Spaß und Provokation mit hohem Anspruch

Seit 20 Jahren setzt der Dramatische Verein Thum Meilensteine im kulturellen Leben des Ortes. In der Jubiläumssaison bekam er prominente Hilfe.

THUM.

"S'gruße Lus" von Mundartdichter Max Wenzel: Mit eben jenem Einakter hatte der Dramatische Verein Thum 1998 seinen ersten Auftritt. Ein Jahr später wagte sich die muntere Mundarttruppe schon an die erste große Herausforderung, einem Dreiakter. "Dr Weiberfeind", hieß das gute Stück. "Es war mit seinem Umfang sozusagen unser erster großer Meilenstein", erinnert sich Thomas Marschner. Der 50-Jährige ist seit Anfang an Regisseur der Schauspieltruppe. Inzwischen hat der Dramatische Verein viele Meilensteine gesetzt. In diesem Jahre besteht die Gemeinschaft 20 Jahre. Zwei Jahrzehnte Erfolgsgeschichte haben die Mimen geschrieben.

Kein Wunder also, wenn die Karten für das aktuelle Stück, "Kaninchen können's besser", das gestern im Thumer Volkshaus seine Premiere hatte, schon längst wieder ausverkauft sind. Und wenn die Hobbyschauspieler, die im wahren Leben, Metallbaumeister, Rettungssanitäter, Schuldirektorin oder Friseurinnen sind, gefragt werden, ob sie jemals mit solch einem Erfolg gerechnet hätten, schütteln sie nur ungläubig mit dem Kopf. Erfolg muss freilich erarbeitet werden. 23 Schwänke haben sie mittlerweile gespielt, dazu noch Sketchprogramme. Weit über 40.000 Zuschauer hat der Verein bisher zum Lachen und Schmunzeln gebracht. Ganz sicher ist es ein Mundarttheater mit hohen Ansprüchen.

Doch ohne das Verständnis und die Unterstützung ihrer Familien und Angehörigen wäre das alles nicht möglich. "Die müssen vor allem in der heißen Phase der Proben viel aushalten, was nicht selbstverständlich ist", macht Thomas Marschner deutlich. Seit mehreren Jahren stehen immerhin sieben Auftritte im November im Volkshaus auf dem Programm. "Es macht Spaß, aber es schlaucht", schätzt Marschner ein. Dabei sind die 13 Mitstreiter im Alter zwischen 45 und 58 Lenzen, die in diesem Jahre durch einige junge Leute und einem "Oldie" verstärkt werden, fast das ganze liebe Jahr über mit ihrem Hobby beschäftigt. Ist ein Stück durch, sucht der Regisseur zwischen Weihnachten und Neujahr bereits einen neuen Schwank aus. "Ideen hab ich aber meist schon eher", verrät der Außendienstmitarbeiter für Gartenbau. Im Winter werden dann die Rollen an die Mitstreiter ausgegeben, im Frühjahr ist meist Probenbeginn.

Apropos Rollen: Die sind meist auf die Mimen zugeschnitten. Mitunter bestimmt aber auch das Motto "Wünsch dir was" die Rollenverteilung. Wer also eine Oma spielen möchte, bekommt die Großmutter auf den Leib geschrieben, wer einmal böse sein will, den Ganoven. Ja- und manche Damen wollen sogar noch mal Jungfrau sein. Der Humor in den Stücken sollte für jedermann verständlich sein. "Und wir wollen natürlich auch mal provozieren, dabei ist uns sachliche Kritik ganz wichtig", so Thomas Marschner.

Damit der Angriff auf die Lachmuskel der Zuschauer auch von Erfolg gekrönt ist, schreibt Marschner die Stücke in erzgebirgische Mundart um, was permanent in eine Mammutaufgabe ausartet. In diesem Jahr hatte der Verein tatkräftige Unterstützung von einem richtigen Profi. Der aus Thum stammende bekannte Regisseur Günter Meyer hat dem Team unter die Arme gegriffen, weil es im "bedingt jugendfreien" Stück Verbindungen zwischen Theater und Film gibt. Übrigens hat Conny Bärthel vom Verein schon 1987 als ganz junge Statistin bei Günter Meyer mitgemischt, als nämlich "Spuk von draußen" in Thum verfilmt worden ist.

Sie und Vereinsvorsitzende Kristin Schädlich kümmern sich beim Thumer Laientheater neben ihren Rollen auch um die Maske der Mimen. Als Kulissenmacher und "Technischer Direktor" fungiert Thomas Deutscher. Dass der Verein inzwischen über einen großen Requisitenfundus verfügt, versteht sich von selbst. "Von de Dippeln, über Kleder bis zu de Lampen. Do mach mer alle zwee Gahr Inventur un schmeißen ewing setten Battel naus", so Marschner.

Die Wurzeln des Dramatischen Vereins in Thum reichen übrigens bis ins Jahr 1875 zurück. Sogar der Großvater von Thomas Marschner hat schon im früheren Verein als Schauspieler brilliert. Leider war zur Nachkriegszeit Mundarttheater nicht mehr angesagt. Aber während eines stimmungsgeladenen Kegelabends vor über 20 Jahren war die Idee entstanden, dieser Art Volkskunst wieder zu frönen.

Und was die Kultur angeht, stehen die Mimen nicht nur gemeinsam auf der Bühne. Es gibt lockere Zusammenkünfte, gemeinsame Ausfahrten und überhaupt hin und wieder einen Grund zum Feiern. Dann allerdings ohne Lampenfieber, das bei den Auftritten nach wie vor eine Rolle spielt. "Dabei unterstützen wir uns nicht nur in guten Zeiten. Sondern stehen uns auch in schlechten Zeiten zu Seite", so Marschner.

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