Quarantäne: Wer beendet Malis Einsamkeit?

Nach dem Ausbruch einer Infektionskrankheit im Tierheim "Neu-Amerika" werden vier Junghunde getrennt von anderen gehalten. Drei aus Vorsicht, einer ganz allein - er hat die Parvovirose überlebt. Für die Anlage und die Tiere ist das eine Ausnahmesituation. Die Suche nach neuen Besitzern läuft.

Annaberg-Buchholz.

Dieser kleine Kerl hatte scheinbar riesiges Glück. Mali hat eine gefährliche Viruserkrankung - die Parvovirose - überlebt. Doch er wird im Tierheim "Neu-Amerika" wegen der möglichen Ansteckungsgefahr noch immer in Quarantäne gehalten, darf nicht in Kontakt mit anderen Hunden kommen. Das ist einsam für ihn, auch wenn er regelmäßig ausgeführt wird. Drei weitere Jung-Hunde, die negativ auf die Erkrankung getestet worden sind, müssen laut Leiterin Peggy Kreher vorsichtshalber ebenfalls in Quarantäne leben. Sie wurden sowohl im Inneren von Artgenossen getrennt als auch im Außengelände, wo ein Teil für sie abgegrenzt worden ist. Für das Tierheim bedeutet das eine Ausnahmesituation. Wegen der erhöhten Infektionsgefahr wurde auch ein für den 7. September geplantes und schon seit Monaten vorbereitetes Fest zum 20-jährigen Bestehen der Einrichtung abgesagt.

Alle vier Vierbeiner sind etwa sechs Monate alt und gehörten zu jungen Hunden, die das hiesige Tierheim von einer anderen Tierschutzorganisation übernommen hat. Ursprünglich stammen sie aus Rumänien, wo Straßenhunde gefährlich leben, weil es laut Deutschem Tierschutzbund seit einigen Jahren ein Gesetz gibt, nach dem sie eingefangen, in öffentliche Tierheime gebracht und nach einer Frist von zwei Wochen getötet werden dürfen. Seit der Einführung des Gesetzes seien neben den herrenlosen Tieren auch Tausende frei laufende Hunde, die einen Besitzer haben, getötet worden. "Die Tiere werden auf offener Straße teilweise mit grausamen Methoden eingefangen", so der Deutsche Tierschutzbund.

Ein solches Schicksal sollte den etwa sechs Monate alten Hunden, die nun im hiesigen Tierheim betreut werden, erspart bleiben. Es sei ein riesiges Problem, daher habe man sich entschieden, einige Hunde zu übernehmen. Tierschutz ende nicht an der Landesgrenze. Mittlerweile dürfen Mali und auch die drei anderen Vierbeiner - Angelo, Liam und Grace - vermittelt werden. Sie sind nochmals gegen Parvovirose geimpft worden, obwohl das laut den vorliegenden Nachweisen schon der Fall gewesen sei. Doch offenbar bestand wegen der aufgrund des Alters der Hunde noch fehlenden Auffrischungsimpfungen kein ausreichender Schutz, so Peggy Kreher. "Es ist bei solchen Übernahmen von Tieren von anderen Organisationen streng vorgeschrieben, was alles vorliegen muss. Und das wurde auch eingehalten", sagt sie. Deshalb war es ein großer Schreck, als die hochansteckende Erkrankung ausbrach. Eine kleine Hündin, die mit ins Tierheim gekommen war, hat diese nicht überlebt.

Dass wegen der Ausnahmesituation das lange vorbereitete Fest zum 20-jährigen Bestehen des Tierheims samt einem Tag der offenen Tür ausfallen muss, ist für viele verständlich. Das zeigen Reaktionen im sozialen Netzwerk Facebook wie "Gute Besserung allen Wuffs. Gesundheit geht nun mal vor. Feiern kann man doch nachholen." Der Alltag in der Einrichtung des Tierschutzbundes Annaberg und Umgebung muss weitergehen, auch wenn der Besucherverkehr bei Hunden derzeit eingeschränkt ist und neue nur in Notfällen aufgenommen werden. Peggy Kreher und ihre Mitstreiter hoffen, dass sie für Mali und die anderen Junghunde aus Rumänien bald neue geeignete Familien finden. Zur Sicherheit sollen die Tiere an Besitzer ohne weitere Hunde vermittelt werden.

Die Kleinen hätten viel nachzuholen - schließlich sei das eine entscheidende Zeit, in der sie sozialisiert werden. Das Tierheim wünscht sich erfahrene Interessenten, die die richtigen Weichen für die Mischlingshunde stellen. Sorgenkinder gibt es aktuell auch bei den Katzen. So soll der schon ältere Kater Jackson möglichst bald in ein Quartier mit katzenerfahrenen Besitzern vermittelt werden. Er kam als Fundtier ins Tierheim und sei an Menschen gewöhnt, auch verschmust. "Aber wenn etwas Ungewöhnliches passiert, beginnt er zu kratzen und an den Beinen hochzuspringen", schildert die Leiterin. Daher wird er im Tierheim getrennt von anderen Artgenossen gehalten und braucht Besitzer, die ihn so akzeptieren wie er ist.

www.tierheim-annaberg.de

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