Schwerer Start in neuen Strukturen

Seit dem 1. Januar arbeiten die 50 Kirchgemeinden im Kirchenbezirk Annaberg in acht Regionalverbünden zusammen. Doch es fehlen so viele Pfarrer wie lange nicht.

Annaberg-Buchholz.

Sie ist keine Erfindungen der Neuzeit: die Strukturreform innerhalb der sächsischen Landeskirche. Doch die aktuelle Umstrukturierung bringt wohl die größten Veränderungen mit sich - auch im Kirchenbezirk Annaberg. Zu ihm gehören die 50 Kirchgemeinden in den beiden Altkreisen Annaberg und Stollberg. Sie arbeiten künftig in acht Regionalverbünden zusammen. Offiziell ist die Strukturreform seit dem 1. Januar dieses Jahres in Kraft. Doch bis alles neu zusammengewachsen ist, wird es Zeit brauchen.

"Zeit, die wir uns aber auch bewusst genommen haben und weiter nehmen", sagt Superintendent Olaf Richter. Und er sieht den Kirchenbezirk damit insgesamt auf einem guten Weg. Er spricht von einem "selbst organisierten Prozess", bei dem allen Beteiligten viel Mitspracherecht eingeräumt worden sei. So hätten sich die Gemeinden selbst in ihren jeweiligen Regionen gefunden und die Form ihrer künftigen Zusammenarbeit gewählt. Im überwiegenden Teil der neuen Regionalverbünde sei dabei die Entscheidung für ein Schwesternkirchverhältnis gefallen. Das bedeute, dass die Kirchgemeinden weitgehend ihre Selbstständigkeit behalten - einschließlich Haushalt und Kirchenvorstand. Ihr hauptamtliches Personal aber - zu dem Pfarrer, Kantoren und Gemeindepädagogen zählen - ist nur noch einer Kirchgemeinde unterstellt.

Einzige Ausnahme bildet die Region mit den Kirchgemeinden Neukirchen, Jahnsdorf, Adorf, Chemnitz-Klaffenbach, Meinersdorf, Burkhardtsdorf, Eibenberg-Kemtau, Gornsdorf und Auerbach. Dort wird laut Superintendent als Form der Zusammenarbeit ein Kirchspiel favorisiert. Das bedeute, es gibt zukünftig einen großen Kirchenvorstand und einzelne Ortsverbände. Dort werden die neuen Strukturen offiziell auch erst ab dem 1. Januar des kommenden Jahres gültig.

Erschwert werde der Start in den neuen Strukturen aktuell durch eine angespannte Vakanzsituation. "Wir haben aktuell so viele nicht besetzte Pfarrstellen wie noch nie in meiner bisherigen Amtszeit", konstatiert Olaf Richter. Er hat das Amt des Superintendenten im heimischen Kirchenbezirk im Juni 2011 übernommen. Insgesamt acht Pfarrstellen seien derzeit vakant - drei im Raum Stollberg, fünf in der Region Annaberg. Erst zum Jahresende ist Crottendorf neu dazu gekommen, nachdem sich Pfarrer Friedrich Preißler nach 25 Jahren Dienst in der Gemeinde in den Ruhestand verabschiedet hat. Zudem haben im vorigen Jahr bereits Christian Wedow, einer der Stollberger Pfarrer, und der Neudorfer Pfarrer Nico Piehler das Erzgebirge in Richtung Leipzig verlassen. Pfarrer Rico Drechsler aus Thum hat eine neue Stelle in Plauen angenommen.

Und die nächste Lücke zeichnet sich bereits ab, weiß der Superintendent. Denn Pfarrerin Arne Mehnert wird zum 1. März in die Kirchgemeinde Zwickau-Eckersbach wechseln, dort unter anderem auch die Gefängnisseelsorge mit übernehmen. Ihre Pfarrstelle in Jöhstadt und Grumbach wird frei. Allerdings gibt es gleichzeitig einen Lichtblick für die benachbarten Kirchgemeinden Steinbach und Arnsfeld. Die seit Jahren schon leere Pfarrstelle wird ab dem 1. März wieder besetzt. "Die Stelle übernimmt Ephraim Rüger. Er ist Absolvent der Universität in Leipzig", kündigt Olaf Richter an.

Sorgen bereitet dem Superintendenten auch nach wie vor die Krankenhausseelsorge in den beiden Kliniken in Stollberg und Annaberg-Buchholz - zwei Stellen mit jeweils 25 Prozent. Im Erzgebirgsklinikum wird diese Arbeit vorerst Pfarrer Wilfried Warnat aus Kleinrückerswalde übernehmen. Dafür wird seine Arbeit in der Kirchgemeinde von Annaberg-Buchholz reduziert. Zumal seine bisherige halbe Stelle in der Kirchgemeinde im Zuge der Strukturreform - gestrichen wurde.

Noch nicht besetzt ist auch die neue Sonderpfarrstelle "Grenzerfahrung" in Oberwiesenthal - eine von insgesamt fünf neu geschaffenen Stellen für "missionarische Sonderaufgaben". Der Name bezieht sich dabei nicht nur auf die territoriale Grenze zu Tschechien, die verstärkt überschritten werden soll. Auch Sport und Tourismus sollen verstärkt eine Rolle spielen. Leider konnte auf die erste Ausschreibung hin noch niemand für die Stelle gefunden werden, bedauert Olaf Richter. Deshalb wird es eine zweite Ausschreibungsrunde geben.

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