Thailändisch in Neudorf

Liebe geht durch den Magen. Bei Yupin und Danny Seidel trifft das auf ganz besondere Weise zu. Seit drei Jahren lebt die 38-Jährige im Erzgebirge. Da sich die Jobsuche zunächst schwierig gestaltete, kam das Ehepaar auf eine kreative Idee.

Neudorf.

Die Geschichte von Yupin und Danny Seidel beginnt auf der Halbinsel Railey. "Ich war zum Fotografieren in Thailand", erzählt der 44-Jährige. Freunde von ihm haben dort geheiratet. Er war für die Hochzeitsbilder in der Traumkulisse zuständig. Dass er selbst so weit entfernt von seiner erzgebirgischen Heimat die Liebe seines Lebens treffen würde, war so eigentlich nicht geplant. Doch Liebe kennt eben keine Grenzen, erst recht nicht, wenn sie auf den ersten Blick erfolgt.

So oder so, um die beiden war es geschehen. Drei Monate später fuhr der Neudorfer wieder nach Thailand, nicht zum letzten Mal. Auch Yupin Seidel, die von allen nur Joy genannt wird, reiste zweimal ins Erzgebirge. Irgendwann stand fest, dass sie heiraten wollen. Das sollte sich allerdings schwierig gestalten. Anträge mussten gestellt und Dokumente übersetzt werden. Zudem musste die Thailänderin einen Deutschkurs nachweisen. Doch irgendwann waren alle Formalitäten geklärt und das Paar durfte sich das Jawort geben - natürlich in dem südostasiatischen Land. Danach zog Joy mit ihrem Sohn nach Neudorf. "Nach der Einreise wurde sie zu einem sechsmonatigen Integrationskurs verpflichtet", erzählt der Erzgebirger. Da blieb kaum Zeit, sich eine geregelte Arbeit zu suchen. Doch untätig wollte Joy nicht bleiben. So kam die Idee auf, einen mobilen Kochservice zu gründen -natürlich mit thailändischen Gerichten. Statt Roulade, Sauerkraut und Klöße stehen Poh Pia Thod, Larb Moo und Gai Pad Prik Gaeng auf der Menükarte. "Thai Baan", was frei übersetzt soviel wie ländliche Küche bedeutet, war geboren.

Ein Erfolg. Am Anfang kochte Joy Seidel vor allem für Paare, die sich ein besonderes Abendessen wünschten. Als Mietköchin besucht sie die Kunden daheim und kocht für sie. Doch die Nachfrage ist so groß, dass Joy und Danny Seidel derzeit an einer mobilen Küche arbeiteten, die es ermöglicht, auch bei größeren Events für Gäste zu kochen. Großer Vorteil: Danny Seidel arbeitet hauptberuflich als Küchenmonteur. Zudem baut er in seiner Freizeit Imbisswagen und Verkaufsstände für andere. Und: Der Neudorfer ist auch noch Airbrush-Künstler. Die mobile Küche der Seidels wird von außen beispielsweise aussehen wie ein typisch thailändisches Holzhaus. Die perfekte Illusion.

Ist thailändisches Essen, das in Neudorf oder bei Kunden in der Region gekocht wird, vergleichbar mit dem Original? Fast. Ein paar Unterschiede gibt es. Da wäre zum einen die Schärfe. Würde Joy Seidel die Gerichte so würzen, wie sie es in ihrer Heimat täte, würden die Erzgebirger wohl Feuer spucken. "Da muss ich mich immer etwas bremsen", sagt die 38-Jährige und lacht herzhaft. Und auch bei den Zutaten gibt es Unterschiede. In ein original thailändisches Hühnchencurry kommt nämlich eigentlich so ziemlich alles vom Huhn. In der Variante des Kochservices verarbeitet die Neudorferin aber nur das Brustfilet. Auch Hühnerfüße, Heuschrecken, Skorpione und Schlangen zählen nicht unbedingt zu den Lieblingsspeisen der Deutschen. Außerdem gibt es schlicht einige Produkte und Zutaten selbst in Asia-Läden nicht.

Was allerdings unbedingt dazugehört, ist die besondere Art des Essens. "Typisch ist, die Speisen zu teilen", so Danny Seidel. Das heißt, die Gerichte sind immer für den gesamten Tisch und jeder bedient sich. "Eine eigene Bestellung mit einem Gericht pro Person gibt es dort nicht." Zum Menü gehören daher in der Regel eine Suppe, mehrere Hauptgerichte und Bedarf auch Salat und Dessert. Die Thailänderin achtet dabei auch sehr auf die Dekoration. Kunstvoll geschnitzte Möhren, Gurken, Melonen und Co sind ihr Hobby. Fruit Carving nennt man das.

Ist die mobile Küche fertig, soll das Geschäft weiter wachsen. Schon jetzt gibt es Wartezeiten von etwa einem Monat. Ein Stück Thailand im erzgebirgischen Neudorf - und es funktioniert.

isaan-food.jimdo.com

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