"So klingt's bei uns im Arzgebirg": Blick hinter die Kulissen

Länger als in den vergangenen Jahren wird diesmal an Heiligabend die MDR-Sendung "So klingt's bei uns im Arzgebirg" gehen. "Freie Presse" hat beim Dreh in Mildenau hinter die Kulissen geschaut.

Mildenau.

Auf dem Lebenswerkstatthof in Mildenau von Annett Illig und Hendrik Frey herrscht schon seit dem Buß- und Bettag Advents- und Weihnachtsstimmung. Üppig geschmückt sind die Fenster. Schwibbogen sowie Engel und Bergmann, Pyramiden - nichts fehlt. Ein herrlicher Christbaum steht in der Ecke. Der Raum erstrahlt im Kerzenschein. Doch gemütlich ist es nur vor der Kamera - zumindest soll es genauso wirken. Hinter der Kamera gibt es immer etwas zu tun. Da wird Make-up aufgetragen, das Gesicht gepudert, werden Scheinwerfer umgebaut und wird in Drehbüchern geblättert. Die frühe Advents- und Weihnachtsstimmung wird einzig und allein für die bekannte Heiligabendsendung "So klingt's bei uns im Arzgebirg" hergestellt. Ganz romantisch sollen die Zuschauer ins Weihnachtsland Erzgebirge entführt werden.

Das Gesicht der Sendung ist seit 1992 Moderatorin und Mundartsprecherin Marianne Martin. Seit 27 Jahren hat sie damit ihre eigene Sendung. Um ein solches Format habe sie damals gekämpft, denn sie wollte das Erzgebirge ins Bewusstsein der Fernsehzuschauer bringen, den Tourismus ankurbeln und neugierig auf die hierzulande so ausgeprägten Traditionen machen. Auch wenn die Sendung, die einst durch die Jahreszeiten im Erzgebirge führte, längst auf eine Aufzeichnung im Jahr zusammengeschmolzen ist, hat sie von ihrer Zugkraft nichts verloren. "Wir liegen immer so bei 18 Prozent Marktanteil", sagt Redakteurin Claudia Preuß: "Die Sendung funktioniert genau an diesem Tag und auf diesem Sendeplatz." Selbst jüngere Leute würde man mit diesem Programm an Heiligabend an den Bildschirm locken. Vielleicht auch aus diesem Grund beginnt die Sendung im MDR-Fernsehen am Heiligabend schon 16.30 Uhr und bekommt 20 zusätzliche Minuten geschenkt, sodass sie statt einer Stunde nun 80 Minuten geht. Gedreht wurde nicht nur in Mildenau, sondern auch in der Kirche Mittelsaida und im Pferdegöpel "Markus Röhling". Gesprächsgäste sind unter anderem Drechslermeister Björn Köhler, der seine Weihnachtsmann-Band mit den dunklen Sonnenbrillen vorstellt. Jürgen Huss, Räucherkerzenmacher aus Neudorf, hat sein Karzl mit dabei und Ray Lätzsch informiert zum Unesco-Welterbe-Titel.

Doch zurück zu Marianne Martin - zur Botschafterin des Erzgebirges. Die heute 84-Jährige begeht in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen. Einerseits steht sie seit nunmehr 70 Jahren auf der Bühne, andererseits seit 35 Jahren vor Fernsehkameras. Angesichts dieser geballten Erfahrung wundert es schon, dass sie nach wie vor Lampenfieber hat. Dieses sei vor Bühnenauftritten genauso vorhanden wie an Drehtagen. "Vergleichen kann ich es nicht", sagt sie im feinen Hochdeutsch. Dabei steht Marianne Martin wie kaum eine andere als Repräsentantin der erzgebirgischen Mundart. "Ich habe eine Art entwickelt, Mundart zu sprechen, die jeder versteht", sagt die Thalheimerin.

Von Kathrin Heim erhalte sie zwei oder drei Wochen vor Drehbeginn das Drehbuch mit den hochdeutschen Moderationstexten. "Diese übersetze ich dann in Mundart", so Martin. Anschließend müsse sie diese noch in ihren Kopf bekommen. Zwar nicht wortwörtlich, aber doch sehr nah am Original müsse sie das Ganze auswendig lernen. "Ein bissel Schauspielerei gehört auch mit dazu", sagt die Moderatorin.

Seit ein paar Jahren hat sie mit Annett Illig eine Co-Moderatorin an ihrer Seite. Nicht nur damit wird das bekannte Format deutlich verjüngt. "Wir versuchen, vorsichtig neue Elemente einzufügen", sagt Redakteurin Preuß. Kathrin Heim jedenfalls stecke viel Zeit in die Recherche für die Sendung. Sie vereine professionelle Distanz mit der Liebe zur Region.

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