Strecke ist für Saisonverkehr gerüstet

Fahrgäste können ab Mai zwischen den böhmischen und sächsischen Teil des Gebirges pendeln. Hinter dem Bahnhof Schmiedeberg steckt derweil eine reichhaltige Historie.

Schmiedeberg/Kovarska.

489 Meter des Hauptgleises an der Strecke Komotau-Weipert hat die Tschechische Bahn ÈD (České dráhy) im vergangenen Jahr am Bahnhof Schmiedeberg erneuert. Damit stellt sie den Fortbestand des Saisonbetriebes auf der Strecke sicher. Das Personal wechselte Schienen und Schwellen. Neuen Schotter lieferten mehrere, schwere Güterzüge aus dem Egertal. Die älteste Schienenverbindung im Erzgebirge zwischen Böhmen und Sachsen wurde damit an einem weiteren Abschnitt fit gemacht, den Saisonverkehr zu ermöglichen. Ab Mai können auch in diesem Jahr Fahrgäste zwischen den böhmischen und sächsischen Teil des Gebirges pendeln und so das Kammgebiet für sich entdecken.

Den Haltepunkt Schmiedeberg gibt es bereits seit 1872. Gleichzeitig ist dieser mit 850 Meter über Normalnull der höchst gelegene Bahnhof auf der Strecke Komotau-Weipert. 515 Höhenmeter überwindet die Bahn bei ihrer Anfahrt vom Egertal auf den Gebirgskamm bis Schmiedeberg. Nach Weipert fällt die Strecke dann wieder 135 Höhenmeter ab.

Der Bahnhof liegt idyllisch neben dem großen Waldgebiet des Keilbergmassives und dem nördlich gelegenen Hochmoor. Noch heute erinnert ein Gedenkstein am Bahnhof an eine Katastrophe im Dreißigjährigen Krieg. Dort sollen mehrere orientierungslose schwedische Truppenteile nach einer Schlacht bei Pressnitz mit Pferden und Wagen hilflos versunken sein.

Bevor die Schmalspurbahn Cranzahl-Oberwiesenthal 1897 in Betrieb ging, war der Bahnhof auch An- und Abreisestelle für die Oberwiesenthaler Sommerfrischler oder Skifahrer. "Pferdekutschen pendelten zwischen Schmiedeberg und der Stadt am Fichtelberg. Wer sich den Transport nicht leisten konnte, musste den Weg durch den Wald zu Fuß absolvieren", weiß Eisenbahnhistoriker Uwe Schulze.

Gleichzeitig gewann Schmiedeberg auch als Güterbahnhof an Bedeutung. Zunächst waren es Holztransporte, später die Güter für die 1877 gegründete Fischfabrik. Unternehmer Anton Kalla verarbeitete bis nach dem Zweiten Weltkrieg große Mengen Seefisch aus Hamburg. Den lieferte die Deutsche Reichsbahn in täglich bis zu drei Kühlwaggons aus der Hansestadt an. Kalla war zwischenzeitlich sogar kaiserlicher und königlicher Hoflieferant für die österreichische Monarchie. Ältere Erzgebirger aus dem Sehmatal erinnern sich noch heute an die hervorragende Qualität der Schmiedeberger Fischverarbeitung.

Zwischen 1946 und 1947 transportierte die ÈSD Sudetendeutsche aus Weipert und der gesamten böhmischen Grenzregion in unterschiedliche deutsche Länder oder Bezirke. Bis zu 1200 Personen wurden pro Zug in die Waggons gepfercht und über Schmiedeberg zwangsverschickt. Nach 1945 schloss die Fischfabrik und auch der grenzübergreifende Verkehr wurde eingestellt. Der Haltepunkt Schmiedeberg verlor zusehends an Bedeutung und mutierte über Jahrzehnte zu einer unbesetzten Dienststelle. Noch bis zur Jahrtausendwende fuhren Güterzüge den idyllisch gelegenen Bahnhof an, verluden und entluden Kohle und Holz.

Seit 2015 fährt die ÈD nur noch im saisonalen Wochenendverkehr. "Aber dies mit viel Herzblut", so Eisenbahner Jan Martasek, Verantwortlicher bei der Tschechischen Bahn und treibender Akteur für das grenzübergreifende Angebot.

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