Sehmataler dabei durchaus nicht unrealistisch sind, haben im vorigen Jahr die Cunersdorfer bewiesen. Nach etwa 15 Jahren war es gelungen, den Ortsteil wieder in den Stadtverkehr von Annaberg-Buchholz zu integrieren.

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