Starke Räte für schwierige Aufgaben gesucht

Bürger wünschen sich schnellstmöglich ein Miteinander der einzelnen Fraktionen zum Wohl der Stadt Elterlein. Dabei sollte das Thema Eingemeindung nach Zwönitz oder Erhalt der Eigenständigkeit um jeden Preis den Stadtrat nicht länger entzweien.

Elterlein.

Steht Elterlein ein Paradigmenwechsel bevor? Mit der AfD drängt eine dritte Kraft in den Stadtrat. Gleich vier Kandidaten der Partei buhlen um die Gunst der Wähler. Gelingt ihnen der Sprung in den Rat, können sie allein zwar noch keine Entscheidungen herbeiführen, aber durchaus dafür sorgen, dass die teils verkrusteten Verhältnisse der aktuell zwei großen Lager in dem Gremium aufgebrochen werden. Diese haben in der zu Ende gehenden Wahlperiode immer wieder dazu geführt, dass Dinge blockiert oder ganz verhindert wurden.

Die Ursache dafür, dass jene zwei Lager konträr zueinander stehen, ist hauptsächlich in den unterschiedlichen Ansichten begründet, wo Elterleins Zukunft liegen soll. Für die CDU ist das in der Stadt Zwönitz. Für den anderen Teil des Rates, der sich aus den zwei Wählervereinigungen Schwarzbach und "Gemeinsam für die Stadt Elterlein" , der Freien Wählergemeinschaft Hermannsdorf sowie den Freien Wählern Bürgerforum zusammensetzt, steht hingegen der Erhalt der Eigenständigkeit ganz oben an. Das führt teils zu so absurden Situationen, dass Bürgermeister Jörg Hartmann, der einst der Wählergemeinschaft Hermannsdorf angehörte, noch nicht einmal das Wort Zwönitz in den Mund nimmt. "Es gibt einen Teil des Rates, der für ein Zusammengehen mit einer größeren Kommune ist", sagte er etwa im Gespräch mit "Freie Presse". Deshalb gebe es seinerseits auch wenig Zusammenarbeit mit der CDU.

Christoph Ulrich

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Das alles muss in den Hintergrund rücken, sollen die anstehenden Aufgaben gestemmt werden. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht dabei der Erhalt der Grund- sowie der Oberschule in Elterlein, sagt Hartmann. Um das zu erreichen, müsste eigentlich in beide Einrichtungen investiert werden. Dazu aber fehlt der finanziell klammen Stadt ebenso das Geld wie für den Neubau einer Turnhalle, den Hartmann anstrebt. Angesichts kalkulierter Gesamtkosten von mehr als zwei Millionen Euro bei nur 350.000 Eigenmitteln ist das momentan nicht machbar. Geld wird auch für die Sanierung der rund 30 Wohnungen benötigt, die sich noch in kommunaler Hand befinden. Der Investitionsrückstau in diesem Bereich sei nicht wegzudiskutieren. Froh ist der Bürgermeister darüber, dass es unter anderem gelungen ist, Schwarzbach zum Großteil abwasserseitig zu erschließen und in Elterlein ein neues Feuerwehrdepot zu bauen, wenn auch mit diversen Hindernissen. Laut Hartmann soll es im August endlich offiziell eingeweiht werden.


Zahlen und Fakten

Die Stadt Elterlein zählt aktuell 2850 Einwohner.

Elterlein erstreckt sich inklusive der Ortsteile auf einer Fläche von 45,7 Quadratkilometern.

Mit Schwarzbach und Hermannsdorf wurden im Jahr 1996 beziehungsweise 1999 zwei umliegende Orte in die Stadt Elterlein eingemeindet.


Diese Kandidaten stellen sich zur Wahl

In der Stadt Elterlein gibt es insgesamt 27 Bewerber für die 14 Sitze im Stadtrat.

AfD:

Joachim Hadlich, Uwe Gahlert, Sandy Gahlert, Mario Gemballa

CDU:

Heinz Kreutel, Dr. Matthias Hinkel, Anne Baumann, Jörg Seidel, Alexander Bonitz, Heike Uhlig, Michael Döhler, Dr. Hans-Jürgen Wolf, Christian Wagner, Jens Weigel

Wählervereinigung "Gemeinsam für die Stadt Elterlein":

Katrin Baumann, Siegbert Ullrich, Frank von Jagemann, Jörg Groß, Tilo Göpfert, Annette Ficker, Dirk Bauer, Mirko Haustein, Heiko Rau, Lars Balcar, Enrico Friedel, Sven Hofmann, Martin Schaller


Das wünschen sich Bürger vom neuen Stadtrat

Sandra Sywall: Vom neu zu wählenden Stadtrat wünsche ich mir eigentlich nur, dass dessen Mitglieder endlich einmal an einem Strang ziehen, Entscheidungen treffen und diese dann auch gemeinsam vertreten. Die verschiedenen Lager dürfen nicht länger gegeneinander arbeiten, sondern miteinander. Angesichts der finanziellen Situation Elterleins sollte meiner Meinung nach endlich auch die Eingemeindung nach Zwönitz vorangetrieben werden. Unsere Stadt hat nun einmal kein Geld mehr, was überall spürbar ist. In den Kindereinrichtungen passiert nichts mehr, aber die Elternbeiträge wurden erhöht. Und auch sonst greift die Stadt den Bürgern immer tiefer in die Tasche. Das ärgert viele nur noch.

Sven Krause: Elterlein ist für mich an sich erst einmal keine schlechte Stadt. Allerdings stellt man mehr und mehr fest, dass vieles verfällt, weil es nicht gepflegt wird beziehungsweise es anderweitig klemmt. Wanderwege, aber auch der Winterdienst sind nur zwei Beispiele dafür. Vieles liegt dabei natürlich am Geld. Wobei ich durchaus Verständnis dafür habe, dass es derzeit um die Stadt finanziell nicht so gut bestellt ist. Unabhängig davon ärgert die jetzige Situation die Menschen, macht sie traurig. Ob ein Zusammengehen mit Zwönitz die Lösung aller Probleme wäre, kann ich nicht einschätzen. Vereinen wird noch dahingehend unter die Arme gegriffen, dass sie nur sehr wenig Miete für die Nutzung städtischer Räume zahlen müssen. Dafür lasten aber die anfallenden Betriebskosten komplett auf den Schultern der Vereine. Es gibt also viel zu tun für den neuen Stadtrat. Doch auch er kann nicht zaubern.

Eva-Maria Papenhagen: Es wäre schön, wenn Hermannsdorf mal eine Art Verschönerungskur erhalten würde. Irgendwie hat man den Eindruck, dass alles ein bisschen auf der Stelle steht. Es hieß mal, dass in Hermannsdorf ein Dorfplatz entstehen soll. Bis heute ist dahingehend aber nichts passiert. Zudem würde ich mir vom neuen Stadtrat wünschen, dass es künftig ein Miteinander gibt und das über alle Ortsteile hinweg. Wir sind eine Stadt.

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