Stimmen Sie ab: Wer wird Erzgebirger des Jahres?

Zwölf Frauen und Männer, die in den vergangenen zwölf Monaten für Schlagzeilen gesorgt haben, stehen zur Wahl. Sie alle sind Helden des Alltags, stille Helfer in der Not oder einfach nur Bürger mit Herzblut für die Region.

Bundestagswahl ist erst nächstes Jahr. So lange muss allerdings keiner warten, denn schon jetzt kann gewählt werden - der "Erzgebirger des Jahres 2020". Um den Titel bewerben sich zwölf Frauen und Männer. Wer von diesen Alltagshelden hat in diesem ganz außergewöhnlichen Jahr Sie am meisten begeistert, überrascht, gerührt oder von sich überzeugt? Alle diese zwölf Frauen und Männer haben sich durch besonderes Engagement, persönlichen Einsatz oder Ideen hervorgetan. Nun ist es an Ihnen, liebe Leser, den "Erzgebirger des Jahres" zu küren. Dafür gibt es zwei Wege. Sie können online abstimmen, indem Sie den QR-Code im nebenstehenden Kasten scannen. Sie können Ihre Stimme aber auch per Telefon abgeben. tw

Schwibbögen gehen an

Mark Schmidt rief Erzgebirger zu besonderer Aktion auf

Ein Post bei Facebook schrieb Geschichte. Als im März Deutschland in den ersten Lockdown rutschte, gingen im Erzgebirge, Sachsen, Deutschland und vielen anderen Ländern die Schwibbögen wieder an. Ursprung dessen war eben jener Post, den Mark Schmidt aus Schlettau am 20. März absetzte: "Liebe Erzgebirger, ich habe da eine Idee: lasst uns unsere Schwibbögen wieder in die Fenster stellen und von 21 bis 23 Uhr leuchten ..." Ein Aufruf, der gehört wurde. Schon am ersten Abend machten viele mit. Es wurden immer mehr. Selbst in den USA tauchten plötzlich wieder die erzgebirgischen Bögen auf. Wer keinen hatte, nutzte andere Formen, um Licht in die Dunkelheit hinauszusenden. Es war wohl das erste Mal, das Schwibbögen nach Lichtmess in den Häusern strahlten. aed

Zeichen für Kultur gesetzt

Sven Melzer organisiert trotz Corona ein großes Konzert

Wie alle Vertreter aus der Kultur hatten auch die Heidelbachtalmusikanten unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu leiden. "Seit Mai haben wir nicht mehr geprobt", berichtet Sven Melzer. Statt sich mit der Situation abzufinden, ergriff der Vorsitzende des Drebacher Ensembles die Initiative. Im September stellte er eine außergewöhnliche Veranstaltung auf die Beine, indem er den Parkplatz am Fuß der Burg Scharfenstein zum Konzertplatz umfunktionierte. Vom Anhänger eines Trucks aus begeisterte die Blaskapelle mehr als 150 Besucher, die den Auftritt aus ihren Autos heraus verfolgten. "Einige hatten auch Campingstühle mitgebracht, achteten aber natürlich auf den Abstand", berichtet der 41-jährige Organisator, der damit ein wichtiges Zeichen für die Kultur setzte. anr

Trinkgeld-Aktion gestartet

Christin Popella sammelt 66.000 Euro für Händler ein

Mit ihrer Hilfsaktion löste sie ein großes Echo aus: Als im Frühjahr die meisten Geschäfte schließen mussten, begann die Auer Fleischermeisterin Christin Popella damit, ihre Trinkgelder für all jene Geschäftsinhaber in der Stadt zu sammeln, die besonders unter der Pandemie litten. Viele weitere Läden, die wie Popellas Fleischerei im März noch öffnen durften, zogen mit und legten die Trinkgelder ihrer Kunden zur Seite. Im Frühjahr sagte Christin Popella zu der Aktion: "Bereits eine kleine Summe hilft dem Einzelnen. Und die Kunden werden sich so bewusst, dass derjenige, der regional einkauft, hilft." Am Ende dann die dicke Überraschung: Als "Notgroschen" kamen gut 16.000 Euro an Spendensumme zusammen, die ein geheimer Gönner im Sommer um weitere 50.000 Euro aufstockte. juef

