Schönheider Wehr verwehrt ihren Beitritt

Nachdem Aue und nun auch Bockau dem Dachverband der Blauröcke im Erzgebirgskreis angehören, fehlt nur noch ein Ort. Und das wird vorerst so bleiben.

Bockau/Schönheide.

8,50 Euro pro Jahr und Kamerad kostet die Mitgliedschaft im Kreisfeuerwehrverband Erzgebirge laut Martin Wollny. Das könne man sich leisten, sagt der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Bockau. "Wir bekommen ja auch etwas dafür." Sein Amtskollege René Schwotzer aus Schönheide sieht das ein bisschen anders. "Wir verzichten", erklärt er. Damit sind die Schönheider nunmehr die einzigen Blauröcke, die dem Kreisverband die kalte Schulter zeigen.

"Da bleiben wir das gallische Dorf im Erzgebirge, wenn man so will", sagt Schwotzer und schmunzelt. Ganz im Ernst fügt er hinzu: "Das ist schlichtweg eine Mannschaftsentscheidung der ganzen Truppe, die im Moment einfach keine Notwendigkeit sieht, dem Kreisverband beizutreten." Das habe mehrere Ursachen. So sei bei der Gründung dieser "Feuerwehr-Innung" des Erzgebirges noch unklar gewesen, was sie leisten soll und kann. "Das ist 25 Jahre her. Und damals wollten wir abwarten", berichtet Schwotzer. Bis jetzt ergab sich einfach kein Anlass, Mitglied zu werden. "Ehrungen, etwa für verdiente Mitglieder höheren Alters, gehören bei uns ohnehin dazu." Zudem bedeute der Mitgliedsbeitrag eine doppelte finanzielle Belastung. Letztlich sei es auch eine Zeitfrage. "Im Verband kommen Sitzungen und Tagungen auf uns zu, zu denen wir Vertreter unserer Wehr entsenden müssten", so Schwotzer. Das alles halte die Schönheider vorerst weiter davon ab, dem Kreisverband beizutreten - trotz mehrfacher Anfrage auch von Landkreisseite. Die 55 Aktiven der Ortswehr seien straff eingespannt.


"Wir rücken auch in benachbarten Einsatzgebieten mit aus", erklärt Schwotzer. So lange die Mannschaft zum Nein stehe, wollen die Schönheider also auch Einzelgänger bleiben.

Die Bockauer indes sind nun Mitglied im Kreisfeuerwehrverband - wie insgesamt rund 60 Wehren, so Wollny. 323 Euro pro Jahr lässt sich die Gemeinde das kosten. "Ich denke, das ist zu verschmerzen", sagt Wollny mit Blick auf die zahlreichen Angebote. So offeriere der Kreisverband Lehrgänge zu unterschiedlichen Themen, Jugendförderung, Feuerwehrwettkampfsport, Ehrungen und einen Familientag. Es gibt einen Musikzug und historische Technik, die den Wehren bei Schauübungen zur Verfügung steht. Hinzu kommen Spendenaufrufe und eine laut Wollny wichtige Öffentlichkeitsarbeit, um auf den Dienst der Feuerwehr aufmerksam zu machen sowie neue und vielerorts dringend gesuchte Mitglieder zu gewinnen. "Hinzu kommt eine gewisse Lobbyarbeit, die allen nur gut tun kann."

Bis Ende 2018 waren es mit Bockau, Schönheide und Aue drei "Widerspenstige", die dem Kreisfeuerwehrverband fehlten. Aue stieß durch die Fusion mit Bad Schlema automatisch dazu. Im Laborantendorf wiederum entschied man sich nach Diskussion im Feuerwehrausschuss zum Beitritt. "Es war bis jetzt kein Thema, in Vergessenheit geraten, seit wir vor 25 Jahren erst einmal abwarten wollten, wie sich der Kreisverband entwickelt", so Wollny. Nun haben sich alle in Bockau für den Schritt ausgesprochen.

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