Sie will sich um die kleinsten Tannenberger kümmern

Marie Riegel hat zwei große Ziele: Sie möchte selbstständig arbeiten und in ihrer erzgebirgischen Heimat bleiben. Als Tagesmutter könnte sich beides erfüllen.

Tannenberg.

Einen neuen Anstrich braucht der Raum und auch der Fußboden hat schon bessere Tage gesehen. Ansonsten ist alles da, was eine Tagesmutter für ihre Arbeit braucht: Möbel, eine kleine Küche, Sanitäranlagen und natürlich Unmengen von kleinkindgerechtem Spielzeug. Wenn es nach Marie Riegel und etlichen Tannenberger Eltern geht, könnte schon morgen eine neue Tagesmutter im Ort ihre Arbeit aufnehmen und kleine Mädchen und Jungen betreuen. "Das hoffe ich, die Eltern warten auch schon", sagt die 30-Jährige. 13 Anfragen hat sie schon auf dem Tisch liegen, sobald sie ihr Geschäft öffnet, ist sie mindestens für das nächste Jahr ausgebucht.

Doch vorher muss die Erzgebirgerin noch einige Hürden meisten. Da wäre unter anderem die berufliche Qualifikation. Die ist aber nur noch eine Frage der Zeit. Ihre schriftliche Prüfung am Annaberger Institut für Berufs- und Weiterbildung hat Marie Riedel schon gemeistert, im Mai steht noch die praktische Prüfung an.

"Fertig werde ich am 24. Juni", verspricht die künftige Erzieherin. Zweifel hat sie keine, musste sie doch einen weiten Weg zurücklegen und hart arbeiten, um ans Ziel zu kommen. Nach der Mittelschule drückte sie weiter die Schulbank, machte ein Fachabitur und absolvierte eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau. Es folgten einige Jahre in der Arbeit. "Es war nicht die Vollkommenheit für mich", erklärt sie. Als die Erkenntnis kam, versuchte sie es kurzzeitig mit einem Studium der Betriebswirtschaftslehre, bis die Reise endgültig im Berufsschulzentrum endete. "Da ich immer schon gerne mit Kindern gearbeitet habe, konnte ich mir gut vorstellen, Erzieherin zu lernen. Und ich weiß, dass es das Richtige ist", sagt die junge Frau. Deshalb kam es ihr auch sehr zupass, dass eine Tagesmutter in Tannenberg ihr Geschäft aufgab und so eine Lücke im Ort entstand. Den sprichwörtlichen Stein ins Rollen brachte dann Tannenbergs Bürgermeister Christoph Neubert. "Er kam eines Tages auf mich zu und fragte, ob ich mir denn vorstellen könnte, das zu machen", erzählt die Tagesmutter in spe.

Sie überlegte sich den Schritt in die Selbstständigkeit gründlich und entschied sich dann dafür. "Es ist gleich vor der Haustür, ich brauche also nicht zur Arbeit zu fahren", sagt Riegel. Sie traf ihre Entscheidung, zwei Tage nach Erhalt des Auftrags.

Schnell kam Schwung in die Geschichte, Marie Riegel informierte sich und rechnete alles noch einmal gut durch. Dabei kam ihr auch das begonnene BWL-Studium zugute, denn hier konnte sie das gelernte umsetzen.

Die angehende Erzieherin informierte sich über Existenzgründungen und Selbstständigkeit, stellte die ersten Fördermittelanträge. Doch damit nicht genug. Zahlreiche Behördengänge gilt es zu absolvieren, das Jugendamt muss sich von Marie Riegels Tauglichkeit überzeugen, die Prüfungsvorbereitungen dürfen nicht vernachlässigt werden und nebenbei arbeitet die Auszubildende noch für ihren Lebensunterhalt. Doch ein Ende ist in Sicht, in elf Wochen soll eröffnet werden.

Bürgermeister Christoph Neubert freut sich über Marie Riegels Vorankommen. Seiner Meinung nach passt die Erzieherin perfekt zur Tagesmutter-Stelle im Ort. "Ich habe sie als sehr seriöse Person kennengelernt und traue ihr das auf jeden Fall zu", sagt er und hofft eine baldige Eröffnung, denn der Bedarf sei in Tannenberg groß.

Da es in der Gemeinde keine eigene Kindergrippe gibt und jede Tagesmutter nur fünf Kleinkinder in ihre Obhut nehmen darf, bietet Tannenberg sogar noch Platz für eine zweite Tagesmutter.

"Freie Presse" wird Marie Riegel in den kommenden Monaten auf ihrem beruflichen Weg begleiten.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...