So steht es um die St.-Annen-Kirche

Die Thumer Christen treffen sich derzeit im Gemeindehaus, der Friedhofskirche oder in der Jahnsbacher Kirche. Der Grund: Die Innensanierung ihres Gotteshauses ist in vollem Gange. Überraschungen und Wendungen inklusive.

Thum.

In der Thumer St.-Annen-Kirche herrscht derzeit ganz große Betriebsamkeit. Fast in jeder Ecke wird gewerkelt. Gerüste sind bis an die Decke gestellt, der Altar ist eingehaust, die Leuchter sind abgenommen, Kirchenbänke abgedeckt, der Taufstein wurde entfernt. Hiesige Baufirmen haben die Regie in dem evangelisch-lutherischen Gotteshaus übernommen. Derweil sind die Thumer Gemeindemitglieder jetzt öfters in der Jahnsbacher Kreuzkirche, wo die meisten Gottesdienste gefeiert werden. Außerdem finden Veranstaltungen im Gemeindehaus oder in der Friedhofskirche statt.

Bereits im April haben die Arbeiten zur Innensanierung nach dem Festgottesdienst zur Jubelkonfirmation begonnen. "Das lange geplante Bauvorhaben wird nun umgesetzt und soll voraussichtlich bis nächstes Jahr im Sommer schrittweise andauern", berichtet Thums Pfarrer Rico Drechsler, der nun auch zum "Bauherrn" geworden ist. Dabei kann er auf ein großes ehrenamtliches Helferteam und den Kirchenvorstand bauen, die sich in der Organisation mit einbringen.

Und wie es meistens so ist, gibt es Überraschungen und Änderungen in so einem umfangreichen Bauprojekt der Innensanierung mit einer Investition von zirka 380.000 Euro.

So haben sich bei der Entfernung der Bodenplatten und des Untergrundes im Altarraum vier alte Grabstellen aus dem 18. Jahrhundert gezeigt. Und auch ein Gewölbe kam zum Vorschein. "Die Grabstellen waren so nicht vermerkt und wurden höchstwahrscheinlich auch bei der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirche beim Wiederaufbau nicht bemerkt", erzählt Pfarrer Drechsler. "Es wird vermutet, dass es sich bei den Grabstellen um die der Thumer Rittergutsfamilie von Schütz handelt", so Drechsler weiter. Darauf deute auch ein Epitaph am Seiteneingang der Kirche hin.

Eine Änderung zur bisherigen Konzeption gibt es beim Thema Kanzel zu vermelden. Diese sollte ursprünglich in den Altarraum verlegt und mit einer Freitreppe ausgestattet werden. "Daraus wird nun nichts mehr, eingehende Beratung und Diskussion haben dazu geführt, die Kanzel an ihrem Ort zu belassen. "Dadurch können zirka 20.000 Euro eingespart werden", berichtet Rico Drechsler. Am Kanzelaufgang ist jedoch ein Wanddurchbruch zu einem abgetrennten Nebenraum erfolgt. Dort lagerten bisher die Bauteile für die Weihnachtspyramide. Entstehen soll dort ein kleiner Mehrzweckraum, der Möglichkeiten der Tonübertragung von Gottesdiensten für Familien mit kleinen Kindern bietet.

In der Sakristei wurden derweil der komplette Putz samt Wandverkleidung und Holzfußboden entfernt. Durch die krassen Temperaturunterschiede zwischen Kirche und der bisher ohne Heizung ausgestatteten Sakristei waren die Wände und der Boden teilweise vermodert und in einem erbärmlichen Zustand. Etwas Sorgen bereiten den Verantwortlichen um Pfarrer Rico Drechsler noch die Kirchenbänke. Diese sind erst mal alle abgedeckt, doch man suche eine Halle, in der die Kirchenbänke zur Restauration eingelagert werden können. Und auch für die Verschönerung der Wände der Annenkirche gibt es bereits konkrete Pläne. Dafür hatte Dr. Harald Oßmann, leitender Architekt der Umbaumaßnahmen aus Marienberg, die Westsächsische Hochschule Zwickau, Fakultät der Angewandten Kunst Schneeberg unter der Führung der Professoren Gisela Polster und Jörg Steinbach mit einer textilen Wandgestaltung für die Thumer Kirche beauftragt.

Daniela Schieck, Studentin im Studiengang Textildesign/Textilkunst, führt die Arbeiten aus. Die 28-Jährige fertigt fünf aufwändig gewebte Wandbehänge und vier Altarantependien an. Jüngst besuchten Thumer Gemeindemitglieder die Hochschule in Schneeberg. "Der konkrete Wunsch der Gemeinde nach einer gestalterischen Würdigung ihres besonderen Raumes gibt mir die Möglichkeit, ein Textil mit Seele herzustellen", sagt Daniela Schieck. Die Wandbehänge sind dem Farbspiel der Buntglasfenster angepasst und sollen über den Emporen als gestalterische Komponenten hinzukommen. "Ich nahm mir die Natur zum Leitgedanken der Arbeit, da Natur die Menschen verbindet und erfreut. Garten, Licht und Himmel dienen mir als Arbeitsthemen", erklärt Daniela Schieck, die sich geehrt fühlt, die Arbeiten für die Thumer Kirche anzufertigen. Die Kunststudentin war auch kürzlich vor Ort und hat den ersten Wandbehang zur Probe angebracht. Für Ende September sei die Fertigstellung der Wandbehänge geplant.

Die Finanzierung der Innensanierung der Thumer Kirche erfolgt jeweils zu einem Drittel von der Kirchgemeinde, der Landeskirche und über Drittmittel. "Besonders erfreulich ist, dass bisher rund 105.000 Euro an Spenden gesammelt wurden", berichtet Rico Drechsler. Und das geschieht auch durch verschiedenste Benefiz-Aktionen, wie Konzerte, Flohmarkt, Schrottsammlungen, Türmertreff oder wie zuletzt mit einem Sommerfest. Außerdem gibt es die Möglichkeit, für einen bestimmten Spendenbetrag eine Bankpatenschaft zu erwerben.

Wer die Innensanierung der Thumer St.-Annen-Kirche unterstützen möchte, kann das auch über das Spendenkonto tun: IBAN DE 02 8705 4000 3451 0000 74/ BIC WELADE D1 STB

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