Schweigemarsch von Abtreibungsgegnern trotz Protesten weitgehend störungsfrei

Mehrere Hundert Abtreibungsgegner haben sich am Samstag am zehnten Schweigemarsch für das Leben in Annaberg-Buchholz beteiligt. Die Polizei zählte etwa 500 Teilnehmer, der Veranstalter - der Verein Lebensrecht Sachsen - mehr als 700. Leise war es aber nur streckenweise. Bereits nach einigen hundert Metern zog der Zug an etwa 400 Gegendemonstranten vorbei. Das Bündnis Pro Choice Sachsen hatte zum Protest aufgerufen. Es erklangen Rufe wie "Fundamentalismus raus aus den Köpfen" und Pfiffe. Die Polizei war mit 240 Kräften im Einsatz und trennte den Schweigemarsch von den Gegendemonstranten.

Zwar hätten in deren Reihen etwa 20 Teilnehmer versucht, aus dem Zug auszubrechen und offenbar in Richtung der Strecke des Schweigemarschs zu gelangen, so Jana Ulbricht von der Polizeidirektion Chemnitz. Aber ansonsten sei das Geschehen friedlich geblieben, "Straftaten waren nicht zu verzeichnen". Nach dem Abbrennen eines Nebelkörpers wurde aber gegen eine 24-jährige Teilnehmerin in den Reihen der Gegendemonstranten eine Ordnungswidrigkeit wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz angezeigt.


Der Schweigemarsch führte vom Parkplatz gegenüber dem Erzgebirgsklinikum aus unter anderem über die B 95 und die Lindenstraße zum Unteren Kirchplatz. Die Gegendemonstranten wurden auf anderer Strecke zur Großen Kirchgasse geführt, diese lag aber teilweise in Hör- und Sichtweite. Während der Abschlusskundgebung der Abtreibungsgegner trennten nur wenige Meter die beiden Lager. Diese kritisieren auf gegensätzliche Weise die Abtreibungspraxis in Deutschland, die in den Paragrafen 218 und 219 im Strafgesetzbuch geregelt ist. Während die Initiatoren des Schweigemarsches ein generelles Verbot von Abtreibungen fordern, setzt sich Pro Choice Sachsen für eine Legalisierung von Abtreibungen und die Abschaffung des Paragrafen 218 ein. Dieser regelt, das Schwangerschaftsabbrüche generell strafbar sind. Nur unter bestimmten Voraussetzungen sind sie straffrei.

Bei der Abschlusskundgebung zum Schweigemarsch sprach unter anderem dessen Gründer Joachim Hadlich, der heute dem Fachausschuss Familie der AfD-Landesprogramm-Kommission angehört, wie in einem Interview auf der Internetseite des Vereins Lebensrecht Sachsen erklärt wurde. Zu den Rednern gehörten auch dessen neue Vorsitzende, Susanne Georgi sowie der Pfarrer im Ruhestand Theo Lehmann. Er sagte unter anderem: "Massenmord an Kindern ist eine Errungenschaft der Neuzeit." Ebenso: "Was heißt hier: ,Mein Bauch gehört mir?‘ Wo steht das geschrieben?..." Währenddessen erklangen aus dem Zug der Gegendemonstranten Rufe wie "Halt die Fresse". Auf einem Plakat in der ersten Reihe war zu lesen: "Eine soziale Gesellschaft braucht keine religiöse Intoleranz." Auf den Transparenten der Teilnehmer des Schweigemarschs stand beispielsweise: "Töten ist keine ärztliche Kunst". Hadlich hatte zu diesem Thema gesagt: "Tötungsgehilfen stehen flächendeckend in ganz Deutschland jederzeit zur Verfügung." Auch er wurde von Protestrufen der Gegendemonstranten begleitet. Auf dem Marktplatz veranstalteten diese auch ein feministisches Straßenfest. (aho)

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