Zeichen der Hoffnung

Katharina Weigelt startet Aktion für Ältere und Kranke

Auch ohne das Corona-Virus sterben täglich Menschen. Katharina Weigelt steht ihnen bei ihrem letzten Lebensabschnitt zur Seite. Die Pobershauerin arbeit als hauptamtliche Koordinatorin beim Hospiz- und Palliativdienst Marienberg. Doch die Pandemie stellte im Frühjahr Sterbebegleiter vor neue Herausforderungen. Ältere, Kranke, Sterbende waren einsam - auch, weil sie und Angehörige nicht genau wussten, dass sie die Hilfe von Katharina Weigelt weiterhin in Anspruch nehmen dürfen. Sie und ihre Kolleginnen entschlossen sich, einen Aufruf zu starten. Erzgebirger sollten Schmetterlinge basteln, sie dem Verein zukommen lassen, um den Einsamen eine Freude zu bereiten. Mehr als 200 Schmetterlinge erreichten die Sterbebegleiter. Ein Zeichen der Hoffnung in der Corona-Krise. rickh

2000 Euro zurückgegeben

Regina Klepzig findet Börse und rettet Familienurlaub

Sie ist 70 Jahre - und hat ein großes Herz. Eines Tages erlebte Regina Klepzig auf der Heimfahrt dies: "Vor uns fiel von einem fahrenden Auto etwas herunter. Der Wagen bog dann ab, war rasch fort. Mein Mann aber stoppte, ich stieg aus, fand eine Geldbörse." Es waren 2000 Euro darin. Einfach behalten? Nein, die ehrlichen Klepzigs riefen im Stollberger Polizeirevier an. Die fanden den Besitzer: ein 36-jähriger Familienvater aus Nürnberg, der mit seiner Frau und dem vierjährigen Sohn im Erzgebirge Urlaub gemacht hat. Die Familie besuchte daraufhin die ehrliche Finderin. Im Gepäck hatten sie eine Schachtel Pralinen, dazu eine Dankeschön-Karte. "Der kleine Junge war so aufgeweckt, da habe ich ihm einen großen, weißen Teddy geschenkt", so Regina Klepzig, die Frau mit dem großen Herz. (joe)

Schnelle Hilfe organisiert

Alina Krause baut in Olbernhau Bürgerstiftung auf

Wie wichtig ehrenamtliches Engagement ist, das stellt die anhaltende Corona-Pandemie dieser Tage eindrucksvoll unter Beweis. Besonders alte, kranke oder mittellose Menschen sind auf fremde Hilfe angewiesen. In diesem Bewusstsein hat Alina Krause aus Dörnthal gemeinsam mit ihren ehrenamtlichen Mitstreitern schon zu Beginn der Krise in diesem Frühjahr schnell gehandelt. Die eigens in Olbernhau ins Leben gerufene Nachbarschaftshilfe nahm sich ohne Bürokratismus der Nöte der Menschen an und erledigte beispielsweise Einkäufe. Zudem fertigten die Ehrenamtler Mund-Nase-Bedeckungen etwa für Schüler. Längst ist eine Bürgerstiftung entstanden, in die sich Alina Krause als Vorsitzende des Stiftungsrates einbringt. Auch nach dem Ende der Pandemie wollen die Ehrenamtler Gutes tun.geom

Mit 11 Jahren Weltmeister

Leon Heydrich gewinnt Titel der jungen Goldwäscher

Wenn ein Erzgebirger es bis zum Weltmeistertitel schafft, hat das meistens mit Wintersport zu tun. Im Fall von Leon Heydrich war für den Erfolg aber kein Paar Ski nötig, sondern eine spezielle Schüssel. Es ist das Gerät, mit dem der elfjährige Zschopauer schon seit frühester Kindheit Gold wäscht. "Irgendwie bin ich da hineingewachsen", sagt der Erzgebirger, dessen Vater Goldwäscher ist. Auch zwei seiner Brüder frönen diesem Hobby, doch keiner war bislang so erfolgreich wie der Jüngste aus der Familie. Bei der Weltmeisterschaft, die in gekürzter Version in Tschechien stattfand, zog er sogar im Wettbewerb der Männer ins Finale ein. Bei den Kindern fand er die millimetergroßen Goldflitter so schnell, dass er Zweiter wurde. Im Zweier-Teamwettbewerb reichte es an der Seite von Vater Dirk sogar zum Titel. anr

