Schneechaos: Schulen, Straßen, Wald, Lifte, Eisbahn dicht

Es gibt ihn offenbar noch - den Winter, so wie er früher einmal gewesen sein soll. Allerdings sorgt der Flockenwirbel nicht zuletzt wegen der heutigen Autoflut für deutlich mehr Probleme als das noch vor 30 Jahren der Fall war.

Annaberg-Buchholz/Oberwiesenthal.

Mit voller Wucht ist in der Nacht zum Mittwoch Sturmtief Benjamin im Erzgebirge angekommen. Ununterbrochener Schneefall gepaart mit Temperaturen um den Gefrierpunkt sowie heftige Windböen sorgten allerorts für glatte Straßen. Dass der Verkehr nicht ganz zum Erliegen kam, dafür sorgte der lokale und überregionale Winterdienst, der rund um die Uhr im Einsatz war. Allein die Straßenmeistereien des Landkreises, die für die Beräumung von 1254 Kilometer Kreis-, Staats- und Bundesstraßen verantwortlich sind, waren mit insgesamt 58 Räum- und Streufahrzeugen, 10 Vorbau-Schneefrässchleudern und Schneeschleudern sowie der großen Schneefrässchleuder Supra 4001 im Einsatz, sagt Sprecher André Beuthner. Bei dem Wetter würden täglich um die 400 Tonnen Salz gestreut.

Trotz dieses Einsatzes mussten gestern in der Region immer wieder auch Straßen komplett gesperrt werden. Das betraf etwa die Verbindung von Kühberg nach Jöhstadt, die Straße zwischen Marienberg und Großrückerswalde und die B 95 am Grenzübergang in Oberwiesenthal. Am Nachmittag waren dann auch sämtliche Zufahrtsstraßen nach Oberwiesenthal dicht.

Laut Polizei kam es über den Tag zu zahlreichen Unfällen. Bei den meisten blieb es bei Blechschäden. Im Raum Annaberg meldete die Polizeidirektion Chemnitz aber auch zwei Unfälle mit Personenschaden. So kollidierten gestern gegen 7.15 Uhr auf der Geyersdorfer Straße Höhe Abzweig Lindenstraße der Kreisstadt ein Audi (Fahrerin: 59) und ein Opel. Die Audi-Fahrerin musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Es entstand Sachschaden von insgesamt circa 9000 Euro. Bereits am Dienstagabend geriet im Ortsteil Cunersdorf auf der August-Bebel-Straße ebenfalls ein Audi bei winterlichen Straßenverhältnissen ins Schleudern und kollidierte mit einem entgegenkommenden Kleintransporter VW. Beide Fahrer erlitten leichte Verletzungen. An den Fahrzeugen entstand jeweils rund 10.000 Euro Sachschaden, teilte die Polizei mit.

Neben diesen Verletzten hatte es die Notaufnahme im Erzgebirgsklinikum gestern noch mit mehreren sturzbedingt ausgerenkten Schultern zu tun, sagt Oberarzt Mario Stumpfel, Leiter der zentralen Notaufnahme. Unter dem Strich sei es hinsichtlich des Patientenaufkommens aber ein eher unterdurchschnittlicher Tag gewesen. Auch der Zustrom von verletzten Wintersportlern aus Oberwiesenthal tendierte gegen null, so Thomas Richter, Sachgebietsleiter Organisation und Hygienemanagement des Klinikums. Letzteres lag offenbar daran, dass am Fichtelberg der Skibetrieb gestern nur eingeschränkt möglich war. So waren verschiedene Liftanlagen wie etwa der Himmelsleiterlift nicht in Betrieb. Das lag unter anderem an der Schneebruchgefahr. Sie wiederum war der Grund dafür, dass zahlreiche Waldwege gesperrt werden mussten. Die Stadt Annaberg-Buchholz etwa riegelte ihre städtischen Wälder sowie die Pöhlbergauffahrt ab. Zahlreiche Bäume sind bereits umgestürzt, weitere Schäden werden erwartet, teilte Stadtsprecher Matthias Förster mit. Die Sperrungen gelten bis auf Widerruf.

Eine große Herausforderung stellte gestern der Busverkehr dar. Wegen Glätte und Straßensperrungen kam es zu Verspätungen und Fahrtausfällen im Landkreis. Unfälle mit Bussen hat es aber nicht gegeben, erklärt Roland Richter, Geschäftsführer der Regionalverkehr Erzgebirge (RVE) GmbH. "Die Fahrer haben einen tollen Job gemacht", lobte der RVE-Chef. Das gilt insbesondere auch für den Schülerverkehr. Zahlreiche Schulen entschlossen sich aus Sicherheitsgründen, den Unterricht früher als normal zu beenden. Zudem entschieden sich in vielen Einrichtungen die Schulleiter dazu, zunächst für den heutigen Tag den Unterricht komplett abzusetzen. Das betrifft etwa die Oberschulen Sehmatal, Jöhstadt und Johann-Heinrich-Pestalozzi sowie die Oberschule im Bildungszentrum Annaberg und die Freie Oberschule "Erzgebirgsblick" Gelenau. Auch an der Grundschule in Sehmatal findet heute kein Unterricht statt. Demgegenüber soll laut Stadtsprecher Förster in der Grundschule des Bildungszentrums ein Notbetrieb abgesichert werden. In der Gelenauer Grundschule ist sogar regulärer Schulbetrieb angesetzt, sagt Bürgermeister Knut Schreiter.

Erhebliche Einschränkungen meldete gestern Abend auch die Erzgebirgsbahn. Zahlreiche, aufgrund der Schneelast umgestürzte Bäume sorgten für Probleme, teilt Sprecher Lutz Mehlhorn mit. Aus Sicherheitsgründen wurde ab 16 Uhr der Betrieb auf der Strecke Chemnitz-Annaberg-Buchholz dann komplett eingestellt. (mit rickh)

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