Schnitzvereine lösen Versprechen ein

19 Termine an vier Tagen - volles Programm für den norddeutschen Schwibbogenbauer Wolfgang Lorentz. In Hohndorf gab es dabei ein Wiedersehen mit gleich zwei Vereinschefs - die nicht mit leeren Händen erschienen waren.

Hohndorf/Gersdorf.

So voll war der Terminplan von Wolfgang Lorentz bei seinen Besuchen im Erzgebirge noch nie - und noch dazu musste er den Trip allein bestreiten: Seine Frau Heike war daheim in Wedemark bei Hannover geblieben, weil ausgerechnet in diesen Tagen die Geburt von Enkelkind Nummer2 eingeleitet werden sollte.

Nichtsdestotrotz hat Wolfgang Lorentz in den vier Tagen alle geplanten 19 Treffen absolviert - die ohne Ausnahme mit dem Schwibbogenprojekt der beiden Norddeutschen zusammenhängen: Sie wollen alle Orts-Schwibbögen des Erzgebirges in kleiner Ausführung als Laubsägearbeit nachbauen und damit eine Wanderausstellung gestalten. Erstmals gezeigt wird die Schau, die im Laufe der Jahre erweitert werden soll, in Johanngeorgenstadt, am 1. Advent wird sie im Pferdegöpel eröffnet.


Klar also, dass Wolfgang Lorentz seinen nur viertägigen Aufenthalt auch nutzte, um dort noch einmal Absprachen zur Ausstellung zu treffen. Exakt 50 der bis dahin fertiggestellten Bögen - aktuell sind es 57 - sollen gezeigt werden. Wie Johanngeorgenstadts Bürgermeister Holger Hascheck ihm gesagt habe, gebe es auch ein großes Interesse von tschechischer Seite an der Ausstellung, insbesondere auch von Schulen. Darum werde die Beschilderung auch zweisprachig erfolgen.

Fast drei Stunden war Lorentz im Olbernhauer Museum, wo die Wanderausstellung nach Johanngeorgenstadt Station macht. "Das muss genau durchorganisiert werden", sagt Lorentz. Am 28. Februar, einem Sonntag, endet die Schau, am Freitag darauf ist die Vernissage in Olbernhau angesetzt. "Das wird in Olbernhau eine komplett andere Art der Präsentation. Da freue ich mich schon drauf, das wird auch für uns interessant." Auch Ausstellungsort Nummer 3 ist bereits bekannt: Dippoldiswalde.

Eine Stippvisite führte den Norddeutschen auch nach Hohndorf ins Schnitzerheim, wo gleich zwei Schnitzvereinschefs auf ihn warteten: der Hohndorfer Bernd Steinert und der Gersdorfer Christian Schwalbe. Beide Vereine hatten beim Nachbau ihrer Bögen Hilfe zugesagt. Bernd Steinert hat den Hohndorfer Bogen - dessen Besonderheit ist eine sich drehende Pyramide - als Ein-Mann-Projekt verwirklicht und erklärte es nun den beiden anderen. Der Clou: Weil in den Querbalken kein Motor passt - so funktioniert der Antrieb beim Original - wird Steinerts Pyramide von einem Mini-Gebläse zum Drehen gebracht. Damit man die Größe des Originals abschätzen kann, laufen unterm Bogen Leute durch - maßstabsgerecht, versteht sich. Als die Schnitzer 1974/75 das Original schufen, war Steinert im Übrigen dabei - als Mitglied der Jugendgruppe.

Der Nachbau der Gersdorfer ist ein Gemeinschaftswerk von sechs Schnitzern. Ganz fertig ist er noch nicht - im Gegensatz zum Original soll er nämlich noch farbig werden, erklärte Schwalbe. Der Grund: Das Original ist aus Kiefer, die wäre wegen ihrer groben Maserung aber für die Miniaturausgabe nicht infrage gekommen. Also wurde Lindenholz verwendet, das aber wiederum recht farblos wirkt. Und noch etwas ist anders: Am Original steht rechts 1969, denn in dem Jahr wurde der Bogen anlässlich "800 Jahre Gersdorf" aufgestellt. Den kleinen Boden ziert die Zahl 2019, das Jahr des 850-jähriges Bestehens. Zum Jubiläum im Juni werden Heike und Wolfgang Lorentz den fertigen Bogen in Augenschein nehmen können.

Als Lorentz diesmal nach Hause fuhr, hatte er im Übrigen einen Bogen aus Metall im Gepäck - den von Antonshöhe. Gefertigt hat die Miniaturausgabe wie das Original das Unternehmen Kunstguss Döhler. "Christian Döhler hat ihn extra für unsere Ausstellung gebaut", sagt Lorentz, der froh darüber ist, dass ihn so viele unterstützen, wenn die Originalortsbögen nicht mit der Laubsäge nachzubilden sind.

Und was ist mit Enkel Nummer 2? Kaum daheim, galt der erste Besuch dem neuen Erdenbürger. "Ein gesunder Junge", sagte der frischgebackene Großvater am Telefon.

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