Ein bisschen Leichtigkeit

Der Annaberger Till Schwabe brachte die Musik zurück

Machen, nicht aufgeben. So oder so ähnlich könnte die Devise von Till Schwabe lauten. Der Veranstalter und Club-Betreiber aus Annaberg-Buchholz ist bekannt für seine schrägen Veranstaltungsideen. Er ließ die Erzgebirger schon auf einer Hitsch den Hang hinunterfahren oder über den Schutzteich schippern. Als in diesem Jahr alle Veranstaltungen abgesagt werden mussten und sich kaum noch einer traute, etwas auf die Beine zu stellen, wagte er den ersten Schritt. Er organisierte mit Freunden das erste Drive-In-Konzert, ließ das Eisfest am Schutzteich trotz aller Auflagen nicht ausfallen und bekam sogar eine Genehmigung für das Holi-Festival an der Morgensonne. Er gab den Erzgebirgern mit seinen Veranstaltungen ein Stück Leichtigkeit zurück und er wird es wieder tun, wenn er darf. aed

Wirte vor leeren Stühlen

Mitinitiator Heiko Schmidt schnürt schwarze Päckchen

Bereits im Frühjahr haben die Wirte in Sachsen mit der Aktion "Leere Stühle" auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht. Heiko Schmidt, Chef der Köhlerhütte in Waschleithe, mischte mit. "Wir mussten uns Gehör verschaffen", sagt er heute. Sie erkämpften eine Öffnung mit Abstand und Schutzmaßnahmen. Doch schon das zweite geplante Treffen eines neuen Wirte-Stammtischs fiel der zweiten Corona-Welle zum Opfer. Die angekündigten Hilfen, lassen bis heute auf sich warten, so Schmidt. Der aktuelle Lockdown bedeutet für ihn erneut mehr als zehn Wochen Schließzeit. Ein Ende: nicht absehbar. Die Wirte packen nun schwarze Päckchen für die Politiker in Berlin. In diesen stecken ihre Wünsche und Forderungen, um ein wirtschaftliches Überleben der gesamten Branche zu sichern. matu

Gesagt, was nicht geht

Reiseunternehmer René Lang kämpft für Mittelstand

Er ist ein Mann der Praxis. Doch genau dieses Wissen offenbarte dem Reiseunternehmer aus Schwarzenberg bereits zum ersten Lockdown im Frühjahr, dass die avisierten Hilfen von Bund und Land in der Praxis nicht wirklich ankommen. Er gründete mit anderen Unternehmern eine Mittelstandsinitiative und stellte schließlich seinen Kreditantrag öffentlich, um zu dokumentieren, was nicht funktioniert. "Wir mussten öffentlichen Druck erzeugen, um zu sagen, dass es so in der Praxis nicht funktioniert", sagt Lang. Seinen kompletten Antrags- und E-Mail-Verkehr stellte er den Politikern zu Verfügung, damit Fehler erkannt werden können. Und heute? "Ich kämpfe noch immer, denn es ist noch nicht vorbei", so Lang. matu

Das Erzgebirge leuchtete

Pyrotechniker Stephan Boden setzt Zeichen

Was er sich für 2021 wünscht? Stephan Boden zögert nicht bei seiner Antwort: "Dass das Gegeneinander weniger wird, die negativen Schlagzeilen verschwinden und die Welt zur Ruhe kommt." Der 34-Jährige ist Pyrotechniker aus Leidenschaft, arbeitet in einer hart umkämpften Branche, die gerade Verluste bis hin zum Totalausfall hinnehmen muss.

Doch Hinnehmen ist absolut nicht sein Ding. Der Eibenberger, ihm gehört die Firma Colorfulpyro, wollte Mitte Mai ein Zeichen setzen: mit Erzleuchten, einem Feuerwerk an vier verschiedenen Orten. Und erntete harsche Kritik. Doch Stephan Boden lässt sich nicht beirren. Erst kürzlich ließ er sein kleines Dorf im Advent bunt leuchten. Und Pläne für 2021 hat er viele.ka

Preisgekrönte Brautmode

Für Ina Riedel geht in Mailand ein Traum in Erfüllung

Von der Autoverkäuferin zur preisgekrönten Designerin - so märchenhaft wie ihre eigenen Hochzeitskleider war dieses Jahr für Ina Riedel. Schon in der Grundschule malte sie Prinzessinnenkleider. Vor 13 Jahren wechselte sie von den Autos zur Mode und eröffnete ein Brautmodengeschäft. Vor zwei Jahren zog sie mit dem "Kleiderwahnsinn" nach Zwönitz. Mit ihrer Brautmodenkollektion "Black Pearl" gewann sie im September in Mailand auf der größten Modemesse Italiens den European Fashion Award. "Das war völlig unerwartet. Es war ein Meilenstein in der Geschichte von ,Kleiderwahnsinn'", freute sich Ina Riedel. Der Wahnsinn wird 2021 weitergehen: Als Siegerpreis gab es ein Ticket für die New York Fashion Week. tjm

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