Rex in Not: Neue Tierheimleiterin setzt Hoffnung auf Spezialtraining

Eigentlich will die Einrichtung Katzen, Hunde und andere Bewohner so schnell wie möglich vermitteln. Doch manchmal ist das nicht möglich - so auch bei einem Mischlingsrüden, der als Welpe Gewalt erfahren hat. Aufgeben kommt für Peggy Kreher und ihre Helfer aber nicht infrage.

Annaberg-Buchholz.

Vergnügt springt er durch den Schnee, die Lebensfreude ist Rex anzusehen. Ein schönes Bild - doch die Idylle trügt. Der dreijährige Rüde ist ein Problemfall im Tierheim "Neu-Amerika" bei Annaberg-Buchholz. Ein Hund, der momentan keine Chance hat, vermittelt zu werden. "Er hat bereits als Welpe Gewalt erfahren und reagiert in bestimmten Situationen aggressiv", sagt Peggy Kreher, die neue Leiterin der Einrichtung und Nachfolgerin von Klaus Graupner. Doch Rex soll unbedingt eine Chance bekommen - in Form eines Spezialtrainings. Um das zu finanzieren, braucht es weitere Paten.

Schon etwa eineinhalb Jahre lebt der drei Jahre alte Mischlingshund im Tierheim "Neu-Amerika". Er sei dort zur Pension abgegeben worden, wurde aber nicht mehr abgeholt. Zunächst lief alles gut bei der Betreuung des Hundes. Doch dann habe sich eine ausgeprägte Futteraggression gezeigt - Rex wird aggressiv, wenn er sein Fressen bekommt. Außerdem lege er ein heftiges Abwehrverhalten an den Tag, wenn er etwa von einem Tierarzt behandelt werden soll oder ihm sonst jemand zu nahe kommt. So sei zum Beispiel das Maulkorbtraining sehr schwierig gewesen - und ist es immer noch. Nur bei zwei Menschen reagiert er vertraut und genießt auch Streicheleinheiten - das sind Peggy Kreher und eine weitere Helferin aus dem Tierheim. Wie Nachforschungen ergaben, müsse Rex als Welpe geschlagen worden sein, wenn er nicht aufgefressen hatte. Deshalb wende er nun das an, was er damals erfahren hat, wenn ihm etwas nicht passt: Er reagiert aggressiv. Aber er könne eben auch ganz anders, wie er bei seinen Bezugspersonen zeigt. Zudem sei er im Umgang mit anderen Hunden ein ganz toller Kerl und sehr entspannt. "Mit ihnen hat er ja keine schlechten Erfahrungen gemacht", sagt die neue Tierheimleiterin. Und weiter: "Er soll unbedingt eine Chance bekommen."

Peggy Kreher hofft, dass Rex ab Februar einen Platz bei Listiversum bekommt - einer Organisation in Thüringen, die darauf spezialisiert sei, mit solchen Hunden an deren Resozialisierung zu arbeiten. Etwa 300 Euro im Monat müssten dafür einkalkuliert werden - einige Paten haben sich schon bereit erklärt, das mit regelmäßigen Beiträgen mit zu finanzieren. Doch es reicht noch nicht aus. "Uns fehlen hier selbst das Know-how und die Zeit, um uns so ausgiebig um Rex zu kümmern", erklärt die 36-Jährige. Aber nur durch aufwendiges spezielles Training habe er eine Chance, später wieder in ein Zuhause vermittelt werden zu können. "Er wird allerdings nie ein Hund für unerfahrene Halter sein", fügt sie hinzu.

Für Peggy Kreher gehört der Umgang mit Tieren schon seit ihrer Kindheit zu ihrem Leben dazu. "Ich habe mit unserer Neufundländer-Hündin das Laufen gelernt", erzählt sie. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist sie im Tierschutzbund Annaberg und Umgebung aktiv, der auch das Tierheim betreibt. Im Zusammenhang mit einem Arbeitseinsatz für dessen Bau war die Buchholzerin auf die Gemeinschaft aufmerksam geworden und ist ihr treu geblieben. Seit mehreren Jahren gehört sie deren Vorstand an, ist stellvertretende Vereinsvorsitzende. Bislang hat sie das ehrenamtlich neben ihrer Arbeit als Krankenschwester im Erzgebirgsklinikum geleistet. Doch nun folgte der berufliche Wechsel in die Position der Tierheimleiterin. Zwar sei ihr der Abschied vom Krankenhaus sehr schwer gefallen. Aber es ist für sie die bessere Lösung, da es mit der Schichtarbeit nicht einfach war, immer beides unter einen Hut zu bekommen. "Und hier hängt wirklich mein Herz dran", sagt sie mit Blick auf das Tierheim.

Peggy Kreher ist die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin der Einrichtung. Weiterhin wird sie von Minijobbern, Ein-Euro-Jobbern und jungen Leuten im Freiwilligen Ökologischen Jahr unterstützt, ebenso von Engagierten im Bundesfreiwilligendienst sowie ehrenamtlichen Helfern. "Ohne Ehrenamt müssten wir hier zumachen", sagt sie. Was die Finanzierung der Einrichtung betrifft, so zahlen fast alle Städte und Gemeinden im Altkreis Annaberg eine jährliche Umlage von 70 Cent pro Einwohner, weil das Tierheim ihnen mit der Versorgung von Fundtieren eine Pflichtaufgabe abnimmt. Eine weitere Säule sind Gebühren, die etwa für die Vermittlung von Tieren verlangt werden. Außerdem lebt die Einrichtung zu einem großen Teil von Spenden. Genau auf solche und auf Patenschaften hofft sie auch im Fall von Rex.

Wer dem Tierheim mit einer Patenschaft für Rex weiterhelfen möchte, kann sich telefonisch melden. Auch auf der Internetseite gibt es Infos. Dort sind zudem die Kontodaten zu finden. www.haustiere-web.de

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