Steigerlied braucht Stille und keinen Westwind

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Das Meißner Glockenspiel im Freiberger Rathausturm schickt jeden Nachmittag sein Glück Auf über den Freiberger Obermarkt. Es entstand vor 35 Jahren nach einer Idee und erklang erstmals zur 800-Jahr-Feier der Bergstadt.

Freiberg.

Täglich 11.15 und um 16.15 Uhr klingt das Steigerlied leise über den Freiberger Obermarkt - gespielt auf 12 Glocken aus Meißner Porzellan. Seit 35 Jahren ist das Lied vom Rathausturm zu hören. Doch von vorn: Im Mai 1980 unterbreitete eine Stadträtin dem damaligen Freiberger Bürgermeister den Vorschlag, ein Glockenspiel aus Meißner Porzellan für die 800-Jahr-Feier zu installieren. "Daraufhin nahm die Stadt Verbindung auf zur Porzellanmanufaktur. Im September 1981 lag ein Angebot aus Meißen über neun Glocken für 10.000 Mark vor", erinnert sich Andreas Schwinger, langjähriger Leiter des Kulturamtes der Stadt.

"Ziel war es, zum Jubiläum das Steigerlied erklingen zu lassen", sagt er. Dafür waren jedoch zwölf Glocken nötig. Begleitet habe den Prozess mit seiner Fachkenntnis Günter Schwarze, Professor an der Musikhochschule "Carl Maria von Weber" in Dresden am Institut für Komposition-Musiktheorie. Er ist zudem musikalischer Berater für Glas- und Porzellanglockenspiele, die unter anderem im Rathaus Weimar, im Zwinger in Dresden oder in der Frauenkirche Meißen erklingen. Schließlich habe Freiberg 12 Porzellanglocken erhalten, Schriftstücke darüber wie auch über den wirklichen Preis seien jedoch nicht verfügbar, so Andreas Schwinger.

Eingeweiht wurde das Glockenspiel dann Ende Juni 1986. "Es erklang um 16.15 Uhr während des Festaktes zur 800-Jahr-Feier zum ersten Mal", sagt Andreas Schwinger. Über eine Mechanik und Elektronik seien neben dem Steigerlied (in D-Dur) auch Frühlings- und Weihnachtslieder eingespielt gespeichert worden.

2015 hatte ein Blitzeinschlag das Uhrwerk der Rathausuhr wie auch den Schaltkasten des Glockenspiels beschädigt. Nach der Reparatur und Überarbeitung der Elektronik sind die Glocken seit dem Christmarkt 2016 wieder zu hören. Doch es braucht Aufmerksamkeit: Bei Westwind und hohem Lärmpegel auf dem Obermarkt hört man sie kaum.


Spiele seit 1737

Ein Porzellanglockenspiel ist ein Musikinstrument, bei dem mindestens sechs Glocken aus Porzellan von außen angeschlagen werden. Spielbare Instrumente gibt es seit 1737 und bisher nur aus Meißner Porzellan. Sie werden oft umgangssprachlich als Carillon bezeichnet, obwohl es sich um keine typischen Kirchenglocken aus Metall handelt. Zudem sind die Porzellanglocken starr aufgehängt und schwingen beim Spiel nicht aus. Dabei sind die Porzellanglocken klöppellose Glocken. In Deutschland gibt es den größten Bestand an Porzellanglockenspielen weltweit, davon die meisten in Sachsen. (ar)(Quelle: Wikipedia)

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