Rezeptbriefkasten in Jöhstadt muss entfernt werden

Der Stadtrat diskutiert die Entscheidung der Landesapothekerkammer sehr emotional. Der betroffene Apotheker hingegen gibt der Stadt eine Mitschuld.

Jöhstadt.

Die Bergstadt hat in den vergangenen Jahren viele Einrichtungen verloren, die das Leben erleichtern. Nun soll auch noch der sogenannte Rezeptbriefkasten verschwinden, der seit Januar 2013 im Rathaus hängt. Dort konnten die Jöhstädter ihre Arzt-Rezepte einwerfen. Zweimal täglich wurden sie von einem Mitarbeiter der Bärensteiner Sonnen-Apotheke, die den Briefkasten betrieben hat, abgeholt. Zeitnah wurden dann die verschriebenen Medikamente an die Patienten ausgeliefert. Damit ist ab Mittwoch Schluss. Der Briefkasten muss abgebaut werden.

Diese Entscheidung der Landesapothekerkammer hat in der jüngsten Stadtratssitzung für emotionale Diskussionen gesorgt. So sagte etwa CDU-Rätin Andrea Meyer: "Es wird immer gesagt, dass der ländliche Raum gestärkt werden soll. Hier aber wird dem ländlichen Raum wieder etwas weggenommen".


Michael Körner, Inhaber der Bärensteiner Apotheke, kann hingegen den Widerruf der Erlaubnis zum Betreiben der Rezeptsammelstelle durch die Landesapothekerkammer sehr gut nachvollziehen. Ausschlaggebender Punkt dafür stelle im Prinzip der Weggang der Ärztin aus Jöhstadt dar. Hätte die Stadt, das in ihrem Eigentum befindliche Praxisgebäude entsprechend modernisiert, wäre die Medizinerin sicherlich nicht nach Königswalde gegangen, glaubt Körner.

Doch warum ist das so wichtig für den Rezeptbriefkasten? Eine Rezeptsammelstellenerlaubnis zur ordnungsgemäßen Arzneimittelversorgung von abgelegenen Orten oder Ortsteilen ohne Apotheken ist nicht mehr erforderlich, weil mit Schließung der einzigen ortsansässigen Arztpraxis kein erhöhter Rezeptanfall mehr zu verzeichnen ist, begründet Corina Seidel von der Landesapothekerkammer den Entzug der Erlaubnis. Sie beruft sich dabei unter anderem auf die Apothekenbetriebsordnung. Danach gilt ein Ort als abgelegen, wenn die Entfernung zur nächstgelegenen Apotheke 6 km oder mehr beträgt. Wenn in einem Ort ohne Apotheke allerdings ein Arzt niedergelassen ist und damit ein erhöhter Rezeptanfall zu verzeichnen ist, könne der Entfernungsrichtwert auf bis zu 4 km unterschritten werden. Ein solcher Fall lag in Jöhstadt bislang vor, so Seidel. Nun aber nicht mehr. Die nächstgelegene Linden-Apotheke in Königswalde ist circa 5 km von Jöhstadt entfernt. Allein Erwägungen der bequemeren Arzneimittelversorgung rechtfertigten nicht die Einrichtung einer Rezeptsammelstelle.

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