Stadtwerke: Zwischen knallhartem Markt und sozialem Engagement

Das kommunale Unternehmen will dieses Jahr 4,9 Millionen Euro investieren. Der Löwenanteil des Geldes fließt in die weitere Erschließung des Industriegebietes an der B 101. Doch das ist bei Weitem nicht alles.

Annaberg-Buchholz.

4,9 Millionen Euro wollen die Stadtwerke Annaberg-Buchholz in diesem Jahr investieren. "Diese Größenordnung ist für uns schon eine Herausforderung", sagt Vorstand Kai Aschermann. Die zu stemmenden Großprojekte in der Stadt lassen "kleinere Brötchen" allerdings nicht zu.

Mit 2,7 Millionen Euro fließt der Löwenanteil des Geldes in das neue Industriegebiet an der B 101. Dort errichten die Stadtwerke gemeinsam mit Mitnetz-Strom ein dringend benötigtes Umspannwerk. 800.000 Euro sind unter anderem für die weitere Ertüchtigung des Heizwerks im Alten Stadtbad sowie den Ausbau der Buchholzer Straße und die Weiterführung der Baumaßnahme im Bereich Klosterstraße kalkuliert. Dort geht es hauptsächlich um den Anschluss des künftigen Erzgebirgs-Finanzamtes an die Nahwärmetrasse der Stadtwerke. Für den Gasnetzbereich inklusive Leitungsbau und Erneuerung der elektronischen Werbetafeln im Stadtgebiet sind 550.000 Euro eingeplant. Und auch der Bereich Telekommunikation, für den rund 350.000 Euro bereitgestellt werden sollen, gehört mit zu den größten Posten im Wirtschaftsplan 2019.

Umsatzseitig werde man im abgelaufenen Jahr nicht ganz an das Ergebnis von 2017 herankommen, sagt Aschermann. Er geht für 2018 von etwa 50 Millionen Euro aus. Genaue Zahlen liegen derzeit noch nicht vor. Ein Jahr zuvor waren es 4 Millionen Euro mehr. Dennoch werde auch die Stadt als Gesellschafterin wieder eine "ordentliche Ausschüttung" erhalten. Der Umsatz werde zu etwa 95 Prozent mit den drei Standbeinen Strom, Gas, Wärme gemacht - inklusive des dazugehörigen Netzgeschäfts. In der Telekommunikationssparte - Internet, TV, Telefon - sei man inzwischen aber auch schon bei einem Umsatz in sechsstelliger Höhe angelangt. So habe man erst vor wenigen Wochen zwei Antennennetze in Ehrenfriedersdorf mit rund 1900 Kunden übernommen.

Dass die Stadtwerke Annaberg-Buchholz bei den großen Internet-Vergleichsportalen wie Check 24 oder Verivox als Gas- und Stromanbieter kaum eine Rolle spielen, sprich mit den eigenen Angeboten nicht im Vorderfeld landen, stört Kai Aschermann wenig. "Das ist nicht unser Anspruch. Wir setzen für unsere Produkte auf Werbung vor Ort. Deshalb betreiben wir unter anderem acht Filialen in der Region", sagt er.

Unabhängig davon sei der Neukundenpreis der Stadtwerke durchaus konkurrenzfähig. Jedoch werde er nicht wie auf den großen Plattformen üblich, von Prämienzahlungen flankiert, die dann in Summe die überaus günstigen Preise ergeben. "Wir wollen unsere Kunden persönlich überzeugen und setzen dabei darauf, dass sie möglichst lange auch bei uns bleiben", so der Stadtwerke-Vorstand.

Und das scheint anzukommen, wie eine nach eigenen Angaben 80-prozentige Haushaltsabdeckung in der Kreisstadt zeige. Auch die zu Jahresende 2018 vorgenommene Preiserhöhung sowohl bei Strom als auch Gas habe nicht zu einem übermäßig hohen Verlust von Kunden geführt. Die Anzahl derjenigen, die daraufhin ihre Verträge gekündigt hätten, habe zwischen zwei und vier Prozent gelegen.

Die andere Seite der Stadtwerke, deren Belegschaft 155 Mitarbeiter zähle, ist ihr soziales Engagement. Dafür stehen laut Aschermann etwa 70.000 Euro im Jahr zur Verfügung. Jeder kann sich dafür bewerben, der etwa ein Vereinsfest oder eine andere Veranstaltung plant, Geld für den Transport von Sportlern zu Wettkämpfen benötigt oder bei anderweitigen Projekten Unterstützung haben möchte. Eine Jury entscheidet über die Vergabe.

Nicht berücksichtigt würden unter anderem Parteien, Gewerkschaften sowie kommerzielle Veranstaltungen. Damit fließt ebenso wie bei Bauaufträgen an einheimische Firmen Geld wieder in die Region zurück, betont Aschermann.

Aber auch für die Ausbildung beziehungsweise Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter nehmen die Stadtwerke viel Geld in die Hand. Der aktuelle Wirtschaftsplan enthält für diese Position rund 200.000 Euro. "Das spornt die Mitarbeiter an und kommt uns als Unternehmen letztlich ja wieder zugute", betont der Stadtwerke-Vorstand. Und die städtische Tochter bildet auch selbst aus. Derzeit gibt es vier Lehrlinge bei den Stadtwerken. Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres sollen weitere folgen. Damit sich junge Leute möglichst frühzeitig für das Unternehmen interessieren, würden zudem regelmäßig Schülerpraktika und Ferienjobs angeboten.

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