Tag des offenen Denkmals lockt mit Neuem

Am kommenden Sonntag muss keiner zu Hause sitzen. Fast überall in der Region warten historische Gebäude, Museen, Einrichtungen mit spannenden Offerten auf. Manches wird erstmals präsentiert.

Eibenstock.

Auf der Info-Tafel neben der Eingangstür zum Haus Crottenseestraße 9 in Eibenstock steht geschrieben, dass die Umsetzung des Gebäudes an einen geeigneten Standort im Stadtzentrum geplant sei, um seinen Erhalt zu sichern. Ein Plan, der nicht aufging. Jetzt gibt es allerdings eine neue Zukunft für das alte Haus: Thomas Helm will es für sich und seine Familie ausbauen und voraussichtlich in reichlich zwei Jahren darin wohnen.

Helm hat das Haus im Mai 2017 gekauft. Sein Vorbesitzer hatte dafür keine Verwendung mehr. "Dennoch hat er es erhalten, so gut es ging. Es ist schließlich sein Elternhaus. Dem ist zu verdanken, dass es überhaupt noch steht", sagt Thomas Helm. Der 40-jährige Eibenstocker hat sich intensiv mit Holzbauweisen im Auersberggebiet beschäftigt, 2010 hat er dazu das Buch "E Hüttel när aus Holz gebaut" veröffentlicht. Das Haus in der Crottenseestraße darf darin nicht fehlen, schließlich ist es das älteste Haus in der Stadt und wohl das einzige in diesem Baustil erhaltene. Die Untersuchung der Jahresringe des Bauholzes ergab, dass es 1658 gebaut wurde. Durch die Beschäftigung mit der erzgebirgischen Holzbaukultur des 17. Jahrhunderts hat Thomas Helm wohl seine Liebe zu dem alten Haus entdeckt. Mittlerweile teilt sie auch seine Frau. "Am Anfang musste ich sie mir mit angucken, dann habe ich eine gewisse Sympathie dafür entwickelt", sagt sie. Gehen die beiden durchs Haus, beschreiben sie, wie sie es sich in Zukunft vorstellen. Die fünfköpfige Familie wird sich hier wohlfühlen. Weil es in der jetzigen Mietwohnung für sie eng wurde, haben sich Helms schon länger nach einem Haus umgeschaut. Zur Entscheidung, dieses in der Crottenseestraße zu kaufen, hat beigetragen, dass die Eibenstocker eine Förderung übers Leaderprogramm bekommen. Was die Sanierung kosten wird, wollen Helms nicht sagen, nur so viel: "Es ist nicht mehr, als wenn wir ein Eigenheim gebaut hätten."

Der alte Baustil lässt Thomas Helm schwärmen. Was geht, soll erhalten bleiben, so die originalen Türen, die Größe der Fenster, der Zuschnitt der Räume. Eine Besonderheit ist die Blockstube, das war früher der einzige beheizte Raum. Die Rußküche hat ihren Namen zurecht, denn der Qualm hat Balken und Mauerwerk über Jahrzehnte schwarz gefärbt. "Wer das Haus von außen betrachtet, meint vielleicht, es sei klein und mickrig, das ist es aber nicht", sagt der Eibenstocker. 150 Quadratmeter Fläche werden der Familie zukünftig zur Verfügung stehen, mit Küche, Bad, Wohnstube und Wirtschaftsraum im Erdgeschoss sowie Schlafzimmer, drei Kinderzimmern und einem Arbeitszimmer im Obergeschoss. "Wir waren überrascht, dass so viele Interesse an unserem Vorhaben gezeigt haben", sagt Maria Helm. Die Eibenstocker wollten noch einmal Gelegenheit geben, sich das Wohnstallhaus im fast originalen Zustand anzuschauen, bevor dann die Handwerksfirmen daraus eine Baustelle machen. Deshalb haben sie sich entschieden, beim Tag des offenen Denkmals mitzumachen. Von 14 bis 18 Uhr steht die Tür zu ihrem Haus offen.


