Problemfälle im Tierheim Neu-Amerika: Wenn der bei Ebay gekaufte Hund missfällt

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Im Tierheim Neu-Amerika sind im Dezember so viele Tiere abgegeben worden wie schon lange binnen eines Monats nicht mehr. Die dafür vorgebrachten Gründe sind oft gleich und schmerzen, sagt die Leiterin. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

Annaberg-Buchholz.

Weihnachten, Silvester, Neujahr - im Annaberger Tierheim Neu-Amerika gibt es keinen Feiertag. Die zwei- und vierbeinigen Bewohner gieren nach Aufmerksamkeit. Sie wollen ver- und umsorgt werden. Und damit ist nicht allein Füttern gemeint. "Gerade Hunde als hoch soziale Tiere wollen auch beschäftigt werden", sagt Tierheimleiterin Peggy Kreher. Das bedeutet, mit ihnen muss regelmäßig spazieren gegangen werden. Das braucht Zeit. Kreher als einzige Vollzeitkraft sowie ihre fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten das allein nicht stemmen. Deshalb ist sie froh, dass es einen festen Pool von etwa 20 Ehrenamtlern gibt, die gerade an Wochenenden oder eben an Feiertagen helfen.

Anders als es manchmal in diversen TV-Reportagen dargestellt wird, werden im Annaberger Tierheim nach dem Weihnachtsfest nur selten Tiere abgegeben, weil sie nicht das richtige Geschenk unterm Baum waren. "So etwas kennen wir zum Glück hier kaum", sagt Kreher. Unabhängig davon seien im Dezember so viele Tiere gebracht worden wie schon lange nicht mehr binnen eines Monats. "Das schmerzt", sagt die Tierheimchefin. Als Gründe, warum man das Tier nicht länger behalten kann, würden in der Regel immer wieder die gleichen genannt. Meist sind das eine Allergie, ein bevorstehender Umzug oder einfach Überforderung. Letzteres habe sie beispielsweise schon gehört, als ein über die Online-Plattform Ebay gekaufter Hund ins Heim gebracht wurde. "Aber wenigstens wird das Tier noch in unsere Einrichtung gegeben und nicht irgendwo ausgesetzt und sich damit selbst überlassen", so Kreher.

Aus all diesen Erfahrungen heraus gibt sie ein Tier auch nicht einfach so wieder in fremde Hände ab. "Wir führen mit potenziellen Interessenten lange Gespräche. Sie werden eingeladen, damit sie, wenn es etwa um einen Hund geht, mit diesem schon mal spazieren gehen", erklärt Kreher. Ihr Ziel bei jeder Vermittlung ist es, das sie auch ein Tierleben lang hält.

Am besten zu vermitteln seien übrigens Katzen. Im Schnitt durchlaufen 250 von ihnen jährlich das Tierheim. Bei Hunden seien meist nur kleine nachgefragt. Große Hunde hätten eher schlechte Karten, ein neues Frauchen oder Herrchen zu finden. Der Mischling Berry ist dafür ein Beispiel. Seit rund drei Jahren ist er schon im Tierheim zu Hause und das wird sich nach Ansicht von Kreher wohl auch nicht mehr ändern. Dabei sei ein großer Hund nicht automatisch auch gefährlich. "Auch eine Katze kann durchaus ganz schön aggressiv werden", sagt Kreher.

Apropos: Mit dem vergangenen Jahr habe man in Sachen herrenlose Katzen in Annaberg einen großen Schritt nach vorn gemacht. Nachdem sich im September der Landes-tierschutzverband der Angelegenheit angenommen hatte, kam Bewegung in die Sache. Zunächst stellte die Stadt dem Tierschutzbund Annaberg und Umgebung, der das Tierheim betreibt, ein Grundstück für Katzenhäuser an der Zick-Zack-Promenade zur Verfügung. Der Deutsche Tierschutzbund wiederum förderte das Projekt, sodass nun seit November die rund 15 herrenlosen Katzen in dem Areal eine feste Anlaufstelle haben. Sie besteht aus vier Futterhäuschen, zehn Schlafhäuschen und Styroporboxen. "Die Katzen nehmen das Angebot sehr gut an", weiß Kreher. Die Fütterung obliegt früh den zwei Frauen, die von der Stadt schon mehrfach angezählt wurden, weil sie die herrenlosen Katzen bislang an mehreren Stellen im Stadtgebiet anfütterten. Nachmittags kümmern sich Mitarbeiter des Tierheimes.

Was den Katzen, aber auch den Zwei- und Vierbeinern im Tierheim dabei in den Napf kommt, wird der Einrichtung inzwischen zu einem Großteil gespendet. "Die Unterstützung dahingehend aus der Bevölkerung ist einfach riesig. Da können wir nur immer wieder Danke sagen", so Kreher. Vieles läuft dabei über Spendenboxen, etwa bei Fressnapf, oder die Wunschliste auf Amazon. Aber auch zahlreiche Privatleute und Firmen engagierten sich für das Tierheim, indem sie etwa eine Tombola veranstalten und den Erlös daraus überweisen. "So müssen wir meist nur noch Spezialfutter zukaufen", sagt die Tierheimchefin. Alles aus den eigenen knappen Mitteln zu finanzieren, würde auch nicht funktionieren. "Wir haben im Prinzip nur drei feste Einnahmequellen. Das sind die Beiträge unserer Mitglieder, die Vermittlungsgebühren für die Tiere sowie die Umlage der Kommunen des Altkreises Annaberg, die sich auf 70 Cent je Einwohner beläuft", erläutert Kreher.

Froh ist sie, dass es über Silvester ein Böllerverbot gab. Für die Tiere sei die Knallerei ganz schlimm. Um das seinem Hund zu ersparen, gebe manches Herrchen sein Tier über Silvester ins Tierheim, weil die Böllerei dort wegen der abgeschiedenen Lage eher keine Rolle spielt. Im Tierheim ist eben immer was los. Auch über Feiertage hinweg.

www.tierheim-annaberg-buchholz.de

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11 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 7
    0
    summerfeeling
    05.01.2021

    Alles Gute weiterhin!