"Rummel ist nach wie vor Faszination"

Verbandschef Klaus Illgen spricht über das richtige Kät-Wetter, was gute Schausteller leisten sollten und Wünsche seiner Branche

Annaberg-Buchholz.

Die 497. Annaberger Kät ist Geschichte. Zeit für Klaus Illgen, den langjährigen Vorsitzenden des Mittelsächsischen Schaustellerverbandes, Bilanz zu ziehen. Mit ihm sprach Michael Urbach.

"Freie Presse": Herr Illgen, in den letzten 14 Tagen hat es recht wenig geregnet. Haben Sie eigentlich das sprichwörtliche Kät-Wetter vermisst?

Klaus Illgen: Für uns Schausteller sieht das ideale Kät-Wetter so aus wie am Freitag: bewölkt, aber kein Regen, sodass die Leute nicht lieber ins Freibad oder den Garten gehen. Hitze dagegen ist genauso schlimm wie Regen. Wobei die Erzgebirger bei Regen eben in Gummistiefeln kommen. Bei Hitze hingegen ist einem alles zu viel.

Wie lief die diesjährige Kät?

Es macht sich bemerkbar, dass die Kät diesmal in Richtung Monatsende stattfand. Da wird bei den Leuten das Geld weniger, sie sind zaghafter. Da kauft man halt 10 statt 20 Lose. Ende Juni, das ist sonst selten. Außerdem fahren zum Schulferienbeginn viele gleich am Wochenende weg. Doch insgesamt war es ein gutes bis sehr gutes Fest. In Annaberg geht es familiär zu, die Schausteller sind gern gesehen von Bevölkerung und Stadt.

Ein Besuch auf der Kät ist heutzutage gerade mit Familie kein billiger Spaß. Warum kommen dennoch so viele Leute?

Rummel ist nach wie vor Faszination. Es ist nicht mehr wie in der DDR, wo eine Karussellfahrt 20 Pfennig gekostet hat und man alle Geschäfte durchgefahren ist. Die Leute geben ihr Geld gezielter aus. Sie gehen dorthin, wo es ihnen das letzte Mal geschmeckt hat oder wo es freundlich ist. Als Schausteller musst du Freude rüberbringen und darfst nicht als Muffel dastehen. Ein kleiner Plausch oder ein "lasst es euch schmecken" gehört dazu.

Welche Rolle spielen Neuheiten bei den Fahrgeschäften? Muss da jedes Jahr was kommen?

Neuheiten sind wichtig. Wenn man jedoch nur mit Neuheiten kommt, ist auch die Luft raus. Es gehören genauso traditionelle Geschäfte dazu, wie das Kettenkarussell. Der Mix muss stimmen. Das gehört zur Kät, das gilt es zu pflegen.

Und was wünschen sich die Schausteller?

Es wäre gut, wenn andere große Feste nicht gleichzeitig zur Kät stattfinden und sich Besucher klauen. Zum Beispiel das Sächsisch-Böhmische Bierfest in Bärenstein/Weipert - wenn das am Wochenende vor oder nach der Kät ist, kommen dort vielleicht auch mehr Menschen hin. Außerdem könnte die Kät-Werbung noch weiter Richtung Tschechien gehen, besser als nach Leipzig oder Dresden. Die haben ihre eigenen Feste. Aber aus Tschechien kommen jedes Jahr mehr Besucher zu uns.


Das sagen Besucher zur diesjährigen Kät

Lena Bergelt (11, Grumbach): "Seit meiner frühesten Kindheit gehe ich bereits auf die Kät. In diesem Jahr bin ich bereits das zweite Mal zu Gast. Ich finde es gut, dass es in diesem Jahr viele neue Attraktionen gibt, darunter unter anderem das Karussell Flipper. Schade finde ich hingegen, dass es in diesem Jahr keine Achterbahn gibt. Meine Lieblingsattraktion ist schon immer der Breakdance, da es dabei ordentlich im Bauch kribbelt."

Daniela Beck (32, Annaberg-Buchholz): "Ich gehe jedes Jahr mehrfach auf die Kät. Das erste Mal war ich im Alter von gerade einmal zwei Jahren zusammen mit meiner Mutter zu Besuch. Dass viele Fahrgeschäfte, wie zum Beispiel Karussell und Riesenrad, bis heute vorhanden sind, finde ich super. In diesem Jahr ist das Angebot wieder sehr vielfältig und abwechslungsreich. Mein Lieblingsfahrgeschäft ist die Achterbahn. Leider ist diese Attraktion in diesem Jahr nicht vorhanden. Das einzige, was mich stört, sind die stetig steigenden Preise. Im Vergleich zu anderen Volksfesten sind diese jedoch noch in Ordnung."

Oliver Liebig (23, Chemnitz): "Ich bin bereits zum dritten Mal auf der Kät zu Besuch. Zusammen mit meiner Freundin war ich auf dem Weg in die Tschechische Republik. Dabei haben wir gleich einen kleinen Abstecher eingelegt. Ich finde es super, dass die Fahrgeschäfte regelmäßig wechseln. Außerdem ist das Wetter in diesem Jahr herrlich. Am liebsten würde ich gerne einmal mit dem Top Spin fahren, allerdings traut sich meine Freundin nicht. Im nächsten Jahr sowie zum 500-jährigen Jubiläum in drei Jahren möchte ich das Volksfest auf alle Fälle wieder besuchen."

Anna-Sophie Seyfert (18, Chemnitz): "Ich bin zum ersten Mal auf der Kät zu Gast. Mein Freund hatte den Vorschlag gemacht, diese einmal zu besuchen. Ich hatte zuvor noch nie davon gehört. Das Angebot an Attraktionen und Essensständen finde ich wirklich vielfältig, die Preise sind auch in Ordnung. Ich hätte mir allerdings mehr Stände erhofft, an denen man Mädchenkram bekommt. Gefahren bin ich nur das Riesenrad. Von ganz oben hat man einen wunderschönen Blick über Annaberg und das Erzgebirge. 2018 möchte ich definitiv wiederkommen." (gudo)

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