Rohstoffsuche mit Helikopter und Drohne

Die Region Geyer/Ehrenfriedersdorf ist Teil eines europäischen Forschungsprojekts. Im August starten Untersuchungen aus der Luft. Bergbau selbst spielt keine Rolle - aber seine Akzeptanz durchaus.

Geyer.

Nachrichten verschicken, einkaufen, den Weg finden: Das Smartphone ist für viele aus dem Alltag nicht wegzudenken. Doch wer macht sich beim Griff danach schon Gedanken darüber, was drin steckt? Indium zum Beispiel - ein seltenes Schwermetall, das genauso für Flachbildschirme benötigt wird. Ein sehr gefragter Rohstoff - ebenso wie etwa Germanium und Kobalt. Besonders interessant sind sie und andere auch für das europäische Forschungsprojekt Infact, für das die Region Geyer/Ehrenfriedersdorf als eine von dreien ausgewählt worden ist. Im August soll ein mit einer Spezialsonde ausgestatteter Hubschrauber das Gebiet überfliegen - wie bereits bei einem Vorgängerprojekt.

Es geht um die Erkundung mineralischer Rohstoffe aus der Luft, wie Dr. Richard Gloaguen bei einer Einwohnerversammlung am Donnerstag in Ehrenfriedersdorf erklärte. Der Wissenschaftler arbeitet am Helmholtz-Institut für Ressourcentechnologie Freiberg und ist Koordinator des mit 5,6 Millionen Euro von der EU geförderten Projekts. Daran sind 17 Partner beteiligt, weitere Untersuchungsgebiete befinden sich in Finnland und Südspanien. Ziel sei, möglichst sanfte Methoden für die Erkundung von Rohstoffen zu entwickeln und zu testen, um Eingriffe in den Boden wie Bohrungen zu verringern. Es geht beim Projekt nicht um den Abbau - also um Bergbau selbst. Aber die Ergebnisse sollen durchaus dazu dienen, die Bedingungen in Europa für Bergbauunternehmen und Investoren zu verbessern. Gerade in Deutschland gebe es für Bergbau derzeit kaum Akzeptanz. "Doch wir sind eine hoch technisierte Gesellschaft, brauchen Technologien und Ressourcen", so Gloaguen.

Was passiert im Erzgebirge als nächstes? Von Mitte bis Ende August soll ein mit einer fünf Meter langen Sonde ausgestatteter Hubschrauber das Forschungsgebiet überfliegen - aber nur über nicht bewohnten Flächen. In der Sonde stecken etwa spezielle Magnetfeldsensoren, erläutert Matthias Meyer von der Supracon AG Jena. "Wir messen aus der Luft physikalische Eigenschaften des Bodens bis in 300/400 Meter Tiefe", sagt er. Daraus ließen sich in Kombination mit vorhandenen Daten und anderen Verfahren Rückschlüsse auf Rohstoffe ziehen. Der Hubschrauber wird in Chemnitz-Jahnsdorf starten und dann das Untersuchungsgebiet in Bahnen tief abfliegen. Für die Öffentlichkeit soll es Veranstaltungen am Flugplatz und wahrscheinlich am Sportplatz in Geyer geben. Denn den tief fliegenden Hubschrauber bei der Arbeit zu entdecken, sei eher schwer. Neben ihm wird eine speziell ausgestattete Drohne zum Einsatz kommen, die sehr hoch auflösende Aufnahmen vom Boden machen kann. Auch sie wird nicht über bewohnte Flächen oder gar über Menschenmengen fliegen. Es gebe strenge gesetzliche Vorgaben.

Für Diskussionen sorgte bei den nur wenigen Gästen der Begriff vom "unsichtbaren Bergbau" - eine Idee, die es laut Dr. Richard Gloaguen aber gibt. Gemeint sei, dass die Aufbereitung von abgebauten Rohstoffen komplett unter der Erde erfolgt und nur das aufbereitete Material nach oben kommt. "Und wo soll das Material für den Tunnel-Bau hin, in dem gearbeitet wird? Das kommt nach oben. Unsichtbaren Bergbau gibt es nicht", sagte ein Gast. Elterleins Bürgermeister Jörg Hartmann ergänzte: "Bei Bergbau wird es immer Halden geben, auch wenn die Abfallerzeugung minimiert wird." Aktuell etwa planen die Erzgebirgischen Fluss- und Schwerspatwerke, in der Nähe des Bergwerkes in Niederschlag eine Halde zu erweitern.

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