Auch hier lohnt es sich vorbeizuschauen

Ehemalige Baldauf-Fabrik in Marienberg: Besucher können am Sonntag erstmals einen Blick in die denkmalgeschützte Baldauf-Fabrik werfen. Erbaut wurde sie 1895 von den Brüdern Gottlieb Emil und Karl Ludwig Baldauf. Unter der Firmenbezeichnung Gebrüder Baldauf entstand eine der größten Metallknopffabriken Sachsens. Ein erheblicher Teil der Produktionskapazitäten wurde für die Herstellung von Militärknöpfen genutzt. Binnen weniger Jahre avancierte das Unternehmen zum großen Lieferanten der sächsischen Armee. Nach dem Konkurs 1933 und einer zwischenzeitlichen Übernahme wurde die Fabrik von der Großhandelsgesellschaft für Textilwaren genutzt. 1972 folgten Zwangsverstaatlichung und Umbenennung in VEB Knopf- und Metallwaren. Nach der Wiedervereinigung beherbergte das Gebäude zuletzt eine Lehrstätte für Auszubildende des Baugewerbes. Die heute baufällige Fabrik wurde von den Stadtwerken Marienberg erworben. Das Unternehmen plant, das alte Gebäude in eine Wohnanlage mit industriellem Charme umzubauen. Das Millionenprojekt soll nicht vor 2021 fertig sein. (rickh)

Schindlers Blaufarbenwerk in Albernau bei Aue: Das 1649 gegründete Werk stellte aus Kobalterz blaue Farbe für Meißner Porzellan her. Ab 1855 wurde die Fabrikation auf das billigere Ultramarin umgestellt. Aus dieser Zeit stammen die Ultramarinöfen, die erstmals der Öffentlichkeit gezeigt werden. Das war bisher nicht möglich, weil die Anlage einsturzgefährdet war. Nachdem sie im Sommer gesichert wurde, können Besucher nun einen Blick in die alten Brennöfen werfen, in denen die Rohstoffe eine Woche lang erhitzt werden mussten, ehe Ultramarinblau herauskam. Auch der Rest der historischen Anlagen kann besichtigt werden. (11 bis 17 Uhr. Zschorlau, Schindlerswerk 9. Zufahrt über Bahnhof Bockau.) (mu)

Heimatmuseum in Hormersdorf: Im ehemaligen Gemeindeamt in Hormersdorf kann am Sonntag das Heimatmuseum besucht werden. Mitglieder des Erzgebirgszweigvereins sind vor Ort und laden zu Führungen ein. Eingerichtet ist in dem Museum eine Wohnung wie zu alten Zeiten. In den insgesamt neun Zimmern gibt es eine Menge zu entdecken, darunter "De gute Stub", die Kammer (Schlafzimmer) und eine alte Küche. Hier kann der Besucher viele Geräte bestaunen und erfährt deren besondere erzgebirgische Namen sowie allerlei Interessantes zum Thema Essen und Trinken, kündigt Regine Seifert vom Erzgebirgszweigverein an. (14 bis 18 Uhr, Hormersdorf, Auerbacher Straße 5.) (pl)

Wasserwerk Annaberg: Das Museum "Wasserwerk Annaberg" öffnet am Sonntag in der Zeit von 10 bis 17 Uhr seine Türen. Das Bauwerk aus dem Jahr 1886 befindet sich an der Straße von Königswalde in Richtung Bärenstein, oberhalb des Ortsteils Brettmühle. Besucher können die frühere Trinkwassergewinnung mittels einer im Original erhaltenen Pumpenanlage und einem im Dampflokwerk Meiningen instandgesetzten Lanz-Lokomobil nacherleben, wie Mike Päßler, Pressesprecher der Stadtwerke Annaberg-Buchholz, beschreibt. Mit Transmission durch Treibriemen und hölzerne Zahnräder funktionierte die Anlage zuverlässig. Sie versorgte über Jahrzehnte die Einwohner von Annaberg. Heute speisen die Stadtwerke an gleicher Stelle Strom ins Netz ein. (fp) Fotos unten: Dirk Trautmann, Katja LippmannWagner, Christof Heyden, Mike Päßler

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