Rettung im "Grünen Zweig"

In Schlettau hat am Wochenende eine Übung der Untertagerettung der Bergwacht Harz stattgefunden. Die Gruppe ist auf Hilfe im Altbergbau spezialisiert. Auch Erzgebirger sind Teil des Teams. Für Otto nahm die Aktion ein gutes Ende.

Schlettau.

Es kommt nur noch selten vor, dass am Vereinsbergwerk "Grüner Zweig samt Gnade Gottes-Stolln" in Schlettau Menschen in die Tiefe steigen. Am vergangenen Wochenende war das aber der Fall. Anlass war eine Notfall-Übung der Untertagerettung der Bergwacht Harz. Die Fachgruppe ist eine Form der organisierten Kameradenhilfe. Der Ausbildungs- und Einsatzschwerpunkt liegt in der Untertagerettung im Altbergbau. Das Team setzt sich aus 29 Frauen und Männern zusammen, davon kommen neun aus dem Erzgebirge. Die Fachgruppe Untertagerettung unterstützt im Ernstfall die herkömmlichen Hilfsorganisationen wie Feuerwehr und Rettungsdienst. Diese kommen wegen der benötigten Spezialkenntnisse bei derartigen Einsätzen an ihre Grenzen. Die Ausbildung erfolgt an verschiedenen Orten, dieses Mal war der Trupp in Schlettau zu Gast.

Ziel war, einen Verschütteten - eine hölzerne Puppe namens Otto - auf der Stollnsohle Erste Hilfe zu leisten, ihn aufzunehmen und mit Rettungsgerät nach oben zu transportieren. Vor Ort wurde ein Führungspunkt errichtet und die Mannschaft in Gruppen mit konkretem Auftrag eingeteilt. Ein Führungstrupp erkundete die Lage des Verletzten. Das Kommunikationsteam baute eine Telefonsprechverbindung vom Führungspunkt zum Verletzten auf. Ausbildungsleiter Jan Münch gab dann den Auftrag, den Verletzten für den Transport vorzubereiten. Die räumliche Situation auf dem Stolln verlangte den Kameraden alles ab.

Die Auffahrung des "Grünzweiger Stolln" geht ins 15. Jahrhundert zurück. Damals waren die Menschen im Schnitt nur 1,50 Meter groß. Deutlich kleiner als die Retter, die sich am Wochenende in dem Stolln zu schaffen machten. Arbeitsteilung und gegenseitige Unterstützung waren angesagt. Am Schacht hatte Martin Riedel einen Flaschenzug eingebaut, mit dem dann Otto auf der Trage an das Tageslicht gezogen wurde. Das Werk glückte.

Jan Münch: "Es war eine sehr erfolgreiche Ausbildung. Ziel war, dass die Kräfte, die aus dem Erzgebirge kommen, mal die Chance haben, eine Ausbildung zu machen und dabei die Techniken und Abläufe bei einem Rettungseinsatz kennenzulernen." Es habe alles hervorragend geklappt. Münch dankte den Mitgliedern der Bergknappschaft Schlettau. Mit den Kameraden der Bergwacht ging es dann noch einmal ins Berginnere bis hin zu Radkammer und Kunstschacht.

Im zurückliegenden Jahr hatte ein Teil der Gruppe an der Rettung eines verunfallten Hobby-Bergmanns in einer ehemaligen Wismut-Grube in Erla teilgenommen. Der Verunfallte war durch Abrutschen in eine unverfüllte Abbaurolle etwa 20 Meter in die Tiefe gestürzt. Nachfallendes Holz und Bergemasse überdeckten ihn. Dirk Tenkhoff vom Erzgebirgsklinikum, der zur ehrenamtlichen Rettungsgruppe gehört, hat mit Jan Münch, Erik Wolf und Martin Riedel dem Verunfallten Erste Hilfe geleistet und mit Fachkenntnis aus der misslichen Lage befreit.


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