Radioaktivität im Trinkwasser auf der Spur

Gesetzliche Vorgaben verpflichten die Versorger zu speziellen Messungen an ihren Anlagen. Einige Verbände haben schon Ergebnisse veröffentlicht. Andere werden bis Ende des Jahres brauchen - dann läuft die Frist ab.

Annaberg-Buchholz/Mildenau/Elterlein.

Mit der Trinkwasserverordnung, die seit 2015 gilt und 2018 aktualisiert wurde, werden Wasserversorger dazu verpflichtet, das Trinkwasser einer Untersuchung bezüglich radioaktiver Stoffe zu unterziehen. Nun läuft bald die Frist ab. Bis Ende November dieses Jahres müssen diese Erstuntersuchungen durchgeführt werden. Wie sieht es bei den hiesigen Trinkwasserversorgern aus? "Freie Presse" hat nachgefragt.

Ein Vorreiter bei diesem Thema ist der Zweckverband Wasserwerke Westerzgebirge (ZWW), der in der Region beispielsweise die Stadt Elterlein mit Trinkwasser versorgt. "Der ZWW hat die laut Trinkwasserverordnung verpflichtenden Erstuntersuchungen bereits vorgenommen und lange vor dem geforderten Termin abgeschlossen", sagt Geschäftsführer Frank Kippig. Untersucht worden seien Anlagen, die Wasser aus ZWW-eigenen Dargeboten aufbereiten und pro Tag mehr als zehn Kubikmeter Trinkwasser abgeben beziehungsweise mehr als 50 Personen versorgen. Ergebnis: keine Auffälligkeiten. "Die Grenzwerte wurden eingehalten beziehungsweise lediglich in einem dauerhaft hinnehmbaren Maß überschritten. Bei kleineren Anlagen, deren Untersuchungen aktuell noch laufen, sei die Tendenz analog. "Nur für eine sehr kleine Anlage, deren Untersuchung abgeschlossen ist, sind innerhalb der nächsten zehn Jahre Maßnahmen zur Reduzierung von Radon-222 durchzuführen", so Kippig. Diese Anlage sei aktuell aber ohnehin im Umbau. Danach soll sie neu beprobt werden.

Wie hoch das Leitungswasser mit radioaktiven Stoffen belastet ist, hat auch der Hainichener Trink- und Abwasserzweckverband ZWA - der auch für Orte im Erzgebirgskreis zuständig ist - untersucht. Kürzlich wurden die Ergebnisse der Proben bekanntgegeben. Auch hier Entwarnung: Laut ZWA liegen die Messwerte für die Entnahmestellen unter den vom Gesetzgeber fixierten Grenzwerten. So darf der Jahresmittelwert der Zerfallsrate des radioaktiven Radon-Isotops 222 die Marke von 100 Becquerel je Liter nicht überschreiten.

Nicht ganz so schnell ist die Erzgebirge Trinkwasser GmbH (ETW). "Die Übergangszeit bis zum 26. November, in der die Erstuntersuchung von Bestandsanlagen abgeschlossen sein muss, werden wir wohl wegen der Vielzahl der Anlagen ausreizen", erklärt Geschäftsführerin Carla Schneider. Der kommunale Trinkwasserversorger ist für 100 Aufbereitungsanlagen im Erzgebirge zuständig, die alle quartalsweise beprobt werden. Erste Ergebnisse liegen der ETW zwar vor. Für eine abschließende Bewertung sind Carla Schneider zufolge aber noch weitere Werte zu erfassen. Auch die ETW muss ihre Messwerte veröffentlichen. Auf welchem Weg das geschehen soll, werde zurzeit diskutiert.

Auch für kleine Trinkwasserversorger, wie beispielsweise der Trinkwasserzweckverband Mildenau/Streckewalde, der 2620 Einwohner versorgt, gelten die Bestimmungen der Trinkwasserverordnung. Wassermeister René Lorenz informiert, dass in Mildenau bereits seit 2018 nach Anordnung des Gesundheitsamtes Erstuntersuchungen an der Zapfstelle im Rathaus einmal im Quartal durchgeführt werden. Aussagen zu Ergebnissen können aber noch nicht getroffen werden.

Das Bundesamt für Strahlenschutz stuft die Belastung des Trinkwassers durch natürliche Radionuklide deutschlandweit zwar als gering ein. Je nach Beschaffenheit des Untergrundes kann es aber eine erhöhte Konzentration aufweisen. Radon im Trinkwasser wird etwa beim Kochen und Duschen freigesetzt und erhöht somit in geringem Umfang die Konzentration in der Raumluft. Auch beim Trinken wird das Edelgas aufgenommen und trägt zur inneren Strahlenbelastung bei.


Alphateilchen bis zu 20.000 Kilometer pro Sekunde schnell

Gefahr geht bei Radon von den Zerfallsprodukten aus. Besonders Polonium-Isotope tragen zur Belastung durch Alphastrahlung bei. Das Alphateilchen verlässt den Kern mit einer Austrittsgeschwindigkeit von bis zu 20.000 Kilometer pro Sekunde. Die dabei frei werdende Energie kann lebende Zellen schädigen - allerdings ist die Reichweite gering. Denn das aus einem Helium-4-Atomkern bestehende Alphateilchen ist sehr massiv wird rasch von den umgebenden Molekülen ausgebremst. (mik)

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