Pilzberater: Schwamme-App hält nicht, was sie verspricht

"Ich nehme nur das mit, was ich kenne." Diesen Satz hören Pilzberater häufig. Dennoch finden sie in den Körben ihrer Kundschaft durchaus Pilze, die man nicht unbedingt essen sollte. Kann vielleicht die moderne Technik helfen?

Annaberg-Buchholz.

Riesen-Exemplare und gigantische Funde haben die bisherige Pilzsaison bestimmt. Immer wieder übertrafen sich die Sammler quasi selbst. Angesichts solcher Sammelergebnisse zieht es auch immer mehr Menschen in den Wald, die nicht die großen Pilzkenner sind. Weil das so ist, vertraut mancher auf die moderne Technik. Dafür braucht es nur ein Smartphone und eine der inzwischen mehrfach angebotenen Pilz-Apps. Damit, so verspricht es die Anleitung vieler dieser kleinen Programme, muss der Pilz nur fotografiert werden und schon teilt das Handy mit, ob der Pilz essbar ist oder nicht. Klingt simpel, ist es auch. Doch was sagen die Experten dazu?

Ein Blick und Carmen Graupner weiß, was sich alles im Beutel befindet. "Das hier ist ein Maronen-Röhrling, ein sehr guter Speisepilz", sagt die Ehrenfriedersdorferin. "Die Hallimasch kann, entsprechend vorbehandelt essen, wer sie verträgt", erklärt die Pilzberaterin weiter und dreht das Exemplar von recht nach links. Bei der dritten Waldfrucht, dem Grünspan-Träuschling, empfiehlt sie wie beim Perlpilz die Huthaut zu entfernen, wenn er denn als Speisepilz Verwendung finden soll. Grundsätzlich gilt er aber nicht als wertvoller Speisepilz.

Was Carmen Graupner auf einen Blick festgestellt hat, dafür hat die App auf dem Handy schon ein paar Sekunden mehr benötigt. Das aber ist nicht das Problem. Bedenklich ist eher, dass das Smartphone - getestet wurde eine der beliebtesten, kostenlose Apps in diesem Bereich namens "Pilz Erkenner" (iOS) - in allen drei Fällen falsche Ergebnisse lieferte. Etwas anderes hatte die Pilzberaterin aber auch nicht erwartet. Selbst Pilze allein anhand eines Buches zu bestimmen, hält sie für kritisch. Jedes Foto, ob mit einer App gefertigt oder in einem Buch sei eine Momentaufnahme. Sind die Farben dabei etwas verfälscht, kann man bei der Bestimmung durchaus schon zu einem anderen Ergebnis kommen. Deshalb bringe es auch nichts, wenn ihr jemand Fotos von Pilzen zusendet, damit sie ihr Urteil dazu abgibt. So etwas sei immer gefährlich.

Das bestätigt auch ihr Pilzberater-Kollege Dirk Strobelt aus Niederwürschnitz. "Bei Blättern oder Pflanzen ist eine exakte Bestimmung anhand eines Fotos kein Problem, aber nicht bei Pilzen", stellt er klar. So gebe es Pilze, die, nur von oben fotografiert, gleich oder ähnlich aussehen. Als Beispiele nennt er den Perl- und den Pantherpilz. Während der eine ein sehr guter Speisepilz ist, sei der andere hochgiftig, so der Pilzberater, der wie seine Kollegin spürt, dass derzeit Hochsaison ist. Doch auch im Winter gebe es Pilze, etwa den Winterrübling. Der friere ein, wenn es richtig kalt ist und wachse weiter, wenn es wieder wärmer wird.

Dass momentan Pilze nicht nur in großen Mengen, sondern teils auch außergewöhnlich große Exemplare gefunden werden, liegt laut Carmen Graupner an dem vielen Regen in den vergangenen Tagen und Wochen. "Ein Pilz besteht nun einmal zu 90 Prozent aus Wasser. Wenn es viel regnet, kann er viel Wasser aufnehmen und wächst dementsprechend", sagt sie. Die Ehrenfriedersdorferin, die selbst auch gern in die Pilze geht, experimentiert mit diesen aber ebenso gern in der Küche. So empfiehlt sie etwa Rührei mit Pfifferlingen oder eine Suppe mit Maipilzen. Gehe es ans Einfrosten, dann ohne Fett. Die Pilze würden lediglich in Salzwasser blanchiert, dann kalt abgespült, portionsweise verpackt und in die Kühltruhe gegeben. Dirk Strobelt wiederum liebt Pfifferlinge auf einer dünnen Scheibe Schweinefleisch an Bandnudeln mit Sahnesoße.

Apropos Essen. Auch wenn viele ihrer Kunden beteuern würden, dass sie nur das sammeln, was sie kennen, findet Carmen Graupner bei den ihr vorgelegten Exemplaren immer wieder Pilze, die man lieber nicht verspeisen sollte. Weil aber nicht jeder Pilzsammler nach dem Gang in den Wald einen Berater aufsucht, bleiben Vergiftungen nicht aus. Im Erzgebirgsklinikum Annaberg sind in diesem Jahr rund fünf Fälle in der Notaufnahme registriert worden, wobei es auch zu stationären Aufnahmen kam, sagt Sprecher Thomas Richter. Nach der entsprechenden Behandlung seien aber alle Patienten als geheilt wieder entlassen worden. Als Hauptursache der Vergiftungen nannte Richter die Verwechslung von Champignon und Knollenblätterpilz.

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Bei Pilzvergiftung ist schnelle Hilfe gefragt

Vor dem Genuss von Pilzen sollten sich unerfahrene Sammler bei einem Pilzberater informieren. Das empfiehlt die Johanniter-Unfallhilfe im Erzgebirge. Die wichtigste Regel sei, nur das zu sich zu nehmen, was man genau kennt. Kommt es dennoch zu einer Verwechslung, ist rasches Handeln geboten. Bereits geringe Mengen können Vergiftungserscheinungen hervorrufen. "Typische Symptome, die auch erst Stunden oder sogar Tage nach der Mahlzeit auftreten können, sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüche oder eine Gelbfärbung der Haut", sagt Mitarbeiter Sven Oschmann.

Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte sofort der Rettungsdienst gerufen werden. Außerdem empfiehlt Oschmann, Pilzreste oder Erbrochenes für eine spätere Analyse durch einen Arzt aufzubewahren. (juef)

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