Stupsi erlebt wieder "Heißen Sommer"

Theatergeschichte(n) gibt es aus 125 Jahren Eduard-von-Winterstein-Theater viele zu erzählen. Auch der Promi-Faktor hat schon des Öfteren eine Rolle gespielt. In diesen Tagen steigt er gerade wieder in bisher ungeahnte Dimensionen.

Annaberg-Buchholz.

Bei Chris Brinkel im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz steht in diesen Tagen das Telefon nicht still. Die Ankündigung, dass Sängerin und Schauspielerin Chris Doerk zur Premiere des Musicals "Heißer Sommer" auf die Freilichtbühne an den Greifensteinen kommen wird, stößt "im ganzen Osten" auf ein riesiges Medien- und Besucherinteresse, sagt der Theatersprecher. Und dabei wird sie nicht der einzige prominente Gast am Sonntagnachmittag sein.

Außerdem werden Filmautor Hartmut Fischer und Gundula Natschinski erwartet, die Witwe des 2015 verstorbenen Komponisten Gerd Natschinski. Er hatte zusammen mit seinem ältesten Sohn Thomas die Musik für den Film komponiert. Und die Musik ist es auch, die aus Sicht von Axel Poike den Film so populär gemacht hat. Lieder wie "Männer, die noch keine sind" oder "Was erleben" sind vielen bis heute im Ohr geblieben. Axel Poike hat 2003 das Musical zum Film geschrieben. Und bei der Inszenierung auf der Freilichtbühne an den Greifensteinen führt er erstmals auch selbst Regie. "Bei den bisherigen zwei Aufführungen war ich nur lebender Autor", sagt er und lacht. Nach der Premiere 2005 war das Musical in Rostock und seiner Wahlheimat Berlin aufgeführt worden. Für die Aufführung in Rostock habe er noch überlegt, den Inhalt des Stückes in die Gegenwart zu holen - es "zu modernisieren". "Aber das funktioniert bei dieser Musik nicht", ist er überzeugt. Und so erlebt auch das Publikum im Erzgebirge die Originalhandlung.

In der waren vor 50 Jahren Chris Doerk und Frank Schöbel in den beiden Hauptrollen zu erleben - das Traumpaar der 1960er- und 1970er-Jahre in der DDR. Sie als Stupsi, die mit ihren Freundinnen trampend an die Ostsee will. Und er als Kay, der mit seinen Jungs das gleiche Ziel hat. Die Mädels starten in Leipzig, die Jungs im damaligen Karl-Marx-Stadt. Unterwegs lernen sich beide Gruppe kennen. Hübsch und voller Temperament kommen die weiblichen Anhalterinnen natürlich schneller an ihr Ziel, was ihre männlichen Altersgefährten nach ihrer Ankunft auf Rache sinnen lässt. So entwickelt sich zwischen den Geschlechtern ein liebevoller Schlagabtausch, bei dem allerdings schnell auch ganz andere Gefühle ins Spiel kommen, die wiederum zu einigen romantischen Verwicklungen führen. Leichte Sommerunterhaltung - ohne jedweden politischen Hintergrund. Für Axel Poike auch einer der wesentlichen Gründe dafür, warum der Film beim Publikum in der damaligen DDR so viel Resonanz gefunden hat. Er war nach seiner Premiere im Juni auf der Rostocker Freilichtbühne noch im gleichen Monat in die Kinos gekommen und - gemessen an den Zuschauerzahlen - einer der erfolgreichsten Filme im Land geworden. Und von dieser Popularität hat er offensichtlich bis heute nichts eingebüßt. Denn bei einer von der "Freien Presse" vor zwei Jahren gestarteten Umfrage nach den beliebtesten Filmen aller Zeiten, die bei der Deutschen Film AG - kurz Defa genannt - gedreht worden sind, wurde "Heißer Sommer" von den Leserinnen und Lesern auf Platz 1 gewählt.

In der aktuellen Inszenierung schlüpfen Friederike Kury und Nick Körber in die Hauptrollen. Die 24-Jährige stammt aus Herdecke in Nordrhein-Westfalen. Derzeit aber hat sie ihren Lebensmittelpunkt in Berlin, wo sie seit 2014 an der Universität der Künste in Berlin Musical und Show studiert. Sie ist eigens für diese Inszenierung vom heimischen Theater engagiert worden. Nick Körber gehört dagegen seit fast einem Jahr zum Ensemble des Hauses und hat in dieser Zeit schon einige markante Rollen gespielt. Mit dem Film "Heißer Sommer" hatten sie bis zum Beginn der Inszenierung noch nicht viel anfangen können, wollen sich aber auch von dem Kult um ihn nicht beeinflussen lassen. "Uns ist bewusst, dass es ein großer Film ist", sagen sie. Dennoch wollen sie die Aufführung zur ihrer eigenen machen. "Dabei steht der Spaß im Vordergrund", sagt Friederike Kury.

Ganz das Original ist das Musical allerdings doch nicht. "Ich habe es den örtlichen Gegebenheiten angepasst", verrät Axel Poike. So ist in seiner Geschichte der alte Kay ein Bergführer, der sich im Gespräch mit zwei Touristen aus den Altbundesländern an seine Jugendjahre in der DDR erinnert.

Die Premierenvorstellung morgen beginnt 15 Uhr. Im Anschluss findet eine Autogrammstunde mit Chris Doerk statt.


Das Stück

Kay ist als Bergführer im Erzgebirge unterwegs. Im Gespräch mit einem Touristenehepaar aus den alten Bundesländern erinnert er sich an seine Jugendzeit in der DDR - an den heißen Sommer seinen Kumpels sowie mit Stupsi und ihren Freundinnen. In einem kleinen Dorf an der Ostsee haben sich damals in den Sommerferien die Oberschüler aus Karl-Marx-Stadt und die Oberschülerinnen aus Leipzig getroffen. Immer wieder haben sich die Gruppen gegenseitig Streiche gespielt. Liebeleien haben nicht lange auf sich warten lassen - romantische Verwicklungen inklusive. Denn Brit hat gleich zwei Jungs den Kopf verdreht. Einer davon war er selbst. Doch auch Stupsi hatte ein Auge auf ihn geworfen.

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