Seiffener will alte Kurbad-Quelle wiederentdeckt haben

Michael Weidensdorfer ist nahe dem Waldgasthof auf unterirdische Anlagen gestoßen. Er ist sicher: Es handelt sich um historische Brunnen. Winkt dem Ort nun ein längst verloren geglaubter Titel?

Seiffen.

Da steht er nun, Michael Weidensdorfer, mit Schaufel in der Hand, die Gummistiefel knöcheltief im Wasser versunken, und ist überzeugt: Das ist der alte Sauerbrunnen, eine der Quellen, die Seiffen einst zum höchst gelegenen Kur- und Mineralbad Sachsens machten. Den Eingang hat er bei Grabungen entdeckt, nur wenige Meter entfernt vom Waldgasthof in Bad Einsiedel.

Weidensdorfer hat den Waldgasthof und das dazugehörige Grundstück 2014 erworben und sich danach intensiv mit dessen Geschichte befasst. Er träumt schon lange davon, dass Besucher hier irgendwann wieder die heilenden Quellen genießen können, für die der Ort früher bekannt war.


Bevor sich der Bagger in die Erde fraß, hatte Weidensdorfer Texte von Ortschronisten studiert und sich durch Archive gewühlt. Alte Karten deuten seines Erachtens darauf hin, dass er den Sauerbrunnen gefunden hat. Die Hinweise auf diese Stelle hätten sich erst vor einigen Wochen verdichtet. Im Staatsarchiv in Dresden stieß er auf eine Niederschrift von August Kießling aus dem Jahr 1881. Dort sei die Stelle recht genau beschrieben worden. Nachdem der Bagger die Erde beseitigt hatte, blickte Weidensdorfer in ein Natursteingewölbe. Ein hölzernes Rohr, das von hier aus offenbar in ein Badehaus führte, ist ebenfalls noch vorhanden. Darüber hinaus hat Weidensdorfer eine zweite Anlage freigelegt, die er als den Gesundbrunnen identifiziert hat.

Winkt der Gemeinde Seiffen also wieder der Kurort-Titel? Derzeit gilt die Kommune als "Erholungsort". Dieses Prädikat erhalten Städte und Gemeinden unter anderem dafür, dass sie eine auf Tourismus ausgelegte Infrastruktur aufweisen. "Kurorte" müssen jedoch über medizinische Einrichtungen verfügen, wie es sie früher auch in Seiffen gab. Heute, so Bürgermeister Martin Wittig, trägt die Gemeinde den Titel "Kurort" nur postalisch, als Teil des Eigennamens. Über die Auszeichnung entscheidet das Sächsische Staatsministerium für Arbeit, Wirtschaft und Verkehr.

Aber soweit gehen die Überlegungen noch nicht. Und ob es sich tatsächlich um Quellwasser handelt, ist nicht offiziell bestätigt. Weidensdorfer will es demnächst in einem Labor analysieren lassen. Zudem sucht er einen dritten Brunnen auf dem Gelände. Weitere Pläne hat er vorerst nicht. "Ob sich im Wasser aus den wiedergefundenen Quellen in Bad Einsiedel bald wieder Badegäste erholen werden, muss uns die Zukunft zeigen. Soweit plane ich selber nicht."

Bereits im 16. Jahrhundert wurde das Quellwasser genutzt. Im Laufe des 17. Jahrhunderts verlor das Bad seine Bedeutung und geriet zunehmend in Vergessenheit. Erst 1732 wurden die Quellen vom Steinschneider Johann Christian Dietze wiederentdeckt, als er nach Amethyst suchte. Wolf Rudolf von Schönberg ließ das Gebiet als Grundeigner roden, die Quellen ausmauern und ein Badehaus bauen. 1753 entstand das Haupthaus, und bis 1781 wurden die beiden Querhäuser gebaut, so wie sie heute noch stehen, sagt Weidensdorfer. (mit pc)


Geschichte des Kurbads

Die erste Erwähnung der Seiffener Quellen findet sich in einer Niederschrift des Alchemisten Leonhardt Thurneißer zu Thurn. Sie stammt aus der Zeit um 1550.

Die erste Untersuchung des Quellwassers fand 1734 statt. Dabei wurde ihm heilende Wirkung zugeschrieben.

1899 wich das alte Badehaus einem Neubau. Nach 1945 beherbergte es zuerst Kriegsflüchtlinge. In den 1950er-Jahren diente es als FDGB- Erholungsheim, nach der Wende als Asylbewerberheim. 1998/1999 wurde es zum Waldgasthof umgebaut und hatte danach mehrere Besitzer. (jag)

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