Schnitzer zeigen ihre schönsten Arbeiten

Seit 110 Jahren gibt es in Ehrenfriedersdorf den Schnitz- und Krippenverein. Geehrt wird besonders ein Berufsstand.

EHRENFRIEDERSDORF.

Silke Franzl brachte es auf den Punkt: "Ich bin begeistert von der Ausstellung. Sie ist geschmackvoll und wunderbar dargestellt, wobei sich Tradition und Moderne abwechseln. Sie wirkt nicht überladen und zeugt von der Vielfalt der Arbeiten der Schnitzer und Klöpplerinnen", schätzte die Bürgermeisterin ein. Sie teilte dabei ihre Meinung mit den Gästen der Jubiläumsschau anlässlich des 110. Geburtstages des Ehrenfriedersdorfer Schnitz- und Krippenvereins. Das Prädikat "jubiläumswürdig" hat die Ausstellung, die am Sonnabend eröffnet worden ist, in jedem Fall verdient.

"Wir haben alles etwas nach Themen geordnet", so Vereinsvorsitzender Harald Weisbach. Geschuldet der jahrhundertealten Ehrenfriedersdorfer Bergbautradition gab es unter anderem schier unzählige Bergmänner in allen möglichen Facetten zu bewundern. "Es ist einfach fantastisch", sah Joachim Decker den Berufsstand geehrt. "Besonders gefallen mir die bergmännischen Szenen", so der Vorsitzende der Berggrabebrüderschaft der Stadt. Ulrich Sadowski hat sich dabei vor allem auf die "Drackschen" spezialisiert. Er zeigt unter anderem einen solchen Bergmann in altertümlicher Arbeitskleidung mit einem Buckelbergwerk und bei der Seilfahrt. "Dracksche" werden sonst eher selten gezeigt", begründete er seine Vorliebe für die Knappen.

Auch christliche Motive fehlen nicht. Jürgen Bock hat rund zehn Jahre an seiner großen Krippe geschnitzt. 2,80 Meter lang ist das Kunstwerk, das sonst über Eck steht. Der 77-Jährige schnitzt schon seit seiner Kindheit. "Bluß wu mer dann de Mäd im Kopp hatten, hob ich net viel geschnitzt", berichtete das langjährige Vereinsmitglied schmunzelnd. Ronny Meier zeigt mit seiner Holzgestaltung "Herbstlaub" eine moderne Arbeit. Aus Lindenholz und unter anderem hauchdünnen Schlagmetall schuf der 48-Jährige ein nicht alltägliches Kunstwerk. Waldmotive, Zirkusthemen mit Clowns, allerlei Getier aus afrikanischen Gefilden, Pyramiden, "Ecken", sprich kleine Weihnachtsberge, wie sie früher in einer Stubenecke Platz fanden, große Berge und eben immer wieder der Bezug zum Bergbau - an Abwechslung mangelt es in der Schau wahrlich nicht. Traditionspflege und Heimatkunde spüren die Besucher sozusagen auf Schritt und Tritt. Und auch die engagierten Damen des Ehrenfriedersdorfer Klöppelvereins tragen zur Attraktivität der Präsentation bei. "Unsere Arbeiten sind hier nur schmückendes Beiwerk", sagte Kerstin Sadowski. Die Vorsitzende des 16 Mitstreiterinnen zählenden Vereins untertrieb freilich ganz heftig. Vor allem die Wandgestaltung "Natur trifft Klöppeln" fand viel Aufmerksamkeit bei den Gästen. Bei der innovativen Gemeinschaftsarbeit fanden unter anderem Pflanzen und Wolle Verwendung. Und für die Schnitzfreunde ist es selbstverständlich und hat schon Tradition, dass die "Klöppelmäd" ihre edlen Werke mit präsentieren. Denn irgendwie sind doch beide Kunsthandwerke eng verwandt.

Die Schau im Ehrenfriedersdorfer Haus des Gastes, Max-Wenzel-Straße 1, hat bis 3. Februar jeweils montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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