Prächtiger Baum - einfach abgesäbelt

Eine ansehnliche junge Fichte im Greifensteinwald hat es vielen Menschen angetan. Sie wurde geschmückt und fotografiert. Doch nun haben Unbekannte sie abgeschnitten. Einen Erzgebirger ärgert das besonders.

Jahnsbach/Ehrenfriedersdorf.

Auch wenn es die Naturgewalten in den vergangenen Jahre nicht gut gemeint haben mit dem Erzgebirgswald: An Bäumen mangelt es ihm nun wirklich nicht. Doch unter ihnen gibt es vereinzelt ganz besondere Exemplare, die ins Auge fallen. So auch eine junge Fichte im Greifensteinwald, die an der Kreuzung am Wanderparkplatz im Richtung Jahnsbach steht. Oder besser gesagt stand, denn seit Kurzem kündet nur noch ein kümmerlicher Stumpf von ihrer Existenz. "Unglaublich, aber wahr", empört sich Stefan Schulze. Er ist einer derjenigen, denen die Fichte ans Herz gewachsen war. "Vor vielen Jahren hat mir der Baum die Grundlage für eine Weihnachtskarte geboten", erzählt der Jahnsbacher. Die erste Aufnahme sei im Januar 2010 entstanden. Daraus gestaltete Schulze eine Karte für die Vereinsmitglieder des Fliegerklubs Annaberg und Freunde. Die Weihnachtsfreude versprühende Montage zeigt den herrlich eingeschneiten Baum im Winterwald, umgeben von vielen Tieren im Comic-Stil und einer Micky Maus. Auf dem Meilenstein nach Geyer gleich nebenan thront ein Eichhörnchen. "Auch Jahre später war er immer ein schönes Bild für viele Besucher des Greifensteingebietes", sagt Schulze, der den Baum gern ablichtete. Vor Kurzem, ausgerechnet Heiligabend, bemerkten er und seine Frau, dass jemand die Fichte abgesägt hatte. Möglicherweise, um sie als Christbaum aufzustellen und dann wegzuwerfen. Angezeigt habe er das nicht, das verlaufe sowieso im Sande. Stefan Schulze hofft, dass die Täter durch das Veröffentlichen der Geschichte zumindest darüber ins Grübeln kommen, was sie angerichtet haben.

Obwohl er viele Hektar Wald betreut, ist der Baum an Kreuzung von Giftmehlweg und der Kreisstraße zwischen Jahnsbach und Geyer auch Jörg Schlüssel, dem Förster des Greifensteinreviers, in Erinnerung geblieben. "Dieser Baum ist in seiner Natürlichkeit schön gewachsen", beschreibt er. Die Fichte sei sogar geschmückt worden, ein Gruß an die Vorbeikommenden. Nun gebe es nur noch den Stumpf. Der Förster findet dafür deutliche Worte, spricht von einer "böswilligen Tat". "Es ist überhaupt nicht in Ordnung, wenn jemand etwas zerstört, das anderen Freude bereitet." Rechtlich handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraf 52 des Sächsischen Waldschutzgesetzes. Dieses sieht bei solchen unbefugten Entnahmen von Holz Strafen von bis zu 2500 Euro vor. Doch der Förster weiß auch, dass die Paragrafen am Ende wohl wenig nützen und hält es für "äußerst unwahrscheinlich", dass die Täter auffliegen.

Glücklicherweise sei das illegale Fällen von Bäumen vor Ort kein generelles Problem und komme nur sehr selten vor. "Man muss keine Angst haben", sagt Jörg Schlüssel, "dass der ganze Greifensteinwald abgeschnitten wird".

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