Russlandfreunde setzen auf Austausch

Ein noch junger Verein organisiert Veranstaltungen und pflegt Kontakte. Dabei spielt auch ein Motorradclub eine Rolle.

Wiesenbad/Hohndorf.

Es ist ein noch junger, aber sehr reger Verein. Im Juni des vorigen Jahres gegründet, haben die Erzgebirgsfreunde Russlands etwa vor Kurzem in Thermalbad-Wiesenbad eine Multimediaschau präsentiert. Das Thema: berühmte Russen im Erzgebirge. "In dieser Schau begleiten wir Zar Peter den I., den Universalgelehrten Michail Lomonossow und Kaiser Alexander I. auf ihren Wegen durch unser Erzgebirge", berichtet Vereinsvorsitzender Norbert Staffa aus Hohndorf. Immerhin hat Zar Peter der Erste den Erzgebirgsstädten Freiberg, Annaberg und Zschopau mehrfach Besuche abgestattet, um die Bergbau- und Hüttentechnik, die Klöppelei sowie die Strumpfwirkerei zu "studieren". Lomonossow eignete sich in Freiberg entsprechende Kenntnisse in Sachen Bergbau an.

Der Verein Erzgebirgsfreunde Russlands zählt 25 Mitglieder, die aus der Region, aus Chemnitz und aus Köln kommen. Der Anlass für seine Gründung: "Es gibt eigentlich sehr wenige Informationen über Russland und wir engagieren uns dafür, dass die Leute mehr aus dem Land erfahren", so Norbert Staffa. Dabei wartet die Gemeinschaft auch mit Reiseberichten und Buchlesungen auf. Als seine Ziele sieht der Verein vor allem die kulturelle Arbeit. Zudem arbeitet die Gemeinschaft an Büchern. Nicht zuletzt äußert man sich auch zu politischen Fragen. Zu diesem Punkt wurde auch eine Petition an den Deutschen Bundestag eingebracht. Darin wird gefordert, die seit 2014 in der Europäischen Union praktizierte Sanktionspolitik gegen die Russische Föderation nicht mehr zu unterstützen. "Wir liegen mit der Petition auf einer Linie mit dem Sächsischen Ministerpräsidenten", sagt Norbert Staffa.


Zu diesem Thema sammelt der Verein bei verschiedenen Anlässen auch Unterschriften. "Dennoch sind unsere Mitglieder keine todernsten Leute", sagt der 68-Jährige. Der Verein erfüllt seine Arbeit auf verschiedene Weise mit Leben. "Wir haben Verbindungen zu einem Gymnasium in Kasan, die 2018 innerhalb einer Wolgareise entstanden sind", nennt Staffa ein Beispiel. Kein Zufall sind auch die guten Beziehungen zu einem Motorradclub in Ischewsk. Die Stadt ist ein Zentrum der russischen Motorradproduktion, und der einstige Motorradwerker hat durchaus eine besondere Beziehung dazu. Denn die russische "Isch" ist ursprünglich sozusagen eine DKW. Der russische Ingenieur Peter Moscharow, der in Mittweida seinen Ingenieurstitel erworben hat, holte die Produktionstechnologie in den 1930er-Jahren nach Russland. Ab 1946 sind in den "Ischmasch"-Werken die Fertigungsanlagen des DKW-Werkes - zuvor in Zschopau als Reparationsleistung demontiert - wieder aufgebaut worden.

Der Austausch zwischen Mitgliedern des Vereins und ihren Kontakten in Russland erfolgt nicht nur per Post oder E-Mail. "Wir fahren da auch hin", verrät Norbert Staffa. Außerdem haben die russischen Motorradenthusiasten schon die Fahrt über mehrere tausend Kilometer ins Erzgebirge auf sich genommen, natürlich mit einer "Isch". Nicht zuletzt will der Verein weitere Vorhaben ins Leben rufen. So plant die Gemeinschaft ein Projekt für Vorschulkinder beziehungsweise erste Klassen. Der Vorsitzende spricht von einer russischen Märchenstunde mit allem Drum und Dran. "Dabei wollen wir auch Spielzeug der russischen Kinder zeigen", so Staffa. Und als einstiger Inhaber eines Seniorenreisebüros liegen ihm natürlich auch weitere Reiseberichte am Herzen. Eine derartige Veranstaltung ist im Oktober in der Raststätte "Wildbach" in Steinbach geplant.

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