Sehmataler können nicht nur Suppe gut

Andreas Schmiedel hat in sieben Jahren als Bürgermeister mit ganz eigenen Rezepten viele Projekte auf den Weg gebracht

Sehmatal.

Im Rathaus des Ortes hat Sebastian Nestler als neuer Bürgermeister den Chefsessel übernommen. Unterdessen genießt sein Vorgänger Andreas Schmiedel die ersten Tage seiner neu gewonnenen Freizeit. Für ihn ist nach sieben Jahren eine intensive Zeit als Gemeindeoberhaupt zu Ende gegangen. Antje Flath hat mit ihm über Meilensteine, noch ungelöste Probleme und Entwicklungspotenzial gesprochen.

"Freie Presse": Sieben Jahre als Bürgermeister im Sehmatal - eine vergleichsweise kurze, aber sehr intensive Zeit. Was sehen Sie rückblickend als die wichtigsten Meilensteine, die Sie in der Gemeinde setzen konnten?

Andreas Schmiedel: Ja, es war eine sehr intensive Zeit. Unmittelbar nach meiner Wahl wurde die neue Leader-Strategie für den Ländlichen Raum in Sachsen bis 2020 auch im Annaberger Land aufgestellt. Es ist gelungen, aus diesem Programm und dem zusätzlich aufgelegten Landesförderprogramm für Vitale Dorfkerne im ländlichen Raum für 38 Maßnahmen mit einem Investvolumen von rund 9 Millionen Euro einen Zuschuss von annähernd 5,8 Millionen Euro für unsere Gemeinde zu erhalten. Allein für kommunale Maßnahmen bedeutet das einen Zuschuss von rund 5,3 Millionen Euro. Die wichtigsten nichtinvestiven Maßnahmen waren die Erarbeitung des Gemeindeentwicklungskonzeptes und des Touristischen Entwicklungskonzeptes. Die wichtigsten investiven Großprojekte der Gemeinde waren die umfassende Sanierung der Grundschule in Neudorf, die Neugestaltung des Süß-Dr.-Teiches mit dem angrenzenden Joachimstaler Steig als Geh-und Radweg in Sehma, der Neubau des Feuerwehrgerätehauses einschließlich Löschwasserzisterne und Dorfplatz in Kretscham-Rothensehma und der Neubau des Wanderparkplatzes an der Kirche mit Fußweganschluss ins Ortszentrum. Ein wichtiges aktuelles Großprojekt ist die Sanierung des Mehrzweckgebäudes der Oberschule in Sehma. Der dabei entstehende Aufenthaltsraum wird zukünftig auch wieder für Vereine des Ortes nutzbar sein. Sehr gefreut habe ich mich über die Errichtung des neuen evangelischen Seniorenpflegeheimes der Diakonie und der Tages- und Kurzzeitpflege von Anja Illing in Cranzahl. Dadurch können neben unseren Kindern auch unserer älteren Menschen in der Gemeinde versorgt und gepflegt werden.

Ein Problem, das bisher noch nicht gelöst werden konnte: der Abriss der Brache des ehemaligen Akku-Werkes und die Neugestaltung des Areals. Wie ist dort die aktuelle Situation?

Die Verwaltung ist gerade dabei, eine Konzeption für die Neugestaltung des Areals als Schulsportanlage zu erarbeiten. Die Herausforderungen für die Beseitigung der Industriebrache in Sehma werden die Klärung der Eigentumsfrage und die Beschaffung von ausreichend staatlichen Fördermitteln sein. Ich glaube, dass beides gelingen kann.

Was geben Sie ihrem Nachfolger Sebastian Nestler ansonsten noch als "Hausaufgaben" mit auf den Weg?

Fördermittelbescheide des Landratsamtes liegen für mehrere Maßnahmen vor, die in den kommenden Jahren umgesetzt werden können - zum Beispiel für die Sanierung der Turnhalle in Neudorf. Wir haben die vergangenen Wochen genutzt, um eine gute Übergabe der Amtsaufgaben vornehmen zu können.

Wie bewerten Sie die Entwicklung des Ortes in den zurückliegenden Jahren?

Ich glaube, die Gemeinde hat sich sehr gut entwickelt. Allem voran steht die gute Entwicklung unserer Gewerbebetriebe, sodass mehr als 2000 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen und durch die Gewerbesteuereinnahmen die öffentliche Infrastruktur erhalten und verbessert werden kann. Die touristische Entwicklung hat an Bedeutung gewonnen, was auch durch die staatliche Anerkennung als Erholungsort 2018 unterstrichen wurde. Moderne Schulen sind eine Grundvoraussetzung dafür, dass unsere jungen Familien in der Gemeinde und in der Region bleiben beziehungsweise wieder zurückkommen. Unsere Kindergärten werden durch die freien Träger sehr gut geführt und werden von unseren Familien und auch Familien aus den umliegenden Gemeinden gut angenommen. Die guten Tendenzen sollten Ansporn für uns alle sein, sich weiterhin für unsere Gemeinde aktiv einzubringen.

Viele Monate bestimmt nun schon Corona das öffentliche Leben: Wie sehr hat die Pandemie Ihre Arbeit beeinflusst? Wie sehr das Leben in der Gemeinde?

Das gesellschaftliche Leben ist durch die Corona-Pandemie sehr stark eingeschränkt. Beunruhigende Signale kommen von den Vereinen bezüglich des starken Rückgangs der Nachwuchsarbeit. Wir alle sollten uns durch diese Krise aber nicht den Lebensmut nehmen lassen. Ich denke, dass vor allem der Zusammenhalt zwischen den Menschen wieder stärker werden wird.

Werden Sie sich nun ganz aus der Kommunalpolitik zurückziehen? Oder warten schon neue Herausforderungen?

Anfragen für ehrenamtliche Tätigkeit in der Gemeinde oder in der Region stehe ich offen gegenüber. Das Kreistagsmandat der Freien Wähler Erzgebirge werde ich weiterhin fortführen.

Und wie sieht es im Privatleben aus? Da ist ja sicherlich in den sieben Jahren auch so manches Vorhaben auf der Strecke geblieben?

Das Privatleben musste in den sieben Jahren oft hinten anstehen und ich danke meiner Frau für ihr Verständnis. Ich bin froh, die kommenden Jahre wieder mehr für meine Familie und mich selbst nutzen zu können. Mit Sicherheit wird für lange Weile keine Zeit bleiben. af

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