Polizeiarbeit fängt nicht erst mit der Verbrecherjagd an

Das Thema Einbruch war am Montag einer der Schwerpunkte auf dem Markt in Oberwiesenthal. Dort hat die Polizeidirektion Chemnitz ihre mobile Präventionstour begonnen. Premiere und sportliche Herausforderung.

Oberwiesenthal.

Mit Zeitschaltuhren gesteuerte Beleuchtung, die auch in Abwesenheit der Bewohner funktioniert. Gute Freunde, die in der Urlaubszeit den Parkplatz vor dem Haus nicht verwaist erscheinen lassen. Aufmerksame Nachbarn, die jede ungewöhnliche Bewegung im Haus registrieren. Oberwiesenthaler Hausbesitzer haben durchaus Systeme entwickelt, um Einbrechern die Tour zu vermasseln. Doch bei der am gestrigen Montag in der Stadt gestarteten Präventionstour der Polizeidirektion Chemnitz gab es selbst für diese Hausbesitzer noch Schwachstellen zu entdecken. "So manche Kleinigkeit hat man bisher nicht beachtet", kommentiert einer von ihnen die Übersichtstafel, die mögliche Schwachstellen eines jeden Einfamilienhauses aufzeigt, das aber ebenso gut auch ein Mehrfamilien- oder Geschäftshaus sein könnte.

Und derartige Schwachstellen sind längst nicht nur die Klassiker wie ungesicherte Türen und Fenster, sondern eben auch der insbesondere im Erzgebirge vielfach aufgeschichtete Brennholzstapel unmittelbar am Haus oder die unbefestigte Regentonne, die schnell zu Kletterhilfen werden können. Das Thema Einbruchsschutz bildete denn auch einen der Schwerpunkte bei der Beratung. Und bei dieser unterbreitete Polizeihauptkommissar Frank Arnold auch immer wieder das Angebot an Hauseigentümer, das eigene Objekt zusammen mit der Polizei auf Sicherheitsmängel hin abzuklopfen - eine individuelle Beratung unmittelbar vor Ort, die kostenlos und produktneutral erfolge. Eine Offerte, die die polizeiliche Beratungsstelle in Chemnitz zusätzlich zu ihren wöchentlichen Sprechzeiten unterbreitet.


Die am Montag gestartete Präventionstour gibt es dagegen in dieser Form zum ersten Mal, erläutert die Erste Polizeihauptkommissarin Jana Kindt. Sie ist Leiterin des Fachdienstes Prävention und spricht von einer durchaus sportlichen Herausforderung. Denn in den nächsten acht Wochen ist das Team in 29 Orten im Erzgebirgskreis und Mittelsachen unterwegs. Dabei wollen die Polizisten nicht nur wertvolle Tipps vermitteln, sondern hoffen auch, selbst ganz viel mitnehmen zu können, was die Menschen in der Region bewegt. Denn: Statistisch gesehen ist es im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz sicherer geworden. Unter anderem besagt die Kriminalitätsstatistik der Direktion für das zurückliegende Jahr im Erzgebirgskreis: Es wurden 1674 Straftaten weniger registriert als im Vorjahr, was einem Rückgang um 14,2 Prozent entspricht. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Sachen Grenzkriminalität: Demnach lag die Anzahl der Straftaten in den zwölf Gemeinden entlang der tschechischen Grenze, die zum Zuständigkeitsbereich der Direktion gehören, im vorigen Jahr auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren. Dennoch äußerten die Bürgerinnen und Bürger ein "sinkendes Sicherheitsgefühl", konstatiert Polizeipräsidentin Sonja Penzel. Für sie ergibt sich daraus die Konsequenz, die Arbeit der Polizei auch darauf auszurichten, dieses Sicherheitsgefühl wieder zu stärken. Das bedeute in erster Linie, präsenter zu sein. So sollen die Polizistinnen und Polizisten, die von den insgesamt 1000 neuen Stellen der sächsischen Polizei in der Chemnitzer Direktion eingesetzt werden, hauptsächlich in den Polizeirevieren und zur Kriminalitätsbekämpfung zum Einsatz kommen. "Ziel ist neben dem Agieren an Schwerpunkten auch die Stärkung der Präsenz im ländlichen Raum", sagt sie.

Die Kriminalität sei dagegen in den ländlichen Regionen keine andere als in den Ballungszentren. So gibt es keine Betrugsmasche, die es nicht auch im Erzgebirge gibt, betont Jana Kindt und nennt als Beispiele den Enkeltrick, falsche Polizeibeamte oder Schockanrufe von vorgetäuschten Unfällen. Und es gebe auch im Erzgebirge mitunter den gleichen Leichtsinn wie anderswo: angesteckte Schlüssel an Haustüren, weit geöffnete Garagentore, Autos mit Zündschlüssel im Schloss oder auch Handtaschen im Auto beispielsweise. Allgemein sehr leichtfertig werde auch mit den eigenen Daten in den digitalen Medien umgegangen.

Das Beratungsmobil ist am heutigen Dienstag 9.30 bis 11.30 Uhr am Rathaus in Mildenau und 13 bis 15 Uhr auf dem Markt in Ehrenfriedersdorf. Am Freitag ist es von 9 bis 12 Uhr auf dem Markt in Annaberg.


Tipps zum Schutz vor kriminellen Machenschaften

Zum Thema Einbruch rät die Polizei, möglichst schon beim Bau eines Hauses Sicherheitsvorkehrungen zu berücksichtigen. Bei bestehenden Gebäuden wird zu einer Sicherheitsanalyse geraten, die Schwachstellen aufdeckt. Ansprechpartner sind jeweils die Fachberater der Polizei.

Zum Thema Betrugsanrufe erläutert Jana Kindt: Nie auf Geldforderungen eingehen, das Gespräch beenden und eine Person des Vertrauens hinzuziehen, die Polizei informieren. Die bitte ihrerseits nie um die Herausgabe von Geld oder Wertgegenständen und rufe niemals unter der Notrufnummer 110 an, die von manchen Betrügern genutzt wird.

Zum Thema Urlaub warnen die Beamten, "nicht alle Welt zu informieren", wie lange man wo im Urlaub ist. Weitere Tipps: Das Haus trotz Abwesenheit bewohnt aussehen zu lassen, den Briefkasten regelmäßig leeren lassen und die Alarmanlage beim Wachschutz aufschalten lassen. (af)

Die polizeiliche Beratungsstelle befindet sich in Chemnitz, Brückenstraße 12. Sprechtag ist jeweils dienstags und donnerstags von 9 bis 12 und von 13 bis 15 Uhr (Kontakt: 0371 3872990).

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...